Letztes Update: 11.12.2011

 
Startseite      Botschaften/Konsulate      Kontakt      Pai Co., Ltd.             Thai

 

 

Asiatische Literatur GESCHICHTEN AUS THAILAND


Buchrezensionen von Anita Bolte

Die Fahne Thailands








Der Untreue-Index von Christopher G. Moore
Kriminalroman - Aus dem Englischen von Peter Friedrich

Der Untreue-Index von Christopher G. Moore

Buchinhalt/Buchkritik:
Vincent Calvino ist ein jüdisch-italienischer Ex-Anwalt aus Brooklyn, den es einst in Thailands Hauptstadt Bangkok verschlagen hat. Hier arbeitet er mal mehr, mal weniger erfolgreich als Privatdetektiv. Bei seinem letzten Auftrag im Jahr 2006 kommt er einer im großen Stil agierenden Organisation von Medikamentenfälschern gefährlich nahe. Bevor er seinem Auftraggeber, dem prominenten Mitglied einer renommierten Anwaltskanzlei, die lückenlosen Beweise aushändigen kann, stirbt dieser unter rätselhaften Umständen.

Zeitgleich wird auch eine 19-jährige Angestellte des sich im gleichen Hause wie Calvinos Büroräume befindlichen Massagesalons tot aufgefunden. Es kommt zu unerwarteten Entwicklungen und Verstrickungen. Entgegen seiner üblichen Praxis, hatte Calvino nicht auf Vorkasse bestanden. Als er das ausstehende Honorar vom Stellvertreter des Verstorbenen fordert, lehnt dieser die Kostenübernahme ab, leugnet gar das Bestehen eines entsprechenden Auftrages. Um die drohende Pleite abzuwenden, übernimmt Calvino die Aufträge über Ehemänner-Beschattungen von einem Quartett ausländischer Hausfrauen. Unter diesen Exilanten kursiert ein Nachschlagewerk und Ratgeber mit dem Titel „Der Untreue-Index“. Und eine dieser Frauen ist jetzt die Witwe jenes toten Rechtsanwaltes.

Calvinos Ermittlungen, immer unterstützt von seinem Freund, dem unbestechlichen Polizisten Colonel Pratt, sowie auch von seiner treuen Sekretärin Ratana, führen ihn direkt ins Zentrum der Unterwelt. Der smarte und weltgewandt auftretende Gangsterboss, unantastbar durch politische und wirtschaftliche Vernetzungen, spielt geschickt seine Trümpfe aus. Plötzlich ist Calvino selbst der Hauptverdächtige in mehreren Mordfällen und sein Freund Pratt wird wegen Begünstigung vom Dienst suspendiert. Ratana muss sich verstecken, Calvino taucht unter und auf den Straßen Bangkoks nimmt ein neuerlicher Militärputsch konkrete Formen an.

Der Autor:
Der am 8. Juli 1952 geborene Autor Christopher G. Moore ist Kanadier und lebt seit 1988 in Thailands Hauptstadt Bangkok. Vorher studierte er Jura in Oxford und lehrte selbst Rechtswissenschaft an der Universität von British Columbia. Der hier vorliegende Roman ist die Nr. 9 seiner Vincent-Calvino-Romane. Außer ins Deutsche werden diese auch in Thai sowie ins Chinesische, Japanische, Norwegische, Französische, Spanische, Türkische, Italienische und Hebräische übersetzt. Seit Januar 2011 veröffentlicht Moore Informatives (in Englisch) über seine neue Heimat in einer wöchentlichen Kolumne.

