Letztes Update: 01.03.2011

 
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Asiatische Literatur GESCHICHTEN AUS MALAYSIA


Buchrezensionen von Anita Bolte

Die Fahne Malaysias









Das schwarze Blut von Jean-Christophe Grangé


Das schwarze Blut von Grange

Buchinhalt/Buchkritik:
Februar 2003: In einer malaysischen Haftanstalt bei Kuala Lumpur wartet der einst berühmte Tiefseetaucher Jacques Reverdi auf seinen Prozess. Er gilt als skrupelloser Serienkiller und entging am letzten Tatort nur knapp dem Lynchtod aufgebrachter Dorfbewohner. Seinem Todesurteil sieht er gelassen entgegen. Mit Sätzen wie „Ich bin nicht verrückt!“ findet sein abnormer Pflichtverteidiger wenig Unterstützung von ihm.

Im weit entfernten Paris verfolgt der Sensationsreporter Mark Dupeyrat das Geschehen in Südostasien. Vom Leben selbst mehrmals traumatisiert, nimmt ihn seine Leidenschaft für Verbrechensaufklärung vollständig gefangen. Einst ein hoffnungsvoller Klavierschüler, warf ihn der Unfalltod seines besten Freundes aus der Bahn, ließ auch seine Genialität sterben. Statt für Musik schrieb er sich an der Sorbonne für Literatur ein. Mitten in der Magisterprüfung starben in kurzem Abstand seine Eltern. Seine aufgetretenen Albträume wichen der Routine, bis Sophie, seine Idealvorstellung einer Frau, in sein Leben trat.

Doch dann, November 1992, wiederholt sich das Drama: Sophie wird während ihres gemeinsamen Italienurlaubs Opfer eines bisher nicht aufgeklärten brutalen Mordes. Mark entdeckt die Leiche, wird traumatisiert. Als er aus einem wochenlangen Koma erwacht, ist auch die Erinnerung an das Verbrechen ausgelöscht. Alles was er darüber weiß, hat er aus den Medien. Er versteinert, lässt kaum jemanden an sich heran. Bei Marks Suche nach dem Wesen des Verbrechens nehmen die Serienmörder einen besonderen Platz ein. Doch ein Interview mit Jacques Reverdi ist ausgeschlossen.

Mark ahnt, dass der Killer ein Mensch mit scharfem Verstand ist, ein Raubtier mit unfehlbaren Instinkten. Wie kann er ihm dennoch sein Geheimnis, den Sinn seines Handels entlocken? Mark erfindet „Elisabeth“, eine naive junge Psychologie-Studentin, und schreibt in deren Namen und mit „postlagernd“ als Adresse an den Psychopaten. Den für das Postamt benötigten Ausweis klaut er einer schwedischen Touristin, einem ihm befreundeten Fotografen entwendet er das für den Häftling bestimmte Foto eines jungen Models: Khadidscha. Der Coup gelingt. Reverdi beißt an, vermutet tatsächlich im Briefschreiber sein weibliches Gegenstück.

Er beordert „Elisabeth“ nach Asien, schickt „sie“ auf seine Blutspur quer durch Kambodscha, Thailand und Malaysia. Mit der Lösung seiner „Rätsel“ prüft er ihre „Reife“. Er manipuliert aus dem Gefängnis heraus seinen Anwalt, und der zeitaufwändige Briefkontakt ist längst der zeitgemäßen E-Mail-Korrespondenz gewichen. Die letzte Rätsellösung lässt Mark fluchtartig den Heimflug antreten. Jetzt als Mitwisser ist er entsetzt und fasziniert zugleich. Ein alter Traum wird wieder wach: Seine Aufzeichnungen wären der Stoff für einen Bestseller. Niemand würde die Verbindung zwischen Reverdi und ihm ahnen. An Reverdi würde schon bald die Todesstrafe vollzogen.

Aber Reverdi wartet auf die letzte Antwort von Elisabeth. Als die ausbleibt, kennt er nur noch einen Gedanken: Rache. Kann seine Macht über die Gefängnismauern hinweg reichen... bis nach Paris? Unmerklich und unnachgiebig packt auch den Leser die Angst, und er hält sich verzweifelt am Taschenbuch fest um auch das letzte Grauen in sich aufzunehmen. Eines sei hier gewiss und vorweg verraten: Jean-Christophe Grangé zwingt mörderisch zum Weiterlesen. Wie gut, dass „Das schwarze Blut“ nicht sein letzter und einziger Roman ist.

Der Autor:
Jean-Christophe Grangé, 1961 in Paris geboren, war als freier Journalist für die internationalen Zeitungen und Zeitschriften Paris Match, Gala, Sunday Times, Observer, Spiegel und Stern tätig. Für seine Reportagen reiste er quer um den Globus zu den Eskimos, den Pygmäen oder den Tuaregs.

Eroberte sein erster Roman „Der Flug der Störche“ sofort die französischen Bestsellerlisten, so gelang ihm mit seinem verfilmten Bestseller „Die purpurnen Flüsse“ auch der internationale Durchbruch. Seitdem gilt Jean-Christophe Grangé als Meister des europäischen Thriller mit Vorliebe für außergewöhnliche Stoffe und exotische Schauplätze... wie jetzt Südostasien!!!

