Letztes Update: 28.10.2010

 
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Asiatische Literatur GESCHICHTEN AUS NEPAL
Buchrezensionen von Anita Bolte

Die Fahne Nepals












Im Tal des Schneeleoparden von Steffanie Burow



Im Tal des Schneeleoparden von Steffanie Burow

Buchinhalt/Buchkritik:
Die 31-jährige Anna lebte bisher ihr zufriedenes, wenn auch wenig aufregendes Singledasein in Lüneburg, einer Kleinstadt in Norddeutschland. Nach dem Unfalltod ihrer Mutter Bärbel fällt ihr Vater in eine schwere Depression. So ist es Anna, die neben der Trauer auch den Nachlass zu bewältigen hat. Dabei findet sie in Bärbels Unterlagen fünf alte, zerlesene Briefe. Die Absender lauten: „Deine beste Freundin Ingrid“ und später „deine beste Freundin Laksmi“, doch beide Namen sind Anna völlig unbekannt, wie auch die zuerst ersichtliche Adresse der Mutter.

Anna begibt sich auf die Spurensuche und landet in dem kleinen ostfriesischem Dorf Foelkenorth. Eine ältere Frau erzählt ihr dort abwertend von einer Hippie-Kommune, die lange Zeit bis Anfang der 70er-Jahre auf einem Gehöft gehaust hätte. In dem jetzt verlassenem Haus macht Anna einen Fund, der sie fast magisch anzieht: eine fremdländische Halskette mit einem Buchstaben. Sie legt sie sich um den Hals und schon bald überschlagen sich die Ereignisse: Die Suche nach dieser Ingrid/Laksmi führt zu einem Telefonat bis nach Indien.

Bald sitzt Anna im Flieger dorthin – zu der Jugendfreundin ihrer Mutter. Sie begegnet warmherzigen Menschen und der ihr bis dahin unbekannten Vergangenheit Bärbels. Und je mehr sich diese Vergangenheit offenbart, je größer werden die Rätsel um Annas eigene Identität. Aus der angepassten, stets auf Sicherheit bedachten jungen Frau erwächst ein für alles Neue aufgeschlossener Mensch. Die Spuren ihrer Mutter führen sie nach Nepal.

Allein reist Anna nach Kathmandu, lernt eine andere, fast vergessene Lebensfreude kennen. Sie begegnet rätselhaften Menschen, wie der jungen Nepalesin Tara, die in Nepals Hauptstadt ihre Schwester sucht. Was hat sie beim Anblick der Halskette erschreckt? Vertrauen kann mitunter auch den falschen Menschen entgegen gebracht werden. Anna wird zu einer Wanderung in Nepals Bergwelt eingeladen und gerät in große Gefahr.

Die Autorin:
Steffanie Burow lebt in Hamburg und war Art-Direktorin und Werbetexterin, bevor sie gemeinsam mit ihrem Mann ausgedehnte Reisen durch die Länder des Fernen Ostens unternahm. Ihre so gesammelten Eindrücke und Erfahrungen hatten sicher Einfluss auf ihren hier vorliegenden zweiten Roman. Neben einer spannenden Story vermittelt die Autorin Einblicke in die fremde Welt Nepals, mit ihrer geographischen Schönheit und dem geschichtlichen Hintergrund. Burow bringt uns die Gastfreundschaft und Toleranz der Nepalesen nahe, die den heutigen Weltenbummler ebenso willkommen heißen wie einst schon die Blumenkinder aus der Hippiezeit.

Buchtitel: „Im Tal des Schneeleoparden“
Autorin: Steffanie Burow
Originalausgabe September 2010
im Knaur Taschenbuch Verlag , München
508 Seiten, EUR 9,99(D)
ISBN: 978-3-426-50659-2


Der Liebesguru von Samrat Upadhyay
Übersetzt vom Herausgeber Philipp P. Thapa



Der Liebesguru von Samrat Upadhyay

Buchinhalt/Buchkritik:
Der Mathematiklehrer Ramchandra lebt mit seiner Frau Goma und seinen beiden Kindern Sanu und Rakesh in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Sie führen ein gutes Leben, dass von Fleiß, aber auch großer Sparsamkeit geprägt ist. Gomas Eltern gehören im Gegensatz zu ihnen der wohlhabenden Oberschicht an und lassen Ramchandra oft ihre Missbilligung spüren. Nicht selten fragt er sich, warum man seinerzeit mit diesem Heiratsersuchen ausgerechnet an ihn und seine Mutter herangetreten ist.