Buchtitel: „Der Untreue-Index“
Autor: Christopher G. Moore
Die Originalausgabe erschien 2007 unter dem Titel
„The Risk of Infidelity Index“
bei Asia Books, Bangkok und Atlantic Monthly Press, New York
Die Deutsche Erstausgabe erschien Juli 2011
im Unionsverlag Zürich
379 Seiten, UVP: € 16,90 (D), € 17,40 (A), CHF 25,90
ISBN: 978-3-293-00435-1


Berlin Fidschitown von D. B. Blettenberg
Kriminalroman

Kakerlaken von Jo Nesbo

Buchinhalt/Buchkritik:
Seine Mutter war eine Thai, sein Vater ein Deutscher, und genannt wird der in Bangkok lebende Privatdetektiv Surasek Meier passender Weise „Farang“. Sein derzeitiger Auftrag führt den Eurasier zur Jahreswende von Thailands Hauptstadt nach Berlin, aus subtropische Hitze in fast sibirische Kälte. Er soll eine Forderung in Millionenhöhe vom in Deutschland untergetauchten „heimlichen Herrscher von Pattaya“ eintreiben.

Doch bevor er den durch Prostitution, Frauenhandel und Kinderschänderei zu Reichtum und zweifelhaften Ruhm Gekommenen habhaft werden kann, gerät „Farang“ in die Machtkämpfe zweier rivalisierender Banden von Vietnamesen und Chinesen. Die Marktanteile von Zigarettenschmuggel, Pornoware und Schutzgelderpressungen sind hart umkämpft in Berlins Unterwelt. Und die „Unterwelt“ ist auch der austragende Ort der Kampfhandlungen.

Das einst von den Nazis im „Dritten Reich“ angelegte Tunnelsytem wird vom Autor zum eigentlichen Hauptthema: Er ruft Erinnerungen an die Vietcong und die Tunnelkämpfer von Saigon wach. Er bringt nicht nur die Kriegsveteranen von einst wieder ins Spiel, sondern entdeckt geographische Parallelen beim Spiegelvergleich der Stadtpläne von Ho Chi Minh City und Berlin. Und als zusätzliche Schicksalsironie lässt Blettenberg den seinem Freund „Farang“ zu Hilfe eilenden Amerikaner und Ex-GI auf der Seite der Vietcong gegen die Südvietnamesen antreten. Neben dieser schriftstellerischen Freiheit gibt der Autor andererseits ein detailgetreues Bild der gesellschaftlichen, geographischen und klimatischen Wirklichkeiten von Berlin, Bangkok und dem einstigen Saigon wieder.

Der Autor:
Detlef Bernd Blettenberg, 1949 geboren, absolvierte nach dem Besuch von Gymnasien in Montabaur und Garmisch-Partenkirchen eine Industrielehre als Technischer Zeichner im Maschinenbau. Im anschließenden Wehrdienst besuchte er eine Marinefernmeldeschule und fuhr als Bordfunker zur See. 1972 begann seine mehr als zwei Jahrzehnte währende Tätigkeit in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Er lebte in Ecuador, Thailand und Nicaragua, bereiste Afrika, den Nahen Osten und Asien. Zwischen Auslandseinsätzen arbeitete er als Referent für Berufsausbildung und Gewerbeförderung in Bonn und später in Berlin. Sein erster Roman wurde 1981 veröffentlicht. Inzwischen wurde er als Schriftsteller mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Edgar-Wallace-Preis 1981 und dem Deutschen Krimi Preis 1989, 1995 und 2004.

Buchtitel: „Berlin Fidschitown“
Autor: D. B. Blettenberg
Die deutsche Originalausgabe erschien 2003
im Pendragon Verlag, Bielefeld
2010 dort erstmals als Taschenbuch
363 Seiten, UVP: € 12,95 (D)
ISBN: 978-3-86532-204-3


Kakerlaken von Jo Nesbø
Kriminalroman - Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob
Kakerlaken von Jo Nesbo

Buchinhalt/Buchkritik:
Der erst vor Kurzem für Thailand ernannte norwegische Botschafter Atle Molnes wird in einem zwielichtigem Bangkoker Motel mit einem Messer im Rücken tot aufgefunden. Er hinterlässt eine alkoholkranke Ehefrau sowie Runa, seine 16-jährige Tochter, deren Ansammlung von Lebensenttäuschungen bereits die der Mutter übertrifft. Die norwegische Regierung forciert eine schnelle und vor allem unspektakuläre Aufklärung.

