Asiatische Literatur – GESCHICHTEN AUS INDIEN

Buchrezensionen von Anita Bolte
Genie ist relativ von Manu Joseph
Roman - Aus dem Englischen von Anke Burger
Buchinhalt/Buchkritik:
Der Inder Ayyan Mani ist Vorstandssekretär am Institut für Weltraumforschung in Mumbai. Damit gilt er in seinem privaten Umfeld als der „Aufsteiger“ schlechthin. Sind doch viele seiner früheren Freunde arbeits- wie perspektivlos und dem Alkohol verfallen. Ayyan hätte seiner Frau Oja und seinem Sohn Adi auch gerne bessere Lebensverhältnisse geboten.

Ihr Zuhause liegt im Hochhausghetto und misst gerade mal fünf Meter mal drei Meter dreißig. Einer eher niedrig angesehenen Kaste angehörend, ist ein Aufstieg so gut wie unmöglich. Doch Ayyan macht sich die Verlogenheit des Systems jetzt selbst zunutze, denn „sein Sohn soll es einmal besser haben als er selbst“. Er „füttert“ Adi mit hoch intelligenten Fragen, die dieser voller Begeisterung bei jeder unpassenden Gelegenheit an seine Lehrer weitergibt.
Schon bald gilt der Zehnjährige, durch eine angeborene Schwerhörigkeit gehandicapte Junge als Wunderkind. Eine fingierte Zeitungsmeldung und vorweg ergaunerte Lösungen eines Wissenschaftsquiz der Schule verfehlen nicht ihre Wirkung. Auch die „nichtkäufliche“ Presse wird geleimt: Die ersten tausend Primzahlen sagt Adi in ihrem Beisein fehlerfrei auf. Hilfreich ist dabei ein kleiner Recorder unter dem Shirt und dessen Knopf im gesunden Ohr. Der Ruhm des „Ausnahmetalentes“ dringt bis in die Chefetagen des Forschungsinstituts, wo zur großen Freude Ayyans gerade ein „Krieg zwischen den Brahmanen“ tobt. In diese Männerdomäne ist doch tatsächlich eine Frau eingedrungen, und die 30-Jährige mischt den „Altherrenclub“ ungeplant, aber nicht schuldlos völlig auf.
Mit seinem vorliegendem Erstlingswerk nimmt Manu Joseph die indische Gesellschaft, ihr Kastensystem und ihre Kultur gehörig auf die Schippe. Selbst Journalist, verschweigt er auch nicht die Käuflichkeit von Informationen und den Wert mancher Lüge. Er stellt den unerträglichen Chauvinismus an den Pranger wie auch die Benachteiligung der Frauen. Doch es stellt sich am Ende die Frage: Sind im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Missstände alle Mittel und Wege erlaubt? Oder gerät das, was als harmloses Spiel begann, zu einer Katastrophe? Ein unterhaltsames, spannendes und vor allem überaus humorvolles Buch mit einem ernsten Hintergrund.
Der Autor:
Der indische Autor Manu Joseph wurde am 22. Juli 1974 in Kottayam, im Südwesten Indiens, geboren. Er war Redakteur bei der „Times of India“ und leitet heute das Büro des „Open Magazine“ in Bombay. Sein vorliegender Debütroman „Serious Men“ wurde nominiert für den „Man Asian Literary Prize“ und gewann 2010 den „Hindu Literary Prize“ und 2011 den „Pen Open Book Award“.
Buchtitel: „Genie ist relativ“
Autor: Manu Joseph
Die englische Originalausgabe erschien 2010
unter dem Titel „Serious Men“ im Verlag John Murray, London
Deutsche Erstausgabe 2010 unter dem Titel „Ernste Männer“
bei J.G.Cotta`sche Buchhandlung, Stuttgart
Seit Juni 2012 als Taschenbuch im Suhrkamp Verlag, Berlin
357 Seiten, UVP: € 9,99 (D), € 10,30 (A), CHF 14,90
ISBN: 978-3-518-46358-1
Geheime Tochter von Shilpi Somaya Gowda
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
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Buchinhalt/Buchkritik:
Am 18. August 1984 wird in einem indischen Dorf ein Mädchen geboren. Seine Mutter Kavita gibt ihm den Namen Usha (Morgendämmerung). Zum ersten Mal im Leben ist die junge Frau ihrem Mann Jasu ungehorsam. Bevor er ihr das Baby fortnehmen kann, wie er es schon bei ihrer ersten Tochter getan, verlangt sie einen Tag Zeit für sich und ihrem Kind. Jasu sagt, sie können sich nur ein Kind leisten. Aber sie brauchen einen Jungen, der auf den Feldern hilft. Eine Tochter wäre für die ganze Familie eine Belastung. Heimlich macht Kavita sich gemeinsam mit ihrer Schwester zu Fuß auf den Weg in die ferne Stadt, nach Mumbai. Nur wenn sie es schaffen, das Waisenhaus zu erreichen, hat das kleine Mädchen eine Chance zu leben. Es zerreißt ihr das Herz, ihre kleine Tochter mit den wunderschönen goldgefleckten Augen herzugeben. Und es wird kein Tag mehr vergehen, an dem Kavita nicht an ihre geheime Tochter denkt, um sie trauert und für sie betet.
Im fernen San Francisco erfährt die junge Ärztin Somer, dass sie niemals ein Kind gebären wird. Mit 31 Jahren leidet sie an Ovarialinsuffizienz, auch vorzeitige Menopause genannt. Nach zwei Fehlgeburten zerbricht ihr Traum von einer richtigen Familie. Ihr Mann Krishan, kurz Kris genannt, versucht mit der Zeit, Somer von der Möglichkeit der Adoption zu überzeugen. Er sagt: „Blut macht doch keine Familie.“ Kris ist indischer Herkunft, kam zum Medizinstudium in die USA, verliebte sich in seine damalige Kommilitonin und blieb. Mit Hilfe seiner Familie in Mumbai nehmen sie Kontakt zu einem dortigen Waisenhaus auf. Nach umfangreichen Anträgen, Tests und Überprüfungen sind die beiden auf dem Siebenundzwanzig-Stunden-Flug nach Mumbai. Obwohl Somer Zweifel bleiben: „Würde es sich auch anfühlen wie mein Baby?“ Nach vielen zermürbenden Tagen im Hause von Kris` Großfamilie in einer ihr unverständlichen Kultur hält sie endlich „ihr“ Kind in den Armen: Ein aufgewecktes einjähriges Mädchen mit goldgefleckten Augen mit dem Namen Asha (Hoffnung).
20 Jahre später kommt Asha zurück, voller Neugier auf das Land ihrer Herkunft und auf der Suche nach ihrer wahren Identität.
Mit ihrem Erstlingswerk gibt Shilpi Somaya Gowda einen eindrucksvollen Einblick über Indien, dem Land mit einer Milliarde Menschen und einem Leben voller Gegensätze. Wo eine Stadt wie Mumbai die Menschen wie magnetisch anzieht, leben viele am Rande der Gesellschaft in menschenunwürdigen Verhältnissen. Dharavi, der größte Slum Mumbais, beherbergt eine Million Menschen auf zwei Quadratkilometern, „wo Elend und menschlicher Einfallsreichtum miteinander wetteifern“, so die Autorin. Eingeflochten in einer ergreifenden Geschichte zweier Familien macht sie auf Kernprobleme aufmerksam, wie vor allem das Schicksal der unerwünschten Töchter Indiens. Ein hervorragendes, ein wichtiges, ein absolut empfehlenswertes Buch.
