Letztes Update: 01.08.2010

 

IRAK – Buchrezensionen:

"Das dunkle Schiff " von Sherko Fatah

 

Kulturmagazin Siam heute Ausgabe 01/2010

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Asiatische Literatur GESCHICHTEN AUS DEM IRAK
Buchrezensionen von Anita Bolte

Die Fahne des Iraks







"Das dunkle Schiff" von Sherko Fatah


Das dunkle Schiff von Sherko Fatah

Buchinhalt/Buchkritik:
Kerim lebt mit seinen Eltern und den beiden jüngeren Brüdern im Norden Iraks. Die Familie hat gelernt, mit Krieg zu leben und zu überleben. Sie akzeptiert die Repression der Diktatur Saddam Husseins. Der Vater, Inhaber und Koch eines kleinen Gasthauses am Rande der Berge, ist arbeitsam und wortkarg. Dass er eher ein Mann ohne Glauben ist, weiß er geschickt zu verbergen. Als eines Tages zwei Geheimdienstler in seinem Restaurant ungehörig auftreten, gebietet er ihnen Einhalt und bezahlt das mit seinem Leben. Fortan übernimmt der noch junge Kerim die Arbeit und Verantwortung anstelle des Vaters. Sein Schülertraum von einer Karriere im Ausland zerplatzt.

Als er allein mit dem vollgepackten Auto zum jährlichen Besuch bei den Großeltern in den Bergen unterwegs ist, wird er von „Gotteskriegern“ gefangen genommen. Seine Todesangst weicht einer Bewunderung zu dem „Lehrer“ der Gruppe. Niemals hat jemand so mit ihm gesprochen, auch nicht der Vater. Er spürt, wie sehr ihn der Ruf des Glaubens erreicht. Doch ihre Brutalitäten schrecken ihn ab, lassen ihn zweifeln. Als ein neugewonnener Freund aus der Gruppe als Selbstmordattentäter geopfert wird, reift sein Plan zur Flucht, bevor er selber zum Todeskandidat erwählt wird.

Er findet einen „väterlichen“ Helfer, und befindet sich bald auf einer Odyssee nach Westen. Als blinder Passagier eines Frachtschiffes entdeckt und auf See ausgesetzt, gelangt er dennoch irgendwann nach Deutschland, Der hier lebende Bruder seines Vaters nimmt ihn erfreut auf, hilft ihm durch den Dschungel der Bürokratie. Kerim lernt die deutsche Sprache, lernt eine deutsche Frau kennen. Seinem Antrag auf Asyl wird stattgegeben. Doch seine Vergangenheit lässt sich nicht abschütteln. Die regelmäßigen Anrufe bei seiner Mutter beginnen, ihm Mühe zu machen. Mehr und mehr wird er sich seiner Einsamkeit bewusst. Das ständige Gefühl, ein Gast zu sein, macht ihn krank. Und immer öfter fallen ihm die Worte des Lehrers bei den „Gotteskriegern“ ein ... .

Der Autor:

Sherko Fatah wurde 1964 in Ost-Berlin als Sohn eines irakischen Kurden und einer Deutschen geboren. 1975 siedelte er mit seiner Familie über Wien nach West-Berlin über. Er studierte Philosophie und Kunstgeschichte. Der hier vorgestellte Roman ist sein viertes Werk und kam auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2008. Es ist ein gelungener Roman mit Spannung und einem realen politischen Hintergrund. Es wird erkennbar, dass nicht der Islam sondern dessen Extremismus der Kern des Problems ist.

Buchtitel: „Das dunkle Schiff“
Buchautor: Sherko Fatah
Erscheinung in Deutschland: 2009 btb Verlag, München
448 Seiten
UVP: EUR (D) 10,-- (D), EUR (A) 10,30, CHF 18,90
ISBN: 9978-3-442-73907-3


Erhältlich u. a. bei Amazon.





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