Überraschenderweise wünscht das Auswärtige Amt, dass Harry Hole als Sonderermittler aus Oslo die thailändische Polizei unterstützt. Thailand ist eines der korruptesten Länder überhaupt – und Hole gilt aufgrund von privaten Problemen zur Zeit nicht gerade als leistungsstark. Will irgendjemand sicher gehen, dass bei den Mordermittlungen nichts heraus kommt?

Als Harry bei den Beweisaufnahmen erkennt, dass der Botschafter in pädophilen Kreisen verkehrte, ist er nicht mehr zu bremsen. Zusammen mit der thailändischen Kommissarin Liz und ihren Kollegen verfolgt er jede denkbare Spur. Er geht hohe Risiken ein, setzt dabei nicht nur sein Leben auf`s Spiel. Ein norwegischer Börsenmakler wird verhaftet. Die Behörden in Bangkok und Oslo sind zufrieden, und Hole erhält den sofortigen Befehl zur Heimkehr. Doch dieser weigert sich: Die Beweislage war zu einfach und lückenlos. Ein mörderisches Spiel beginnt, dessen Einsatz um den Gewinn auf beiden Seiten die Schmerzgrenze überschreitet.

Jo Nesbøs Romane sind spannend und vermitteln zudem viel Wissen und Fakten zum jeweiligen fremden Land des Tatortes. Unbemerkt lernt der Leser Land und Leute kennen und deren Eigenarten verstehen. Und das alles mit Herzklopfen und Gänsehautgefühl. Jo Nesbø ist unverkennbar ein Meister in seinem Genre – für Krimifans unverzichtbar und absolut empfehlenswert.

Der Autor:
Der 1960 in Oslo geborene Jo Nesbø ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Er arbeitete viele Jahre erfolgreich als Broker und war gleichzeitig Sänger der damals populären Band Di derre. Bereits sein Romandebüt Der Fledermausmann wurde als „Bester Kriminalroman des Jahres“ ausgezeichnet und mit Rotkehlchen gelang ihm international der Durchbruch. Inzwischen ist er Norwegens erfolgreichster Autor. Jo Nesbø lebt in Oslo.

Buchtitel: „Kakerlaken“, Autor: Jo Nesbø
Titel der norwegischen Originalausgabe „Kakerlakkene“
erschienen 1998, 2001 H. Aschehoug & Co., Oslo
Deutsche Ausgabe 2007 Ullstein Buchverlage, Berlin
Seit 2009 als Ullstein Taschenbuch
410 Seiten, UVP: € 9,95 (D), € 10,30 (A), CHF 16,90
ISBN: 978-3-548-28049-3


Nachtmarkt von Angela Savage

Nachtmarkt von Angela Savage

Buchinhalt/Buchkritik:
Jayne Keeney, eine 29-jährige Australierin, arbeitet in Bangkok als Privatdetektivin. In der Regel jagt sie mit ihrer Kamera untreuen Ehepartnern nach. Als sie im Auftrage eines Amerikaners dessen Thaifrau in leidenschaftlicher Umarmung „einfängt“, greift deren Liebhaber zum Messer. Danach braucht Jayne dringend eine Auszeit, und sie reist nach Chiang Mai, in die größte und wichtigste Stadt Nordthailands. Hier lebt Didier, ihr bester Freund, ihr Seelenverwandter. Doch die Wiedersehensfreude währt nur wenige Stunden. Nou, Didiers Lebenspartner, wird ermordet aufgefunden und der Kanadier selbst von der Polizei „versehentlich“ als dringend Mordverdächtiger bei der Festnahme erschossen.

Jayne ist fassungslos: Die Beweiskette gegen Didier ist lückenlos, zu lückenlos. Nicht nur ihr Bauchgefühl lässt Jayne an der Schuld des Freundes zweifeln. Vieles widerspricht sich, passt nicht zu Didiers Lebensphilosophie. So beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln und stößt schon bald auf kriminelle Machenschaften in der Sexindustrie. Kelly, ein Geschäftsmann der übelsten Sorte, bietet in seinem „Kitten Club“ Kinder zur Prostitution an. Die Polizei kassiert Schutzgeld, schützt die Verbrecher und nicht die Opfer.

