Asiatische Literatur – GESCHICHTEN AUS PAKISTAN
Buchrezensionen von Anita Bolte
Andere Räume, andere Träume von Daniyal Mueenuddin
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Buchinhalt/Buchkritik: Die pakistanische Gesellschaft in Daniyal Mueenuddins schriftstellerischem Debüt ist zweigeteilt: Die finanziell wie politisch erfolgreich etablierte Oberschicht gegenüber der Dienerklasse angehörenden großen Mehrheit des Volkes. Doch in beiden Klassen wird nach dem gleichen System verfahren: Nehmen, was sich bietet. Auf illegalem Weg zu legalem Wohlstand gelangen. Jeder ist bestechlich, ein Jeder ist käuflich. In acht in sich abgeschlossenen Erzählungen blicken wir in die „Lebensräume“ der unterschiedlichsten Personen. Sie ranken mehr oder weniger um den einflussreichen, schon betagten Landbesitzer K.K. Horouni aus Lahore. Als Vorstand eines mächtigen, über ganz Pakistan agierenden Familienclans fürchtet er um die Vergänglichkeit seines Erbes. Da ist der Elektriker Nawabdin, ein auf der Farm unentbehrlicher Handwerker. Er liebt seine Frau, seinen Sohn und seine zwölf Töchter abgöttisch – aber für sein Motorrad riskiert er selbst sein Leben. Wir begleiten die junge Saleema, die der Armut ihres Dorfes entflieht und einen Fremden aus der Stadt heiratet. Bald muss sie erkennen, dass es die falsche Wahl war. Als Küchenhilfe kommt sie auf Horounis Farm unter, bezahlt Extra-Zuwendungen des Kochs mit körperlicher Zuwendung. Erst als der alte Kammerdiener Rafik ihren Reizen erliegt, beginnt für Saleema ein Glück auf Zeit. Doch nicht nur in den Arbeiterräumen wird von Glück und Liebe geträumt. Sohail, ein Neffe des großen Patriachen und Jurastudent, verliebt sich in Paris in die Amerikanerin Helen. Das junge Paar schmiedet bereits Zukunftspläne. Das ruft Sohails Mutter auf den Plan, eine das Rampenlicht gewohnte „Frau von Welt“. Die Familie verbringt zusammen das Weihnachtsfest in Paris, und Helen wird schon bald die eigene Mittelmäßigkeit bewusst.
Der Autor:
Daniyal Mueenuddin wurde 1963 mit einem pakistanischen Vater und einer US-amerikanischen Mutter zwar in Los Angeles geboren, verbrachte aber seine Kindheit im pakistanischen Lahore. Dann folgte ein steter Wechsel: Mit 13 Jahren ging es mit Mutter und Bruder zurück in die USA, nach dem Schulabschluss wieder zurück nach Pakistan in die väterliche Agrarwirtschaft. Wieder sechs Jahre später nahm er in den USA ein Jurastudium auf, nach dessem Abschluss er mehrere Jahre als Anwalt in New York arbeitete. Heute lebt er als Autor und Bauer auf seiner Farm in Khanpur, Pakistan. Dieses Buch ist eine angenehme und interessante Lektüre, vor allem da es seine Darstellung fast ohne religiösem Hintergrund vollzieht. „Andere Räume, andere Träume“ gewann im März 2010 den Story Prize und war Finalist für die National Book Awards 2009. Das Buch vermittelt einen realistischen Eindruck vom heutigen Leben in Pakistan. Jede Erzählung ist für sich eine Momentaufnahme der pakistanischen Gesellschaft.
Buchtitel: „Andere Räume, andere Träume“
Autor: Daniyal Mueenuddin
Ersterscheinung: 2009 „In Other Rooms, Other Wonders“
im Verlag W.W.Norton & Company, New York
Erscheinung der deutschen Ausgabe: 2010, Suhrkamp Verlag Berlin
290 Seiten, UVP: EUR 19,90
ISBN: 978-3-518-42141-3
Erhältlich u. a. bei Amazon.
Eine Kiste explodierender Mangos von Mohammed Hanif
Der Pakistani Mohammed Hanif sorgt 2008 mit seinem in Englisch erscheinenden Debütroman „Eine Kiste explodierender Mangos“ für eine literarische Sensation. Er verknüpft gekonnt reale politische Vorgänge mit stimmiger Fiktion. Alles gewürzt mit der nötigen Gesellschaftskritik und sehr viel schwarzem Humor ergibt sich ein überaus spannender Polit-Thriller.
Am 17. August 1988 kommt der pakistanische Militärdiktator Zia ul-Hag zusammen mit mehreren seiner Generälen wie auch dem US-Botschafter bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Dabei blieb es bis heute ungeklärt, ob es sich hierbei um einen Unfall oder einem Attentat handelt. Mit der Vorstellung aller Beteiligten und ihrer Beweggründe führt uns der Autor gekonnt bis zum Finale. Der paranoide General Zia fühlt sich zunehmend bedroht, nicht zuletzt aufgrund seiner täglichen Koranlektüre. Er ruft Alarmstufe Rot aus, traut nur noch seinem Bodyguard und verlässt das Army House nicht mehr. Ali Shigri ist ein junger Luftwaffenkadett und wüsste gerne, ob sein Vater, der legendäre Colonel, freiwillig aus dem Leben schied. Sein bester Freund, der schwule und recht belesene Obaid, ist plötzlich zusammen mit einem Flugzeug unauffindbar. Verdächtig ist auch ihr gemeinsamer Vorgesetzter Leutnant Bannon, der seinem Vietnamtrauma mit Marihuana zu entkommen versucht. General Akhtar, der Geheimdienstchef, strebt nach Höherem und Major Kiyani ist Profi in so mancherlei. Eine Krähe kreuzt den Weg der Präsidentenmaschine. Eine eben solche hörte einst den Fluch der blinden Zainab, die das Opfer einer Vergewaltigung wurde. Gemäß der Scharia droht dieser deshalb jetzt die Steinigung. Und wer kennt die Wirkung einer zu großen Menge überreifer Mangos?
Der Roman wurde für den begehrten Man Booker Prize 2008 nominiert und ist der Gewinner des Commenwealth Writers`Prize 2009-Best First Book Award.
„Eine Kiste explodierender Mangos“ von Mohammed Hanif ist im A1 Verlag München erschienen (ISBN 978-3-940666-06-2).
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