Buchtitel: „Das schwarze Blut“
Autor: Jean-Christophe Grangé
Die Originalausgabe „La Ligne Noite“ erschien 2004 bei Edition Albin Michel S.A.
Deutsche Taschenbuchausgabe 2006 bei Bastei-Lübbe-Verlag, Köln
541 Seiten, UVP: € 8,99 (D), € 9,30 (A)
ISBN: 978-3-404-15808-9


Carpe diem von Autumn Cornwell

Als Missionarskind lernte die Autorin Autumn Cornwell frühzeitig die südost-asiatische Kultur kennen und lieben. Heute lebt sie mit Mann und Sohn in der Nähe von Los Angeles und ist in der amerikanischen Film- und Fernsehindustrie tätig. Mit dem Jugendbuch „Carpe diem“ entführt sie nicht nur den jungen Leser auf witzige und ebenso tiefgründige Weise in die Abenteuer und Weisheiten des Lebens: „Nutze den Tag“.

Protagonistin der Geschichte ist die 16-jährige Vassar aus Seattle/USA. Sie überlässt in ihrem Leben nichts dem Zufall, alles ist bis ins Detail geplant: Bester Schulabschluss, Promotion an der Elite-Uni, Liebesheirat mit 25... Dabei wird sie voll von ihrem Vater (Effizienzspezialist) und ihrer Mutter (Lebensberaterin) „gemanagt“. Eine Karriere auf der Überholspur ist garantiert - gäbe es da nicht noch eine Großmutter Gerd in Malaysia, die Vassar noch nie sah, und die ihr jetzt plötzlich ein Flugticket nach Singapur schickt. Vassar wie auch die Eltern sind darüber nicht erfreut. Die Großmutter gilt als Abenteuerin, Künstlerin und Paradiesvogel, und im Ganzen als ziemlich unzuverlässig: als planlos! Doch ein Geheimnis scheint der Grandma Macht über die Eltern zu geben, und Vassar startet schon bald mit viel zu viel Gepäck und zum Scheitern verurteilten Plänen nach Asien – in ein neues und atemberaubendes Leben. Es erwarten sie Malaysia, Kambodscha und Laos, traumhafte Naturschauspiele, unausweichliche Kulturschocks und zwischenmenschliche Katastrophen bis hin zur ersten jungen Liebe, und Vassar erfährt: „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir!“ Ein kleiner Lateinkurs ist für den Leser inbegriffen.

„Carpe diem“ von Autumn Cornwell ist im Carlsen Verlag Hamburg erschienen ISBN 978-3-551-58167-9; unverbindliche Preisempfehlung: EUR (D) 14,00; EUR (A) 14,40; CHF 25,90).


Abend ist der ganze Tag von Preeta Samarasan

Abend ist der ganze Tag von Preeta Samarasan

Preeta Samarasan schreibt in ihrem Debütroman „Abend ist der ganze Tag“ über das Leben in ihrer malaysischen Heimat, das Miteinander in einem Vielvölkerstaat und die erschütternde Einsamkeit innerhalb einer Großfamilie.
Die Familiengeschichte spielt im Jahr 1980 in der Großstadt Ipoh. Im „Big House“ lernt der Leser die wohlhabende indischstämmige Familie Rajasekharan kennen. Sie besteht aus dem erfolgreichen und nur noch selten zu Hause anzutreffenden Staatsanwalt Raju, seiner verbitterten und enttäuschten Ehefrau Vasanthi, der 18-jährigen hochbegabten Tochter Uma, dem Sohn Suresh und der jüngsten Tochter Aasha, fast ignoriert und somit voller Sehnsucht nach Liebe und Zuwendung.

Viel Unerklärliches passiert in diesem Haus, nicht nur aus Sicht eines Kindes. Großmutter Paati stirbt auf rätselhafte Weise, Uma verlässt (auf ewig?) die Familie und das Dienstmädchen Chellam wird davongejagt. Alles zerbricht, nichts ist verlässlich – außer der Gegenwart der Geister längst vergangener Zeiten – von Mr McDougalls Tochter und nun auch von Großmutter Paati. Doch diese mythische Welt ist nur für die sechsjährige Aasha sichtbar, zusätzlich zu ihrem großen Geheimnis und der sie umgebenden Kälte.

Preeta Samarasan fesselt ihre Leser mit einer großen Familiensaga und Details über die wirtschaftliche wie auch sozialpolitische Geschichte Malaysias auf eine einzigartige Weise, wortstark und auch voller Melancholie. Jeder Romanfigur verleiht sie individuelle Züge, lässt Verständnis finden für Fehlverhalten und Schwäche, Lüge und Leidenschaft. Mit Zeitsprüngen zwischen den einzelnen Kapiteln wächst beim Leser die Erkenntnis auf das Unvermeidbare. Und immer wieder überrascht Samarasan mit dieser feinen Poesie: Als ob das „auf ein Spinnennetz fallende Sonnenlicht“ oder eine „nackte, weiße, von einem Ende der Fensterleiste zum anderen krabbelnde Babykakerlake“ uns trösten und von der Katastrophe ablenken sollen. Ein einmaliges Lesevergnügen.

„Abend ist der ganze Tag“ von Preeta Samarasan ist im Ullstein Verlag erschienen (ISBN 978-3-550-08735-6; EUR (D) 19,90; EUR (A) 20,50; CHF 35,90).





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