Hatte Didier als „HIV“-Aufklärer „zu viel“ gesehen und war im Weg? Auch Jayne greift in die Trickkiste, nimmt eine andere Identität an. Als sie den Kitten Club observiert und Beweismaterial sammelt, wird sie dabei von einem Agenten der australischen Bundespolizei überrascht. Die Dinge überschlagen sich, die Gefahr kommt spürbar näher.

In ihrem Debütroman vereint die Autorin sehr gut die Aufdeckung realer thailändischer Probleme mit detaillierten Ortskenntnissen und Spannung ohne Ende. Sie prangert den Sextourismus und das hemmungslose Treiben von Pädophilen ebenso an wie das korrupte Verhalten der Polizei. Immer wieder erhält der Leser Insider-Informationen. Somit empfiehlt sich das Buch unbedingt als spannende Reiselektüre für Thailand-Fans.

Die Autorin:
Die Australierin Angela Savage, geboren 1966, studierte nach einem Au-pair-Aufenthalt in Frankreich Kriminologie und Wissenschaftsgeschichte an der Universität von Melbourne, der zweitgrößten Stadt Australiens. Anschließend arbeitete sie journalistisch und reiste 1992 mit einem Studienstipendium nach Laos. Die folgenden sechs Jahre lebte sie in Vientiane, Hanoi und Bangkok, wobei sie für das Australische Rote Kreuz AIDS-Hilfsprogramme organisierte.
Heute lebt Angela Savage mit ihrem Lebensgefährten, dem Autor Andrew Nette, und der gemeinsamen Tochter in Melbourne und erfüllte sich mit ihrem preisgekrönten ersten Roman »Nachtmarkt« einen lang gehegten Traum. Ein zweiter Roman um die Privatdetektivin Jayne Keeney ist in Arbeit

Buchtitel: „Nachtmarkt“
Autor: Angela Savage
Ersterscheinung: 2006 „Behind the Night Bazaar“
bei Text Publishing Company, Melbourne, Australia
Deutsche Erstausgabe 2008 bei Blanvalet Verlag, München
384 Seiten, UVP: € 7,95 (D), € 8,20 (A), 13,90 CHF
ISBN: 978-3-442-36724-5


Der Jadereiter von John Burdett

Der Jadereiter von John Burdett

Buchinhalt/Buchkritik:
Sonchai und Pichai sind Freunde seit ihrer Kindheit. Als Söhne von Prostituierten wuchsen sie zusammen im Bangkoker Rotlichtmilieu auf. Sie nahmen Drogen, stahlen Autos – und hätte Pichai nicht versehentlich ihren Yaa-baa-Händler ermordet, wäre ihnen eine Karriere als Stricher, Zuhälter oder Drogenboss sicher gewesen.

Doch ihre Mütter hielten sie in einem Waldkloster oben im Norden versteckt. Der Vorsteher nutzte die Zeit: Er lehrte sie die strengen buddhistischen Glaubensregeln und zwang sie, ehrliche Cops zu werden, wollten sie der Hölle als Mörder entgehen. Anschließend nahm der Bruder des Abts, Colonel Vikorn vom berüchtigten achten Bezirk, die beiden gezwungenermaßen unter seine Fittiche.

Jetzt, nach zehn Jahren, sind sie immer noch die einzigen nicht korrupten Polizisten seiner Truppe, ja vielleicht sogar von allen Cops in Bangkok. Bei der Observation eines amerikanischen Jadehändlers verlieren sie nur kurz dessen Mercedes aus den Augen. Als sie den Wagen an einer Brücke stehend wieder finden, geschieht Schreckliches: Der Fahrer wird von einer über fünf Meter langen Python gewürgt, von der Mitfahrerin fehlt jede Spur.