Die Autorin:
Die indischstämmige Shilpi Somaya Gowda ist in Toronto geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern sind aus Mumbai nach Kanada immigriert. Ihre Erfahrungen als Mitarbeiterin in einem indischen Waisenhaus nach ihrem Studium inspirierten sie zu diesem erfolgreichen Debütroman. Er wurde zum Weltbestseller, stand Monate lang auf der New-York-Times-Bestsellerliste und ist in mehr als zwanzig Ländern erschienen.
Buchtitel: „Geheime Tochter“
Autorin: Shilpi Somaya Gowda
Titel der Originalausgabe: Secret Daughter
Copyright 2010, Erstausgabe in den USA bei Harper Collins
Auf deutsch seit August 2012
im Verlag Kiepenheuer & Witsch
432 Seiten, UVP: € 9,99 (D), € 13,90 (A), CHF 10,30
ISBN: 978-3-462-04445-4
Der lachende Tote von Tarquin Hall
Ein neuer Fall für Vish Puri – Roman - Aus dem Englischen von Jochen Stremmel
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Buchinhalt/Buchkritik:
Vish Puri, sich selbstbewusst Indiens erfolgreichster Privatdetektiv nennend, steht vor einer echten Herausforderung. Der berühmte Wissenschaftler Dr. Jha wird in einem öffentlichen Park vor vielen entsetzten Augen getötet: Während er mit Freunden an ihrer regelmäßig stattfindenden Lachtherapie teilnimmt, erscheint in überdimensionaler Größe die Rachegöttin Kali und ersticht ihn mit ihrem Schwert.
Für einen Großteil der indischen Bevölkerung gehört der Glaube an die Götter- und Geisterwelt auch noch heute zum realen Leben. Trotz moderner Lebensweise und unter Nutzung aller technischen Fortschritte huldigen sie der traditionellen Götterverehrung. Gerade dagegen hat sich der Ermordete engagiert und viele der selbst ernannten Gurus als Scharlatane und Zauberkünstler angeprangert. Sein berühmtester und mächtigster Widersacher ist dabei der populäre Prediger Maharaj Swami gewesen. Die Bevölkerung reagiert auf den Mord hysterisch, die Polizei ist ratlos. Inspektor Singh von der Mordkommission bittet seinen väterlichen Freund Vish Puri um Hilfe. Der Pandschabe ist auch viel zu gerne dazu bereit, obwohl er seine Ermittlungen vor dem Polizeichef selbst verbergen muss. Schon arbeiten er und sein professionelles Team auf Hochtouren an der Aufklärung. Zusätzlich wird Puris Engagement auch von Seiten der Familie eingefordert. Sein Schwager ist auf dem besten Weg, sich zu ruinieren und seine Tochter erwartet Zwillinge. Traditionsgemäß kehrt sie vor der Entbindung in ihr Elternhaus zurück.
Ein spannendes wie auch humorvolles Lesevergnügen begleiten den Leser durch einen durchaus stimmigen Plot mit gut geschilderten Charakteren. Auch die Einblicke in indische Lebensweisen und die fast spürbaren Schilderungen von Gerüchen, Hitze, Lärm und Staub in der Millionenmetropole Delhi erhöhen noch den Charme dieses unterhaltsamen Romanes. Das vor dem Ende ein unerwarteter Ablauf des Geschehens für Überraschung sorgt, erhöht Spannung wie Verwirrung. Genial!
Der Autor:
Tarquin Hall, 1969 in London geboren, ist ein britischer Journalist und Autor. Als Korrespondent arbeitete er viele Jahre in Südasien, Nahost und Afrika. Heute lebt er mit seiner indischen Ehefrau abwechselnd in London und Neu Delhi. Hall ist Autor von drei erfolgreichen Sachbüchern. „Der lachende Tote“ ist sein zweiter Roman mit dem kauzigen Privatdetektiv Vish Puri als Hauptfigur.
Buchtitel: „Der lachende Tote“
Autor: Tarquin Hall
Die Originalausgabe The Case of the Man Who Died Laughing
- Vish Puri 2 - erschien 2010 bei Simon & Schuster
Die deutsche Taschenbuchausgabe seit März 2011
im Wilhelm Heyne Verlag, München
397 Seiten, UVP: € 8,99 (D), € 9,30 (A), CHF 13,50
ISBN: 978-3-453-43417-2
Rani & Sukh: Eine verbotene Liebe von Bali Rai
Jugendroman - Aus dem Englischen von Jacqueline Csuss
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Buchinhalt/Buchkritik:
Die 15-jährige Rani wäre ein ganz normaler englischer Teenager, wäre da nicht die Tatsache, dass ihre Eltern indische Einwanderer sind. Lebt die Familie auch schon seit Jahrzehnten in Leicester und fern ihres Dorfes in Pandschab, der ehemaligen Provinz Britisch-Indiens, so sollen doch die alten indischen Traditionen eingehalten werden. Rani darf nie ohne Erlaubnis das Haus verlassen. Den Umgang mit ihrer modernen Mitschülerin und besten Freundin Natalie würde man ihr am liebsten untersagen. Und eine Freundschaft mit einem Jungen wäre die Todsünde überhaupt.
Die Tradition verbietet es, sich vor der Ehe zu verlieben – vor einer Ehe, die nur von der Familie arrangiert werden wird. Dennoch haben sich Rani und der gleichaltrige Sukh ineinander verliebt, so unschuldig und aufrichtig, wie nur zwei junge Menschen zueinander finden können. Sukhs Eltern stammen ebenfalls aus Pandschab, doch stehen sie dem Leben in der neuen Welt wesentlich aufgeschlossener gegenüber. Sukhs große Schwester ist sogar recht erfolgreich im Business und besitzt als Single eine eigene Wohnung. Während ihrer Auslandsreisen bekommt Sukh den Wohnungsschlüssel. Hier kann das junge Paar immer wieder Stunden der Zweisamkeit und des Glücks genießen. Auch wenn Rani diese Zeit nur mit Lügen und Ausreden ermöglichen kann.
Haben Rani und Sukh alle Zeit der Welt, oder ist diese Welt gerade im Begriff, über sie zusammen zu stürzen? Ein Geheimnis aus längst vergangener Zeit lastet auf den beiden Familien, machte sie einst zu Blutsfeinden. Als Sukh und Rani das erfahren, ist ihre Liebe schon nicht mehr folgenlos: Rani ist schwanger. Während Sukhs Eltern das Mädchen liebevoll in ihrer Mitte aufnehmen, werden Ranis Eltern immer intoleranter, ihre Brüder immer misstrauischer und aggressiver. Bis zu jenem Tag, an dem die Gewalt eskaliert.
Der junge Autor Bali Rai wird wissen, von was er schreibt. Er lebt wie seine Protagonisten im englischen Leicester und hat ebenfalls indische Wurzeln. Auch wenn wir hoffen dürfen, dass seine Geschichte eine fiktive ist, so könnte sie sich doch so oder ähnlich schon oft zugetragen haben. Menschen wie Bali Rai wird es zu verdanken sein, dass Ehrenmorde, Zwangsheirat und Familienkriege irgendwann nicht mehr in der Tagespresse auftauchen müssen. Ein wichtiges Buch von einem viel versprechenden, talentierten Schriftsteller. Ein empfehlenswerter Roman für junge Leser wie auch für deren Eltern oder Großeltern.
