Asiatische Literatur – GESCHICHTEN AUS LAOS
Buchrezensionen von Anita Bolte
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Buchinhalt/Buchkritik:
Der Protagonist Joshua ist Ethnologe, (West)-Berliner und gehört zur Delegation einer Forschungsreise im Jahr 2001 durch Nord-Thailand und Laos. Er ist motiviert, weltoffen und durch vorherige Thailandaufenthalte erfahren im Umgang mit anderen Kulturkreisen. Leider wird der Forschungsauftrag durch das egoistische, kleinkarierte und auch rassistische Verhalten eines Kollegen aus Berlin-(Ost) behindert. Mit Unterbrechungen und vielen Strapazen gelangen die Wissenschaftler zu den Mlabri, ein aussterbender, kaum erforschter Nomadenstamm im Vielvölkerstaat Laos. Ihrer einstigen Heimat beraubt und von der kommunistischen Führung zur Sesshaftigkeit gezwungen, können die Mlabri (= Geister der gelben Blätter) ihre Kultur und Traditionen nur schwer bewahren. Die Menschen wirken verloren, traumatisiert. „Keiner hat die Mlabri gefragt, was sie denn wollen.“
Der Autor lässt in seinem Debütroman zwei aufeinander folgende Handlungsabläufe nebenher laufen. Dabei will er uns Laos und Nordthailand („hier ist Lannaa, nicht Thailand“) in gleichem Umfang und unaufdringlich, aber doch unwiderruflich und entschieden ans Herz legen. Voller Idealismus schreibt er über politischen Irrsinn, Völkerverständigung und Globalisierung, Umweltzerstörung – und immer wieder über des Lebens Sinn. Er bringt uns Südostasien mit Detailkenntnissen über die Geographie, seiner Menschen, deren Kultur und Wesensart in poetischen Worten, lyrischen Vergleichen und nicht übersehbarer Liebe nahe.
Seine Romanfigur erlebt die krassen Unterschiede zwischen dem westlich geprägten Thailand und dessem sozialistischen armen Nachbarn Laos. Doch überall begegnet er Menschen, die ihn berühren, ihn reich machen mit ihrem Großmut und ihrer Gastfreundschaft. Der Leser nimmt fast spürbar teil am quirligen Leben in Chiang Mai. Er spürt die reine Liebe des Joshua zum Prinzen von Naan, begleitet die beiden auf ihren Motorrädern auf alten Dschungelpfaden. Der Autor lässt nichts aus: Eine spannende Reisereportage wird gespickt mit Geisterbegegnungen, Sexabenteuern aus der Schwulenszene und traditionellen Festerlebnissen. Eine lesenswerte Lektüre von einem Schriftsteller, der weiß, von was er schreibt.
Der Autor:
Misha G. Schoeneberg, geboren in Berlin-Lichterfelde, studierte nach dem Besuch des Goethe-Gymnasium in Essen Theaterwissenschaften und Germanistik in Köln. Nach einer Zeit als Hippie in Indien und als in Nordfriesland lebender Musiker und Songschreiber machte er Anfang der 90er Jahre seinen Magister der Südostasienwissenschaften und Internationale Politik sowie der Neueren Deutschen Literatur an der Humboldt-Universität Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Publikationen sowie Kurzgeschichten. Er schreibt für Südostasienmagazine und erstellt zusammen mit dem aus Südthailand stammenden und in Berlin lebenden Fotografen Aod Chumpon Reisereportagen.
Buchtitel: „Geister der gelben Blätter“
Autorin: M. G. Schoeneberg
Originalausgabe erschien 2007
bei KoF publishing Ltd. ,King of Fools,
Birmingham / München
358 Seiten, UVP: € 23,80 (D)
ISBN: 978-3-940313-02-7
Dr. Siri und seine Toten von Colin Cotterill
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Es gibt kaum Literatur aus Laos und auch wenig Literatur über Laos. Ändern will das der Engländer und Asienexperte Colin Cotterill mit seiner amüsanten, wie auch äußerst informativen Krimiserie mit Dr. Siri Paiboun als Protagonist. Der 72-jährige Laote ist eigentlich Allgemein-Mediziner, der in Laos‘ Hauptstadt Vientiane von einem verdienten Ruhestand träumt. Doch er wird mangels Bewerber von den neuen Machthabern 1976 kurzerhand zwangsverpflichtet – zum einzigen Pathologen des Landes. Neben provisorischem Werkzeug für vorsintflutartige Untersuchungsmethoden stehen Dr. Siri zwei treue Mitarbeiter zur Seite: Dtui, eine junge und schwergewichtige Krankenschwester mit großem Herzen und lockerem Mundwerk, sowie Herr Geung, sein Assistent mit phänomenalem Gedächtnis und einem Down Syndrom. Sein Fachwissen bezieht Dr. Siri von eben diesem Assistenten und zwei leicht angesengten französischen Lehrbüchern aus dem Jahre 1948. Hilfreich sind ihm sein durch tägliches Überlebenstraining erworbener messerscharfer Verstand und eine übersinnliche Fähigkeit. Warum suchen ihn die Toten in seinen Träumen auf? Auf welche Spur wollen sie ihn bringen, wovor wollen sie ihn warnen?