Als Pichai helfend eingreifen will und die Autotür öffnet, dringen mehr als 20 Kobras heraus. Sonchai schießt und schießt, doch für seinen brüderlichen Freund und dem schwarzen Amerikaner kommt jede Hilfe zu spät. Die folgenden Tage und Wochen werden für Sonchai wie im Trance vergehen: Er will den Täter, er will Rache. Er muss nicht nur Behinderungen seiner Kollegen fürchten, sondern hat es auch mit dem amerikanischen FBI zu tun. Der ermordete Schwarze war William Bradley, ein US-Marine. Auch die Sonchai zur Seite gestellte attraktive FBI-Agentin Kimberley Jones scheint bei den Ermittlungen eigene Ziele zu verfolgen. Doch der Thai-Cop ist allen immer einen Schritt voraus.

Als er als erster Bradleys Wohnung inspiziert, faszinieren ihn die vielen Fotos jener geheimnisvollen Begleiterin – und die Figur eines Jadereiters. Als er ein zweites Mal dorthin geht, kann er nur schwer verletzt einem Überfall entkommen. Es wird immer verwirrender – doch mit Hilfe von Mystik und Magie – für Bangkoks Bewohner absolut nichts Ungewöhnliches – scheint auch dieser Fall lösbar.

Neben der spannenden Story vermittelt dieser Roman einen realen Eindruck von Bangkok. Wer diese Millionenmetropole bereits kennt, hat plötzlich vertraute Bilder vor Augen: den Chao Phraya River, die Khao San Road oder den Sky Train, Bangkoks Hochbahn. Und wer hier noch nicht als Tourist war, denkt vielleicht bei der nächsten Reiseplanung an diese Option. Zusätzlich macht der Leser Bekanntschaft mit Thailands Geisterwelt, und diese könnte real sein, keine Fiktion. Wer dann noch eine Einführung über Buddhismus, Wiedergeburt, Karma, Nirwana und relativer Wahrheit sucht, ist mit diesem Buch bestens beraten. Burdetts Schreibstil ist locker und elegant, die Wortwahl von Humor, Leidenschaft und umfangreichen Wissen geprägt. Mit anderen Worten: Es ist die reinste Lesefreude.

Der Autor:
John Burdett, geboren 1951, arbeitete als Anwalt eines britischen Konzerns in Hongkong. Nach Jahren in Frankreich, Spanien und England kehrte er als freier Schriftsteller dorthin zurück.

Buchtitel: „Der Jadereiter“
Autor: John Burdett
Ersterscheinung: 2003 „Bangkok 8“ by Verlag Alfred A. Knopf, New York
Ersterscheinung der deutschen Ausgabe: 2004 Piper Verlag München
469 Seiten, UVP: EUR 9,95(D), CHF 17,90 ISBN: 978-3-492-26224-8


Der Strand von Alex Garland

Der Strand von Alex Garland

Buchinhalt/Buchkritik:
Der Engländer Richard verlässt London und sucht als Rucksack-Tourist neue Lebensinhalte und Ziele. In Thailands Hauptstadt Bangkok übernachtet er in einem kleinen Hotel in der Khao San Road, der Adresse für Globetrotter schlechthin. Schon in der ersten Nacht macht er die mehr unfreiwillige Bekanntschaft seines Zimmernachbarn: Lautstark schimpfend bringt der sonderbare Zeitgenosse ihn um seinen Schlaf, faselt im Drogenrausch von einem Strand.

Am nächsten Morgen findet Richard an seiner Tür eine geographische Karte von der thailändischen Inselwelt mit einer seltsamen Markierung – und seinen toten Nachbarn. Rich berichtet der Polizei nichts von der Kartenskizze, wohl aber dem französischem Pärchen Etienne und Francoise. Die beiden haben schon vorher von einer Aussteigergruppe und einem traumhaften Strand auf einer kleinen Insel vor Ko Samui gehört. Schon bald machen sie sich gemeinsam auf den Weg.

Nach etlichen Strapazen werden sie ihr Ziel erreichen. Die kleine Insel ist eine von vielen im Naturschutzpark. Der Strand liegt versteckt in einer Lagune und ist nur durch einen wagemutigen Sprung von einem Wasserfallfelsen zu erreichen. Sie werden von den Mitgliedern der Gruppe, eine bunte internationale Mischung von Aussteigern, kritisch beäugt und schließlich in das Lagerleben integriert. Die Kommune lebt von der restlichen Welt abgeschnitten.