Der Autor:
Bali Rai, 1971 als Sohn indischer Einwanderer in England geboren, wuchs in Leicester auf und begann bereits im Alter von acht Jahren zu schreiben. Rai studierte Politikwissenschaft in London. Sein vielfach ausgezeichneter Debütroman „Bloß (k)eine Heirat“ wurde bereits in acht Sprachen übersetzt. „Rani & Sukh“ kam auf die Shortlist Booktrust Teenage Prize 2004. Heute lebt Bali Rai wieder in Leicester, wo er eine Bar betreibt.
Buchtitel: „Rani & Sukh“
Autor: Bali Rai
Die englische Originaltitel erschien 2004
unter „Rani & Sukh“ bei Corgi Books
Die deutsche Erstausgabe erschien 2006
im Sauerländer Verlag, Düsseldorf,
als Ravensburger Taschenbuch 2011
318 Seiten, UVP: € 7,99 (D), € 8,22 (A)
ISBN: 978-3-473-58392-8
Letzter Mann im Turm von Aravind Adiga
Roman - Aus dem Englischen von Susann Urban und Illja Trojanow
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Buchinhalt/Buchkritik:
Mumbai, das einstige Bombay, wächst und wächst. Die größte Stadt Indiens verändert sich unaufhaltsam. Neben Slums und Bergen von Müll entstehen gigantische Prestigebauten, mehrstöckige Bürogebäude oder Luxus-Appartementanlagen. Auf einer Halbinsel liegend, ist ein natürliches Wachstum der Millionenmetropole nur zum Norden hin möglich. Das Bauland wird knapp. Die großen Immobilieninvestoren überbieten sich beim Wettlauf um die besten Standorte. Einer von ihnen ist der Bauunternehmer Dharmen Shah. Er war noch jung, arm und unerfahren, als er – die Familie und sein Dorf verlassend – in Mumbai ankam und blieb. Er arbeitete, lernte, arbeitete. Er erkannte die Zeichen der Zeit und die Macht des Geldes. Jetzt ist er alt, reich, fett und krank. Doch „jeder Mann möchte, dass man sich an ihn erinnert.“ Und so will er einen letzten riesigen Bau realisieren: sein „Shanghai“, ein Luxus-Appartementkomplex. Er hat auch schon den richtigen Standort dafür entdeckt: In der Nähe des Flughafens und am Rande der Slums befinden sich die beiden Türme der „Vishram Society“. Er macht den Bewohnern der beiden Wohntürme ein mehr als großzügiges Angebot. Mit einer einzigen Bedingung: Alle ohne Ausnahme müssen bis zum festgesetzten Termin zustimmen. Die Aufregung unter den Bewohnern ist groß und noch größer der in Aussicht gestellte Geldbetrag. Sie würden zur angesehenen Mittelschicht zählen, frei jeglicher Geldsorgen. Doch nicht jeder wünscht eine Veränderung. Das Miteinander der Hausgemeinschaft ist über Jahrzehnte gewachsen, Freundschaften sind entstanden. Und so sagt der pensionierte Lehrer Masterji „nein“, vor allem seines Freundes Mr. Pinto und dessen fast blinder Ehefrau zuliebe. Hier kann sie sich jeden Schritt ertasten, kennt jede Unebenheit in der Wand, jeden Tritt im Treppenhaus. Wie soll sie woanders zurechtkommen? Es gibt noch ein paar andere „Nein“-Sager. Doch der Bauunternehmer Shah kann sie persönlich und auf eine menschlich gewinnende Art umstimmen. Doch Masterji bleibt bei seinem „Nein“, auch wenn die Pintos schon längst über die Verwendung des Geldes nachdenken. Der festgesetzte Termin rückt näher. Das Leben in der Gemeinschaft verändert sich. Es wird gefährlich.
Wieder hat uns Adiga einen atemberaubenden Roman über die Metropole Mumbai vorgelegt. Es ist das überwältigende Portrait einer Stadt und seiner Menschen im Wandel. Jeder seiner Romanfiguren verleiht er ein menschliches Gesicht, einen Charakter und eine Seele. Und doch ziehen im „Turm A“ die Unmenschlichkeit, die Gewalt und die Schwäche ein. Wie hoch ist der Preis für ein bisschen Wohlstand?
Der Autor:
Aravind Adiga, geboren 1974 in Madras, wuchs im südindischen Mangalore und teilweise im australischen Sydney auf. Er studierte englische Literatur an der Columbia University und am Magdalen College in Oxford. Als Journalist arbeitete er für die Zeitschrift Time, für die Financial Times, das Wall Street Journal und für Money. Er lebt in Mumbai, Indien. Sein erster Roman „Der weiße Tiger“ (2008) gewann den Booker Prize und erschien in fast 40 Ländern.
Buchtitel: „Letzter Mann im Turm“
Autor: Aravind Adiga
Originaltitel: „Last Man in Tower“
erschienen 2011 bei Alfred A. Knopf, New York
Deutsche Erstausgabe: 31. August 2011
bei Verlag C.H.Beck, München
515 Seiten, UVP: € 19,95 (D), € 20,50 (A), CHF 30,50
ISBN: 978-3-406-62156-7
Warten auf den Monsun von Threes Anna
Roman - Aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert
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Buchinhalt/Buchkritik:
Die Protagonistin des Romans ist die 1930 im indischen Rampur geborene Engländerin Charlotte. Damals führte die britische Minderheit in Indien ein feudales Leben, von Luxus umgeben, von einer großen Dienerschaft verwöhnt. Doch Charlotte und ihr jüngerer Bruder vermissten schon als Kleinkinder die Nähe und Zärtlichkeit ihrer Mutter, fürchteten die Härte und Strenge des Vaters.
Nur Sita, das indische Kindermädchen, gibt den Geschwistern Liebe und Geborgenheit. Doch auch dieser Schutz währt nur kurz: Mit sechs Jahren wird Charlotte zur Schulausbildung ins Internat nach England geschickt. Sie ist allein, wird ihre Mutter niemals wiedersehen, darf nicht einmal in den Ferien nach Hause.
Als sie mit 16 Jahren in Bombay vergebens auf den unbekannten Vater wartend am Hafen steht, begegnet sie einem englischen Soldaten, ihrem späteren Ehemann. Peter Harris ist im zivilen Leben ein begnadeter Chirurg, doch bereits von furchtbaren Kriegserlebnissen gezeichnet. Das Leben wird Charlotte auch in Zukunft nicht verwöhnen: Es entstehen rätselhafte bis in den Palast des Maharadschas reichende Verbindungen. Die Wege der unterschiedlichsten Menschen werden sich kreuzen, sich wieder voneinander entfernen und doch auf ewig miteinander verbunden sein.