Inhalt des ersten Bandes, „Dr. Siri und seine Toten“, ist der mysteriöse Tod der Gattin eines ranghohen Parteimitgliedes. Angebliche Todesursauche: Lebensmittelvergiftung. Dr. Siri kommen die ersten Zweifel, und sogleich folgt der nächste Tote. Bevor er weiter forschen kann, erhält Dr. Siri von seinem Vorgesetzten den sofortigen Einsatzbefehl nach Khammouan in Laos‘ Süden. Verweigern ist zwecklos, bald schon fliegt er mit einer Jak-40 den größten Gefahren entgegen.
Der Autor:
Colin Cotterill, 1952 in London geboren, lebte nach seiner Ausbildung zum Englischlehrer lange Zeit in Australien, Japan, Thailand und Laos. Er unterrichtete an Universitäten und engagierte sich stark gegen Kinderprostitution. Heute lebt er als hauptberuflicher Schriftsteller in Chiang Mai/Thailand.
„Dr. Siri und seine Toten“ von Colin Cotterill ist im Manhattan Verlag erschienen (ISBN 978-3-442-54642-8).
Dr. Siri sieht Gespenster von Colin Cotterill
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Siam heute stellt hiermit den zweiten Band aus der im kommunistischem Laos agierenden Krimi-Serie von Colin Cotterill mit dem originellen 72-jährigen Dr. Siri Paiboun vor. Der von der Parteiführung mangels geeigneter Kandidaten zum einzigen Pathologen des Landes ernannte Laote hat es in „Dr. Siri sieht Gespenster“ wieder mit merkwürdigen Todesfällen zu tun. Tante See, die alte Obstverkäuferin, Phimpon, die Schmugglerin und auch Chamnee, die Grundschullehrerin, werden innerhalb weniger Tage zerfetzt und zerfleischt aufgefunden. Wer oder was ist diese mordende Bestie? Gleichzeitig werden zwei Männer und ein Fahrrad direkt vor dem Sportministerium vom Exitus ereilt. Und auch auf Dr. Siri und seinen beiden treuen Mitarbeitern lauert hinter vieler Arbeit eine tödliche Gefahr. Und wieso ist Saloop, Siris treuer Hundegefährte und Lebensretter aus Band 1 nirgends auffindbar? Es wird immer mysteriöser! Da ist es von Vorteil, wenn man wie Dr. Siri nicht nur viele gute Freunde, sondern auch Kontakte zur Geisterwelt besitzt.
Der Autor:
Colin Cotterill, 1952 in London geboren, lebte nach seiner Ausbildung zum Englischlehrer lange in Australien, Japan, Thailand und Laos. Er unterrichtete an Universitäten und engagierte sich stark gegen Kinderprostitution. Er ist verheiratet und lebt heute als hauptberuflicher Schriftsteller in Chiang Mai, Thailand.
Colin Cotterill amüsiert mit klugem Wortwitz. Er ist ein hervorragender Kenner der laotischen Kultur einerseits und der menschlichen Psyche und Schwäche zudem. Die von ihm gezeichneten Charaktere verraten uns eine große Menschenkenntnis Zwischen bissigem Humor und liebenswerter Boshaftigkeit vermittelt er uns fast unmerklich geschichtliches und geographisches Hintergrundwissen. Der Autor wie auch seine abnormen Romanfiguren werden dem Leser mit jeder Seite sympathischer. Die englische Originalserie umfasst derzeit sechs Bände. Also hat der deutschsprachige Leser allen Grund zur Vorfreude.
„Dr. Siri sieht Gespenster“ von Colin Cotterill ist im Manhattan Verlag erschienen (ISBN 978-3-442-54644-2). |