Er verliebte sich in Goma schon beim ersten Blick auf ihr Foto, und aus der arrangierten Ehe erwuchs tiefe Liebe und echte Partnerschaft. Ihr gemeinsames Ziel ist es, aus der engen Mietwohnung heraus und zu einem eigenen Haus zu kommen. Helfen sollen dabei auch die Einnahmen aus dem Nachhilfeunterricht, den Ramchandra zu Hause vor allem vor den wichtigen SLC-Prüfungen gibt.

Es ist September 1989, wenige Tage vor Dashain, Nepals bedeutsamsten Hindufest, als plötzlich dieses Mädchen zu ihm kommt. „Sir, ich bin sehr schlecht in Mathe“, sagt Malati, groß und dünn, ärmlich gekleidet, vielleicht schon zwanzig Jahre alt. Zuerst lässt er sich nur widerwillig auf sie ein. Doch schon nach wenigen Unterrichtsstunden beansprucht Malati alle seine Sinne. Er sucht ihre Nähe, folgt ihr zu ihrer Wohnung.

Als es zu ersten Intimitäten kommt, ist er verwirrt, beichtet es Goma. Daraufhin zieht diese mit den Kindern zu ihren Eltern. Ramchandra will seine Familie nicht verlieren, doch gerade als Goma einlenkt und zurückkehrt, wird Malati von ihrer Stiefmutter vor die Tür gesetzt. Goma erkennt, dass ihr Ehemann sich gefühlmässig von der jungen Frau noch nicht trennen kann und macht einen fast irrsinnigen Vorschlag:
Malati soll zusammen mit ihrer acht Monate alten Tochter bei ihnen einziehen und gemeinsam mit Ramchandra das Schlafzimmer teilen während sie selbst mit ins Kinderzimmer wechselt. Goma scheint durch diese Dreiecksgeschichte an Stärke zu gewinnen, wird zur führenden Persönlichkeit. Ramchandra wird zum Gespött, in der Schule ebenso wie in der Nachbarschaft oder Verwandtschaft.

Zusätzlich zu den persönlichen Problemen bricht in Kathmandu die schon länger schwelende Revolution aus. Die Monarchie wackelt, das Volk demonstriert, Militär und Polizei greifen hart durch. Trotz aller Unruhen wächst die „neue“ Familie zusammen. Man arrangiert sich. Das Leben geht weiter, die von Malati gefürchtete Matheprüfung steht an. Und schon wieder greifen neue Veränderungen in ihrer aller Leben ein.

Samrat Upadhyays zweiter Roman geht wahrhaft unter die Haut. Ohne erhobenen Zeigefinger zeigt er menschliche Irrwege auf und sagt uns, dass auch Schwächen neben persönlicher Stärke dazu gehören müssen, dass gerade sie erst es möglich machen, das wirkliche Glück zu erkennen. Mit einfühlsamen, zurückhaltenden Worten offenbart uns der Autor einerseits ein Familiendrama, andererseits die aus wahrer Liebe entstehende Stärke der Ehefrau und Mutter. Und fast ganz nebenbei lehrt er uns die jüngste politische Geschichte Nepals und die tiefe religiöse Verbundenheit seiner Einwohner. Eine wahre Meisterleistung.

Der Autor:
Samrat Upadhyay ist ein 1963 geborener nepalisch-amerikanischer Schriftsteller. Er
wuchs in Kathmandu auf und lebt seit seinem einundzwanzigsten Lebensjahr in den USA. In den frühen 90-Jahren kehrte er vorübergehend nach Nepal zurück, heiratete und arbeitete als Lehrer und Journalist. Nach seiner Promotion an der Universität Hawaii 1999 arbeitete er zunächst am Baldwin-Wallace College in Ohio. Er lehrt an der Indiana University in Bloomington.

Buchtitel: „Der Liebesguru“ Autor: Samrat Upadhyay
Ersterscheinung: 2003 „The Guru of Love“ by Houghton Mifflin, Boston
Erscheinung der deutschen Erstausgabe: 2009
in der Edition Kathmandu, Bergisch Gladbach
330 Seiten, UVP: 23,- - Euro, ISBN: 978-3-939834-03-8


Erhältlich u. a. bei der Edition Kathmandu.





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