Gleichzeitig begegnen wir immer wieder dem stummen Schneider Madan. Er schlägt sich alleine durch, wird als bettelnder Straßenjunge gejagt und missbraucht, landet im Gefängnis. Doch hat er immer wieder Jahre des Glücks, begegnet Menschen, die ihm helfen, ihn lieben, ihn ausbilden. Aber er weiß: Jedem Glück folgt das Unglück. Im Jahre 1995 kommt er als Untermieter in das Haus Charlottes. Früh verwitwet und kinderlos lebt sie wieder in Rampur, zusammen mit ihrem greisen, noch immer herrschsüchtigen Vater. Das Anwesen ist heruntergekommen, das Kapital verbraucht, die Not ständiger Gast. Sie spürt eine seltsame Seelenverwandtschaft zu dem jungen Schneider. Wortlos kommunizieren sie miteinander, sind erschrocken, versuchen ihre Gedanken zu verbergen, ihre Geheimnisse zu schützen. Und während ringsum die Menschen sehnsüchtig auf den längst überfälligen Monsun warten, hat das Schicksal schon längst wieder die Karten gemischt.
Ein fantastischer Roman über die Irrtümer des Lebens, über Glück und Unglück und über die alles zerstörende Macht des Krieges. Zeit- und Ortswechsel zwischen den einzelnen Kapiteln geben dem Roman eine zusätzliche Spannung. Geschickt wird die wesentliche Aufklärung der menschlichen Verstrickungen erst am Romanende präsentiert.
Die Autorin:
Die 1959 in Vlaardingen, Niederlande, geborene Threes Anna ((Pseudonym von Threes Schreurs) ist Regisseurin und debütierte 2003 als Schriftstellerin. „Warten auf den Monsun“ ist ihr fünfter Roman und wird zurzeit in einer internationalen Produktion verfilmt.
Buchtitel: „Warten auf den Monsun“
Autor: Threes Anna
Titel der Originalausgabe „Wachten op de moesson“
erschienen 2010 Signatuur, Utrecht
Deutsche Erstausgabe 2011 Insel Verlag, Berlin
556 Seiten, UVP: € 22,90 (D), € 23,60 (A), CHF 34,90
ISBN: 978-3-458-17493-6
Ein Querkopf kommt selten allein von Rupa Gulab
Jugendroman - Aus dem indischen Englisch von Cornelia Krutz-Arnold
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Buchinhalt/Buchkritik:
Die 13-jährige Priya ist ein sehr aufgewecktes, unkompliziertes indisches Mädchen. Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter in einem Hochhaus in Neu-Delhi. In ihrem Leben gibt es so gut wie keine Männer: keinen Freund, keinen Bruder, keinen Onkel und Cousin – und erst recht keinen Vater. Und den hat sie auch wirklich nie vermisst, weil das schon so von Geburt an ist.
Um so verblüffter, ja regelrecht geschockt ist sie, als ihre Mutter sie unverhofft fragt: „Wann möchtest du dich mit ihm treffen?“ Da kann ihre Antwort nur lauten: „Nie und nimmer.“ Doch der unbekannte Vater macht Druck. Und bevor sie überhaupt nachgeben kann, steht er schon bei ihnen in der Wohnung. Und es soll noch schlimmer kommen: Er will in die leerstehende Wohnung neben ihnen einziehen. „Dad the Bad“, wie Priya jetzt ihren Vater nennt, ist von Beruf Reiseschriftsteller und hat außer ihnen niemanden in Delhi.
Natürlich „hängt“ er jetzt ständig bei ihnen rum. Und nicht genug, dass alle ihre Freundinnen ihn anhimmeln, scheint auch die Mutter neu in ihn verliebt. Dabei hat nicht Dad sich von Mum scheiden lassen, sondern Mum sich von ihm.Zu all dem privaten Stress eskaliert es auch noch in der Schule: Ms. Basu, die beliebte Englischlehrerin, wird entlassen. Zusammen starten Schülerinnen und Eltern eine Kampagne. Es ist Dads Idee, die zur Rettung von Ms. Basu führt, und ihn unweigerlich zum Helden erhebt. In der Familie geht der Kleinkrieg weiter, obwohl Priya ihren Vater eigentlich doch ganz cool findet. Als er ihr neben Mathe-Nachhilfe auch noch das Gitarrespielen beibringt, könnte das Leben eigentlich so weiter gehen. Doch warum darf sie Nana und Nani, Mums Eltern, nichts von ihrem neuen Nachbarn erzählen?
Dieses Buch werden vor allem die jungen Leserinnen lieben. Es ist eine höchst verwickelte Familienkomödie mit viel Witz und voller Spannung. Nebenbei wird sehr gut das Leben mit Familie, Schule und Beruf im heutigen Indien vermittelt. Und das Gefühlsleben pubertierender Jugendlicher scheint dort nicht anders zu sein als hier. Ein tolles Buch.
Die Autorin:
Rupa Gulab wurde 1962 in Indien geboren und studierte Englische Literatur in Kalkutta. Eigentlich wollte sie danach als Journalistin arbeiten, landete aber stattdessen in einer Werbeagentur. Nach unzähligen Werbekampagnen und den damit verbundenen lügenhaften Slogans hatte sie genug und begann, Bücher zu schreiben. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin und Kolumnistin in Mumbai. Bisher hat sie drei Bücher veröffentlicht, wobei das hier vorgestellte ihr erstes Jugendbuch ist, empfohlen für ein Lesealter ab 12 Jahren.
Buchtitel: „Ein Querkopf kommt selten allein“
Autor: Rupa Gulab
Die Originalausgabe „Chip of the Old Blockhead“
erschien 2006 bei Rupa & Co. New Delhi
Deutsche Erstausgabe 2008 in der Reihe „Baobab“ beim NordSüd Verlag, Zürich,
dafür jetzt neu: Verein Baobab Books, Basel
208 Seiten, UVP: € 15,90 (D), € 16,40 (A), 24,80 CHF
ISBN: 978-3-905804-28-7
Die verschwundene Dienerin von Tarquin Hall
Ein Fall für Vish Puri
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Buchinhalt/Buchkritik:
Vish Puri aus Neu Delhi ist ein jovialer, aber auch sehr hilfsbereiter Mann. Zudem hat er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und eine scharfe Beobachtungs- wie auch Kombinationsgabe. Das allein schon prädestiniert ihn zum erfolgreichsten Geheimdetektiv Indiens – wie Puri gerne selbstbewusst behauptet.
Auch wenn er (zu) oft Überwachungsaufträge skeptischer Familienmitglieder über Heiratsanwärter oder Scheidungskandidaten erhält, so wird doch seine Arbeit im Milieu des Verbrechens immer umfangreicher und auch gefährlicher. Gerade entging er wieder einmal einer ihm zugedachten Kugel.
Aber sein Auftragsbuch ist zu voll, als dass er sich auch noch um sich selbst sorgen könnte, was wiederum seine Mutter auf den Plan ruft. Da Puri vor allem auch ein „Familienmensch“ ist, lässt er seine geliebte Frau wie auch seine Mutter gewähren und geht ihnen mitunter aus dem Weg. Mit seinem treuen und eingespielten Team ermittelt er zeitgleich an mehreren kniffligen, wie auch brandeiligen Fällen: Ein Dienstmädchen ist verschwunden, eine nicht identifizierbare Leiche aufgetaucht.