Durch strikte Arbeitseinteilung in Gärtnern, Fischen, Kochen und Zimmerei gibt es einen funktionierenden Tagesablauf. Es erscheint den „Neuen“ wie das Paradies auf Erden. Doch mit der Zeit bekommt die Idylle Risse. Gesellschaftsstrukturen entstehen, Probleme entwickeln sich. Machtstreben, Arroganz und Hass vergiften die Atmosphäre. Dann hält der Tod Einzug im Lager. Zuerst durch einen Killerhai, dann durch inländische Banditos. Das Paradies wird zur Todesfalle.

Der Autor:
Alex Garland, geboren 1970 in London, schrieb schon mit 26 Jahren seinen Debütroman über die backpacker in Südostasien. In „Ich“-Erzählform nimmt er seine Leser mit in eine andere Welt. Er erzählt überzeugend und anschaulich. Wir verstehen die Mentalität der Aussteiger und müssen – wie jene – erfahren, dass das Paradies und der Mensch nicht zusammenpassen. Das Buch, in vielen Ländern ein Bestseller, wurde 2001 unter dem Originaltitel „The Beach“ von Danny Boyle verfilmt. Leonardo DiCaprio übernahm die Darstellerrolle als Richard. Auch Garlands zweiter, der 1998 erschienene Roman „The Tesseract“ (deutscher Titel: Manila), wurde verfilmt. Zwei weitere Romane erschienen 2001 und 2004. Zusätzlich schrieb der Autor erfolgreich die Drehbücher zu den Filmen „28 Days Later“ (2003) und „Sunshine“ (2005). Garland, selbst mit seinem Rucksack in der Welt unterwegs, nutzt das Schreiben, um eigene Eindrücke zu verarbeiten, vermischt reale Personen und Orte mit fiktiven Storys.

Buchtitel: „Der Strand“ Autor: Alex Garland
Ersterscheinung: 1996 „The Beach“ bei Viking, London
Erscheinung der deutschen Erstausgabe: 1997
bei Wilhelm Goldmann Verlag, München, seit 1999 als Taschenbuch
446 Seiten, € 8,95 [D] | € 9,20 [A] | CHF 16,50 (empf. VK-Preis)
ISBN: 978-3-442-44235-5


Reise nach Thailand – Geschichten fürs Handgepäck
Eine Sammlung sozialkritischer Kurzprosa moderner thailändischer Autorinnen und Autoren

Reise nach Thailand Geschichten fürs Reisegepäck ist im Unionsverlag Zürich erschienen

Die Übersetzerinnen Kirsten Ritscher und Heike Werner machen uns bekannt mit elf Autoren Thailands, die ihre Erzählungen zwischen 1980 und 2002 veröffentlichten. Diese Geschichten spiegeln den Alltag in Thailand wieder, mal aus Sicht der Erfolgreichen, oft aus dem Blickwinkel der gesellschaftlichen Randgruppen.

In „Die Highway-Familie“ von Sila Kohmchai setzt ein vom Land in die Stadt gekommenes Ehepaar seine ganze Zeit und Kraft in den beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg. Ein Privatleben existiert nicht mehr – das Auto wird zur Insel ihrer Zweisamkeit auf dem gemeinsamen Weg zur Arbeit. Während einer Stau-Zwangspause kommt es hier zum ehelichen Sex und zwei Monate später zur Gewissheit: auch die Familieplanung ist erfolgreich.

Von Phaithun Thanya ist die Erzählung „Begegnung auf der Brücke“. Zwei Bullenführer begegnen sich auf einer schmalen schwankenden Hängebrücke. Ihre mitgeführten jungen Kampfbullen sind angriffsbereit und weichen keinen Schritt zurück. Weitere Passanten wollen die Brücke überqueren. Das Desaster scheint unausweichlich.