Der Arbeitgeber des Bihari-Mädchens, ein Anwalt des Obersten Gerichtshofes, bittet Puri um Hilfe. Als er wegen Mordverdacht verhaftet wird, wirft dessen Frau Puri Untätigkeit vor, scheint aber gleichzeitig seine Ermittlungen zu blockieren. Doch der Detektiv hat schon längst sein Netzwerk aktiviert, mit moderner Technik, alten Tricks und bewährten Methoden. Da bleibt ihm noch Zeit, mit der Verwandlungshilfe eines Kostümverleihers zum Polterabend einer Enkelin von General Kapoor zu gehen. Über den vom General unerwünschten Bräutigam lässt sich absolut nichts Negatives berichten, und das ist höchst verdächtig.
Mit viel Menschlichkeit ausgestattet, begegnet uns dieser Roman aus dem indischen Schmelztiegel. Trotz verbreiteter Gewalt, allgegenwärtiger Korruption und einer gigantischen Kluft zwischen Arm und Reich, beeindrucken hier die kleinen und selbstverständlichen Gesten und Gebräuche. Ging da in unserer modernen industrialisierten westlichen Welt vielleicht etwas verloren? Mit diesem Buch erahnen wir Leser es, können es neu für uns entdecken. Tarquin Hall vermittelt uns interessante Eindrücke über Land und Leute mit feinem Humor, hochgradiger Spannung und indischer Lebensweisheit.
Der Autor:
Tarquin Hall, 1969 in London geboren, ist ein britischer Journalist und Autor. Er lebte und arbeitete viele Jahre seines Lebens in Südasien, Nahost und Afrika. Heute lebt er mit seiner indischen Ehefrau abwechselnd in London und in Delhi. Hall ist Autor von drei erfolgreichen Sachbüchern. „Die verschwundene Dienerin" ist sein Romandebüt. Weitere Romane mit der Hauptfigur Vish Puri sind geplant.
Buchtitel: „Die verschwundene Dienerin“
Autor: Tarquin Hall
Die Originalausgabe „VISH PURI, THE MOST PRIVATE INVESTIGATOR –
The Case of the Missing Servant“ erschien 2009 bei Simon & Schuster
Deutsche Erstausgabe 2010, Taschenbuch bei Wilhelm Heyne Verlag, München
384 Seiten, UVP: € 8,95 (D), € 9,20 (A), 15,50 CHF
ISBN: 978-3-453-43416-5
Das Gleichgewicht der Welt von Rohinton Mistry
Roman – aus dem Englischen von Matthias Müller
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Buchinhalt/Buchkritik:
In der indischen Metropole kreuzen und verbinden sich im Jahr 1975 die Lebenswege von vier sehr unterschiedlichen Menschen: Die junge Witwe Dina Dalal will selbstbestimmend und ohne Hilfe ihres herrschsüchtigen Bruders ihr Leben meistern. Da kommt es ihr recht, dass der junge Student Maneck dringend ein Zimmer sucht und bei ihr einzieht. Gleichzeitig finden auch die beiden Schneider, der gutmütige Ishvar und sein revoltierender Neffe Omprakash auf ihrer Arbeitssuche den Weg in ihre Nähstube.
Alle vier haben in der Vergangenheit Schlimmes erlebt. Ihre Zweckgemeinschaft lässt sie, trotz anfänglicher Missverständnisse, den Alltag leichter miteinander meistern. Das Leben in Indien während der politischen Herrschaft von Indira Gandhi ist geprägt von Härte und Unbarmherzigkeit. Durch willkürliche Vernichtung von Hüttensiedlungen der Ärmsten, Massendeportation von Obdachlosen in Arbeitslager oder erzwungenen Massensterilisationen wird das Leben für viele ein Wettlauf ums Überleben. Trotz der vielen Rückschläge verlieren unsere vier Protagonisten nicht den Mut. Ein jeder träumt von einer besseren Zukunft, ohne Angst und Schrecken, in Geborgenheit und mit ein wenig Glück.
Der Roman endet 1984. Es reichte nicht aus, was jeder der vier dem Schicksal entgegen zu setzten hatte. Zu wenig blieb von den Träumen übrig. Ein letztes Mal kreuzen sich die Wege unserer Hauptakteure. Das Gleichgewicht der Welt verlangt von vielen einen hohen Preis, von manchen einen unbezahlbaren.
Detailliert und einfühlsam schildert Rohinton Mistry die extreme Situation in Indien während des von Indira Gandhi ausgerufenen Ausnahmezustandes. Durch Rückblenden, in denen er uns das Leben der einzelnen Familien der Hauptfiguren vorstellt, erfahren wir aber auch von den Zuständen zur Zeit der Staatsgründung 1947.
Über die Macht oder Ohnmacht der einzelnen Kasten, über Zwänge und Missstände, über Gewalt und Herrschaft. Dieser Roman ist ein großes politisches und gesellschaftskritisches Werk. Das Buch ist eindrucksvoll, oft auch bedrückend. Auf mehr als 800 Seiten erlebt der Leser ein Wechselbad der Gefühle. Von Traurigkeit und Mitgefühl übermannt, legt man das Buch immer wieder aus der Hand – um es gleich danach, von Hoffnung getragen, wieder aufzuschlagen. Ein Leichtes im Vergleich zum wahren Leben der damals millionenfach betroffenen Menschen Indiens. Bei den strengen Regeln in einer fast gesetzlosen Gesellschaft war manch persönlicher Überlebenskampf aussichtslos. Und immer wieder überraschen uns der Lebensmut, die Daseinsfreude und die heitere Gelassenheit des Einzelnen. „Das Gleichgewicht der Welt“ erschien 1995 unter dem Originaltitel „Afine balance“ und erhielt den Giller Preis, den kanadischen Staatspreis.
Der Autor:
Der Schriftsteller Rohinton Mistry wurde 1952 in Bombay geboren. 1975 wanderte er nach Kanada aus. Zunächst als Beschäftigter einer Bank in Toronto, begann er 1983 zu schreiben.
Buchtitel: „Das Gleichgewicht der Welt“
Autor: Rohinton Mistry
Ersterscheinung: 1995 „A Fine Balance“
im Verlag McClelland&Steward, Toronto
Deutsche Ausgabe: 1999
beim Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt
864 Seiten, UVP: € 9,95 (D), € 10,30 (A), 17,50 CHF
ISBN:978-3-596-14583-6
Das Mädchen meines Herzens von Buddhadeva Bose
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Buchinhalt:
Aufgrund einer Streckensperrung gehen auf dem Bahnhof der indischen Stadt Tundola keine Züge mehr. Es ist eine kalte, ungemütliche Dezembernacht, und im Warteraum für Passagiere der 1. Klasse sitzen sich vier ältere Männer fremd und zunächst schweigend gegenüber. Kurz nach Mitternacht öffnet ein junges Liebespaar die Tür, um diese dann nach einem Blick auf die Anwesenden und einem kleinen Wortwechsel wieder zu schließen. In Gedanken über das Paar kommen die Männer ins Gespräch: Über die Macht der Liebe, deren Wärme, deren Kürze ...
„Nur die Erinnerung bleibt“, sagt einer und ein zweiter fragt: „Welchen Wert hat die Erinnerung an vergangenes Glück?“ Und dann erzählen sie sich nacheinander von eigener, erlebter Liebe. Die Erinnerungen führen sie zurück in die Zeit vor dem 2. Weltkrieg, zurück in ihre Jugend. Da ist der Bauunternehmer, ein Mann mit gewaltiger Größe, der niemals die Liebe erfahren haben will. Aber die Begehren und die Sehnsucht eines Freundes zu dem gebildeten und deshalb unerreichbaren Nachbarsmädchen schildert er detailliert.
Auch der zweite Mann, ein eleganter, sichere Gelassenheit ausstrahlender Regierungsbeamter aus Delhi, muss sich und den anderen eingestehen, als Jugendlicher die wahre Liebe vom Mädchen nebenan verpasst zu haben. Der dritte Erzähler ist ein angesehener Arzt aus Kalkutta. Einst wurde er von einem Freund zu Hilfe gebeten, sich ärztlich um eine junge Schauspielerin zu kümmern. Deren eigentliches Leiden war unerwiderte Liebe zu eben diesem Freund. Bei all seinem Bemühen verliebte nun der Arzt sich selbst in diese Frau. Als letztes erzählt der vierte, ein Schriftsteller, wie er und seine beiden besten Freunde sich einst in dasselbe Mädchen verliebten. Eine tragische, unerreichbare, wahre Liebe.
Der Autor:
Buddhadeva Bose (1908–1974) zählt zu den wichtigsten bengalischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Er spielte eine zentrale Rolle in der Bewegung der Moderne und war ein renommierter Übersetzer, u.a. von Hölderlin, Rilke und Baudelaire. Bei seiner Geburt im ostbengalischen Komilla verlor er bereits seine erst sechzehnjährige Mutter. Von den Großeltern erzogen, lernte er schon früh Sanskrit und Englisch, war stets von Literatur umgeben. Er verbrachte seine Kindheit in Noakhali und ab 1922 in Dhaka, Hauptstadt des heutigen Bangladesh. In seinen letzten Jahren arbeitete Bose aus Privatgelehrter in Indien, reiste als Gastprofessor nach Italien und Deutschland. (Übernommen aus dem Nachwort der Übersetzerin Hanne-Ruth Thompson.) Der vorliegende Roman erschien zuerst 1951 in Kalkutta. Der Berliner Ullstein Verlag legt mit diesem Buch die erste deutschsprachige Veröffentlichung eines Textes von Buddhadeva Bose vor. Es ist ein sensibler, zu Herzen gehender Lesegenuss zum ewig aktuellen, uralten Thema: die Liebe.
Buchtitel: „Das Mädchen meines Herzens“
Autor: Buddhadeva Bose
Ersterscheinung: 1951 „moner mato meye“
im Verlag Deb Sahitya Kutir, Kalkutta
Die englische Übersetzung erschien 2009 „My Kind of Girl“,
beim Verlag Random House India, Noida
Erst-Erscheinung der deutschsprachigen Ausgabe: Oktober 2010
bei Ullstein Buchverlage Berlin
192 Seiten, UVP: EUR 18,00 (D) 18,50 (A) 32,90 sFr
ISBN: 978-3-550-08813-1
Der Guru im Guavenbaum von Kiran Desai
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Buchinhalt/Buchkritik:
Sampath, ein oft verwirrter junger Mann, lebt im nordindischen Shahkot. Er verabscheut alle Vorschriften, alles Lärmende und Schnelle. Nach einem extrem langen Dürresommer und der mit ihm einhergehenden Hungersnot kam er einst mit einem gewaltigen Donnerschlag und dem lang ersehnten Monsun auf die Welt. Jetzt, 20 Jahre später, hasst er sein Leben, ein nicht endender Strom von Leiden, Maßregelungen und Bestrafungen. Als letzter seines Jahrgangs erhielt er nach Beendigung der Schulzeit eine Arbeitsstelle, aufgrund endloser Bemühungen seines Vaters. Seitdem sitzt er am hintersten Schreibtisch des Shakkoter Postamtes.
Auf der Hochzeitsfeier seines Chefs werden alle Postbediensteten zu Dienstleistungen auf dem Gartenfest verpflichtet. Schon bald ist Sampath es leid, Hunderte von Gläsern zu füllen und danach wieder abzuspülen. Stattdessen erkundet er das große Haus. In den Frauengemächern schlüpft er in bunte, glitzernde Saris, einen über den anderen. Er schminkt und parfümiert sich, behängt sich mit Perlen und Steinen. Glücklich präsentiert er sich so der versammelten Hochzeitsgesellschaft. Als Höhepunkt vollführt er gekonnt einen Striptease, der mit einem Sprung im Brunnen endet. Obwohl froh über die anschließende fristlose Entlassung, hält Sampath es auch daheim mit all den Vorwürfen nicht aus. Mit dem Bus flüchtet er hinaus aus die Stadt bis an den Rand der Berge. Auf einer verlassenen Obstplantage läuft er zielgerichtet bis zu einem alten hohen Guavenbaum. Behände klettert er hinauf und beschließt selig, hier den Rest seines Lebens zu verbringen.
Doch wie jede gute Familie in Indien, sorgen sich Vater, Mutter, Großmutter und Schwester um den „verlorenen Sohn“. Mit Polizei- und Bürgerhilfe werden sie Sampaths neue Adresse gewahr, packen ihre Habseligkeiten und wohnen fortan unterm Guavenbaum. Schnell wird der alte Obstgarten zu einem „heiligen Ort“, denn Sampath hat für alle Pilger ein offenes Ohr und weise Ratschläge. Sein Wissen, gesammelt einst bei täglich stundenlanger Lektüre von fremden Briefen, ist phänomenal. Der Vater beginnt, das ganze gewinnbringend zu vermarkten. Die Mutter kann endlich ungebremst beim Kochen experimentieren. Die Großmutter hat auch mal Zeit für sich selbst und die Schwester wartet auf die große Liebe. Doch Gefahr ist im Anmarsch: Eine randalierende Affenbande und ein Spion der Atheistischen Gesellschaft bedrohen das Glück der ganzen Stadt.
Die Autorin:
Kiran Desai, geboren am 3. September 1971 in Neu-Delhi, ist eine indische Autorin und die Tochter der Schriftstellerin Anita Desai. Nachdem sie ihre Kindheit in Indien verbrachte, ging sie im Alter von 14 Jahren mit ihrer Familie nach England, ein Jahr später dann in die USA. Sie beendete ihre Schulausbildung in Massachusetts und studierte an der Columbia University. Heute lebt sie abwechselnd in Indien, England und den USA. „Der Guru im Guavenbaum“ ist ihr erster veröffentlichter Roman. Es ist eine witzige Satire, die mit liebevollen Worten wie auch mit leicht erhobenen Finger einer skurrilen indischen Gesellschaft den Spiegel vorhält. Mit ihrem zweiten Roman The Inheritance of Loss (deutsch Erbin des verlorenen Landes) gewann Kiran Desai 2006 den renommierten Booker Prize.
Buchtitel: „Der Guru im Guavenbaum“
Autor: Kiran Desai
Ersterscheinung: 1998 „Hullahaloo in the Guava Orchard“
by Atlantic Monthly Press, New York
Erst-Erscheinung der deutschen Ausgabe: 1998
Seit November 2006 im Berliner Taschenbuch Verlag Berlin
252 Seiten
UVP: EUR 9,90 (D) ISBN: 13: 9783833304682
Doktor Wakankar von Uday Prakash
Aus dem Leben eines aufrechten Hindus
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Buchinhalt:
In dem hier vorliegendem Roman erzählt Uday Prakash aus dem Leben eines indischen Arztes. Doktor Wakankar ist ein aufrechter, gesetzestreuer und tief religiöser Mensch. Er kämpft gegen die herrschende Korruption und dem weit verbreiteten Opportunismus im Land. Er ist unbestechlich, nimmt Nachteile und Strafversetzungen in Kauf – auch wenn ihm deshalb seine Frau und seine vier Töchter mitunter leid tun. Dass einfache Volk erkennt schnell seine Qualitäten als Arzt und sein Ruf der Menschlichkeit verbreitet sich rasant. Er schreibt medizinische Artikel, die in internationalen Fachzeitschriften erscheinen. Daraufhin erfolgte Einladungen nach Deutschland und England geben ihm seine Behörden aber zu spät. Neben all seiner Arbeit engagiert sich Doktor Wakankar sein Leben lang in der „Sangh“-Vereinigung. Doch als diese Hindupartei tatsächlich an die Macht gelangt, unterscheidet sie sich in nichts von allen vorherigen Machthabern. Hochgesteckte Ziele und Ideale weichen der Profitgier und dem Karrieredenken. Der vorherige moralisch und religiös begründete Verhaltenskodex scheint vergessen. Doktor Wakankar ist gesundheitlich schwer angeschlagen und steht vor der schwersten Entscheidung seines Lebens.
Informationen über den Autoren & Preise:
Uday Prakash ist ein indischer Autor, Fernsehproduzent und Journalist und wurde 1952 in einem Dorf in Madhya Pradesh geboren. Er schreibt seine Bücher in Hindi. Das hier vorgestellte Werk wurde von einer bedeutenden indischen Literaturzeitschrift zum besten Hindi-Roman der letzten zwei Jahrzehnte gewählt. Der im Herbst 2003 gegründete Draupadi Verlag in Heidelberg, der die Romane Uday Prakash in deutscher Übersetzung herausgibt, ist ein Verlag für Indien. Er verlegt ausschließlich indische Literatur und Sachbücher über Indien.
Das Buch erschien im Original bereits 1992. Da der Autor ungeschönt die Missstände in der indischen Gesellschaft anprangert, kann man ihn als politischen Roman einstufen.
Buchtitel: „Doktor Wakankar – Aus dem Leben eines aufrechten Hindus“
Autor: Uday Prakash
Erscheinung der deutschen Ausgabe: Juni 2009 im Draupadi Verlag Heidelberg
112 Seiten
UVP: EUR 12,80 / 19,80 CHF
ISBN 978-3-937603-32-2
Erhältlich u. a. bei Amazon.
Immer wieder Gandhi von Vikas Swarup
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Buchinhalt/Buchkritik:
Nach Vikas Swarups Bestseller „Rupien! Rupien!“ (vorgestellt in SIAM HEUTE, Ausgabe 04/2009) erschien endlich im Januar dieses Jahres sein 2008 auf Englisch veröffentlichter zweiter Roman auf Deutsch. In „Immer wieder Gandhi“ lässt sich der Enthüllungsjournalist Prem Kalra auch vom mächtigen und kriminellen Innenminister Indiens nicht einschüchtern. In seinen Kolumnen prangert er unerschrocken die Machenschaften der Reichen an. Seit Jahren legen diese das Gesetz nach ihrem Belieben und zu ihren Gunsten aus, so wie Vicky Rai, der kaltblütige Sohn des Innenministers. Dieser feiert eine rauschende Party. Anlass ist der „gekaufte“ Freispruch von seiner Mordanklage an das Barmädchen Ruby Gill. Weil diese sich weigerte, ihm nach der Sperrstunde einen weiteren Drink zu servieren, erschoss er sie brutal. Doch auf dieser Party wartet sein eigener Mörder. Die Kugel trifft ihr Ziel. Die Polizei ist vor Ort, alle Anwesenden werden kontrolliert. Sechs Personen sind im Besitz einer Pistole und werden umgehend festgenommen. Aber wer ist der Mörder?
Diese sechs Verdächtigen kreuzten auf zum Teil irrsinnigste Art den Weg des Opfers und könnten unterschiedlicher nicht sein. Und jeder von ihnen hat ein Motiv für die Tat. Da ist Mohan Kumar, der seit seiner Pensionierung als Staatsminister unter seiner schwindenden Macht leidende Bürokrat. Zusätzlich wird er zeitweise vom Geist Gandhis besessen, der ihn zu Handlungen wider seines eigenen Willens zwingt. Die 23-jährige Schauspielerin Shabnam Saxena ist der neue Star Indiens. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, versucht sie einen Spagat zwischen Ruhm und Anstand. Eketi, der junge, lebenshungrige Stammenangehörige der Onges, wurde von seinem aussterbenden Inselvolk los geschickt, um ihren heiligen, aber leider gestohlenen Stein zurückzuholen. Ebenfalls auf der Suche nach Glück ist Munna Mobile. Als Taschendieb ist er recht erfolgreich. Als eines Tages ein Koffer voller Geld in seine Hände fällt, wird das erträumte Leben von Wohlstand greifbar, und er begegnet der Liebe seines Lebens. Auch der Amerikaner Larry Page ist in Sachen Liebe nach Indien gereist. Er ist Gabelstaplerfahrer bei Walmart, hat Ähnlichkeit mit dem Hollywood-Schauspieler Michael J. Fox und trägt nur zufällig den gleichen Namen wie der berühmte Erfinder von Google.Der letzte Verdächtige ist der Innenminister selbst, Jogannath Rai.
Mit diesem Werk wird Vikas Swarup seine Leserschaft begeistern. Meisterhaft ist es ihm gelungen, die verschlungenen Wege der Akteure zusammen zu führen. Nie verlor er einen noch so verworrenen Faden der Handlungen, was dem Leser durchaus passieren kann. Das Romanende ist unerwartet, durchaus plausibel, aber vielleicht doch nicht das Ende!?
Buchtitel: „Immer wieder Gandhi“
Autor: Vikas Swarup
Verlag der deutschsprachigen Ausgabe: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04165-1
Erhältlich u. a. bei Amazon.
Rupien! Rupien! von Vikas Swarup
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Buchinhalt/Buchkritik:
Weltweit berühmt wurde Vikas Swarups Geschichte über einen armen indischen Jungen, der dank Quiz-Show zum Millionär wird, als Film mit dem Titel „Slumdog Millionär“. Der Originaltitel des 2005 veröffentlichen Romans lautet „Q&A“ (Questions & Answers). Auf Deutsch ist die großartige Story über ein Leben zwischen Wellblechhütte und Glaspalast, zwischen Überlebenskunst und Überfluss unter „Rupien! Rupien!“ erhältlich.
Ram Mohammad Thomas, ein armer indischer Kellner, gewinnt in der indischen Variante von „Wer wird Millionär“ eine Milliarde Rupien, den bisher höchsten Gewinn überhaupt. Doch die Produzenten verweigern die Auszahlung und lassen den Kandidaten verhaften. Wie kann eine arme 18-jährige Vollwaise ohne jede Schulbildung die Antworten auf die gestellten zwölf Quizfragen wissen? Das kann und darf nur Betrug sein! Mit Folter soll einer Unterschrift auf ein entsprechendes Geständnis nachgeholfen werden. Da erscheint wie ein rettender Engel aus dem Nichts eine junge Anwältin. Nur eine Nacht bleiben ihr und dem „Slumdog Millionär“ als Vorbereitung für die Gerichtsverhandlung, eine Nacht für die Geschichte seines Lebens. Denn nur sie lieferte ihm die erforderlichen Antworten. „Ich hatte Glück, es wurden nur Fragen gestellt, auf die ich die Antwort wusste.“
Der Leser erlebt mit, wie der kleine Junge als Säugling in einer Altkleidertonne entsorgt wird, Schwestern eines Waisenhauses ihn aufnehmen, Adoptiveltern aber erst nach zwei Jahren gefunden werden – um ihn doch nur nach wenigen Tagen wieder zu verlassen. Jedoch beginnt jetzt die glücklichste Zeit im Leben des Kindes: Vater Timothy, ein christlicher Priester, sorgt für ihn, gibt ihm ein Zuhause, lehrt ihn sogar die englische Sprache. Doch auch dieses Glück dauert nur kurze Zeit an. Es folgen erniedrigende Jahre im Waisenhaus, „Verkauf“ an Gangster, Flucht, ein Leben auf der Straße – und immer wieder Augenblicke von Freundschaft, Vertrauen und Liebe.
Der Roman liest sich spannend und temporeich. Die einzelnen Schauplätze wechseln zeitlich wie auch örtlich zwischen Delhi und Mumbai (seit 1997 die offizielle Bezeichnung von Bombay). Obwohl er bedrückende Themen behandelt wie Kinderarbeit, Verstümmelung, Prostitution, wird doch die Intelligenz und Schlauheit des Einzelnen hervorgehoben. Das Buch wurde inzwischen in fast 30 Sprachen übersetzt. Danny Boyles Verfilmung „Slumdog Millionär“ aus dem Jahre 2008 gewann gleichermaßen die Gunst von Publikum und Filmindustrie: Bei den Filmpreis-Verleihungen 2009 gingen allein vier Golden Globes und acht Oscars an Slumdog Millionär.
Buchtitel: „Rupien! Rupien!“
Autor: Vikas Swarup
Verlag der deutschsprachigen Ausgabe: Kiepenheuer & Witsch
UVP:EUR (D) 8,95; EUR (A) 9,20; CHF 16,90
ISBN: ISBN 978-3-462-03738-8
Erhältlich u. a. bei Amazon.
Der weiße Tiger von Aravind Adiga
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Buchinhalt/Buchkritik:
In einem ungewöhnlichen Stil lässt Aravind Adiga seinen Antihelden Balram den Erfolg seines Lebens erzählen, vom einfachen Diener ohne Schulabschluss zum erfolgreichen Unternehmer. Gleichzeitig zeichnet er mit Witz, Ironie und fragwürdiger Moral ein Porträt der indischen Gesellschaft.
Balram Halwai sitzt nachts allein in seinem 15 Quadratmeter großen Büro. Eine Radiosprecherin informiert über den bevorstehenden Besuchs des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Bangalore – Balrams Stadt und der Hightech-Metropole Indiens schlechthin. Hier will die chinesische Delegation von erfolgreichen Unternehmern hören und lernen – aber Balram will sie vor den falschen Informationen bewahren, denn die wahre Erfolgsstory – das ist seine. Und so mailt er in dieser und den folgenden Nächten seine Geschichte: Als „Munna“ (Junge) namenlos bis zur Einschulung, vom Dorfschullehrer mit „Balram“ (Begleiter des Gottes Krishna) versehen, wird er danach für eine kluge Antwort mit „der Weiße Tiger“ betitelt. Balram will seinem kleinen Dorf und der Großfamilie entfliehen, träumt von einem versprochenen Stipendium – doch Großmutter Kusum, die Familienregentin, schickt ihn zum Arbeiten ins Teehaus, denn der Name „Halwai“ bedeutet Zuckerbäcker. Er muss Diener sein, wie all die anderen vor ihm und nach ihm auch. Aber Balram erkennt, dass er – wenn schon kein origineller Denker – so doch ein origineller Zuhörer sein kann. Und so lernt er durch Lauschen: Als Fahrer kann man mehr verdienen als ein Tellerwäscher. Er erschleicht sich eine Ausbildung zum Chauffeur, eine Anstellung als solcher ebenso, er dient und bedient seinen Herrn rund um die Uhr und muss doch erkennen: Er bleibt ein Sklave im großen indischen Hühnerkäfig. Es gibt nur noch zwei Kasten, die zählen: gefressen und gefressen werden. Er lernt: Nur wer Geld hat, hat das Sagen, wer das Sagen hat, bekommt noch mehr Geld. Und wie kommt er zu Geld? Notfalls durch Mord. „What a fucking joke“, wie der Romanheld, beeinflusst von der Frau seines Chefs, zu sagen pflegt.
Informationen über den Autoren:
Der 1974 in der indischen Stadt Madras geborene und bisher als Korrespondent arbeitende Schriftsteller Aravind Adiga hat mit seinem 2008 erschienenen Erstlingswerk „Der weiße Tiger“ größtes Aufsehen erregt. Die erfolgreiche Bilanz: Publikation in 16 Ländern und die Auszeichnung mit dem Man Booker Preis 2008.
Buchtitel: „Der weiße Tiger“
Autor: Aravind Adiga
Verlag der deutschsprachigen Ausgabe: C.H. Beck
UVP: EUR (D) 19,90; EUR (A) 20,50; CHF 35,90
ISBN: 978-3-406-57691-1
Erhältlich u. a. bei Amazon.
Die geschenkte Nacht von Rana Dasgupta
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Buchinhalt/Buchkritik:
Seine Erfahrungen als Weltbürger verwendet der 1971 in Canterbury geborene indisch-englische Autor Rana Dasgupta für den Ausgangspunkt seines Debütromans. In „Die geschenkte Nacht“ sitzen die Insassen einer Boeing 747 im Schneesturm irgendwo auf einem einsamen Airport auf dem Weg nach Tokio fest. An einen Weiterflug ist vorerst nicht zu denken. Die Fluggäste werden so gut es geht auf verfügbare Hotels aufgeteilt. Doch für die letzten 13 Reisenden ist kein Platz mehr zu bekommen. Die Nacht in der Wartehalle bricht an. Ein Passagier schlägt vor, sich die Zeit mit Geschichten erzählen zu vertreiben, denn „... wir kennen uns nicht gut genug, um schweigend dazusitzen“. Und so erfährt der Leser jetzt Märchenhaftes über einen japanischen erfolgreichen Geschäftsmann, der eine Puppe bastelt, sich in sie verliebt und zum Leben erweckt; über einen Milliardär, der sein Leben lang ohne Schlaf auskommt oder über einen Vatermörder, der sich heimlich einmauern lässt, um endlich genügend Raum und Stille für geistige Entfaltung zu haben. Den Leser erwarten dreizehn Erzählungen, die zwar fiktiv sind, aber in der heutigen Zeit und an realen Plätzen spielen. Eine literarische Weltreise mit Stationen in London, Frankfurt, New York, Istanbul, Marseille, Warschau, Buenos Aires und Neu Delhi nimmt ihren Lauf.
Buchtitel: „Die geschenkte Nacht“
Autor: Rana Dasgupta
Verlag der deutschsprachigen Ausgabe: Wilhelm Heyne Verlag
UVP:UR (D) 9,95; EUR (A) 10,30; CHF 18,90
ISBN:
978-3-453-40524-0
Erhältlich u. a. bei Amazon. |