In „Der Blumentopf am Fenster“ von Win Liaowarin lernt der Leser auch ein thailändisches Sprichwort kennen: „Wenn du lachst, lacht die Welt mit dir. Wenn du weinst, weinst du allein.“ Ein von einem LKW erfasster junger Familienvater liegt querschnittsgelähmt und mit zertrümmertem Kehlkopf im Hospital. Er kann sich nicht bewegen, er kann nicht reden. Er möchte sterben. Die Krankenschwester Ket lernt, in seinen Augen zu lesen.Und sie versucht, ihm seinen Lebenswillen zurückzugeben. Sie strahlt stets Optimismus aus, liest ihm Mut machende Lektüre vor, pflanzt Samenkörner des Chaniangbaumes in einen Terrakotta-Topf. Der Baum erwacht zum Leben. Er wächst – und gleichsam auch der Lebenswille des Patienten. Doch eines Tages hatte Ket zu Hause ein schlimmes Erlebnis. Im Krankenzimmer bricht sie in Tränen aus und sagt zu dem Mann: „Sie hatten recht, die Welt ist schlecht. Es lohnt sich nicht zu kämpfen. Ich werde ihrem Wunsch, zu sterben nicht mehr im Wege stehen.“

In „Die Bettler“ von Anchen führt ein altes Bettlerehepaar jahrein, jahraus ein armseliges Leben zwischen einem Zuhause auf der Müllkippe und ihrem „Arbeitsplatz“ an der Hauptstraße. Eines Tages muss eine Luxuslimousine wegen einer Verkehrsbehinderung direkt vor ihnen halten. Drinnen sitzt Thailands derzeit berühmteste junge Schauspielerin. Weil sie Geburtstag hat und in Geberlaune ist, schenkt sie der Bettlerin einen Fünfhundert-Baht-Schein (10 Euro). Für die beiden Alten ist es ein unfassbar großer Geldbetrag. Endlich können auch sie das Almosengefäß für die Mönche – wie andere Leute auch – mit köstlichen Beilagen zum Reis füllen.

„Reise nach Thailand“ ist 2007 im Unionsverlag Zürich erschienen (ISBN 978-3-293-20400-3). Die deutsche Originalausgabe erschien 2006 unter „Wie ein Staubkorn auf der Erde“.


Das Haus der sechzehn Krüge von Jane Vejjajiva

Das Haus der sechzehn Krüge von Jane Vejjajiva

In Thailand wachsen viele Kinder bei ihren Großeltern auf. Dieser Umstand ist Ausgangspunkt von Jane Vejjajivas Buch „Das Haus der sechzehn Krüge“.

In der Geschichte lebt die neunjährige Kati zusammen mit Oma und Opa auf dem Dorf. Die Großmutter verwöhnt, bekocht und beschützt, der Großvater hilft mit Humor und Lebensweisheit über die alltäglichen Hürden. Nur über eines wird im „Haus am Wasser“ nie gesprochen: über Katis Mutter. Und doch denkt Kati jeden Tag an sie und kann sich nur noch an ihre Stimme erinnern.

Im zweiten Teil des Buches verlagert sich die Geschichte vom Haus am Wasser zum „Haus am Meer“. Nach fünf Jahren soll Kati hier ihre Mutter wiedersehen, um für immer Abschied zu nehmen: Die Mutter leidet an einer unheilbaren Erkrankung mit fortschreitendem Muskelschwund. Es bleibt nur noch wenig gemeinsame Zeit und viel zu klären, wie zum Beispiel die Frage, die Kati stets beschäftigt hat: Warum lebte die Mutter hier ohne sie?

Nach dem Tod der Mutter – im letzten Teil des Buches – geht es um das Leben im „Haus in der Stadt“. Hier lebte Kati früher zusammen mit der Mutter. Jetzt sind die Zimmer und die Schränke für Kati ein „Archiv“ für die Vergangenheit und vielleicht auch mit Lösungsvorschlägen für die Zukunft. Wer und wo ist Katis Vater?

Jane Vejjajiva erzählt einfühlsam von thailändischer Lebensart und buddhistischer Kultur. Wie weit das Buch aufgrund des Themas für den sehr jungen Leser geeignet ist, kann nur individuell entschieden werden.

Die Autorin ist die Schwester von Premierminister Abhisit Vejjajiva. Sie verwendet ihren Spitznamen Jane für ihre Publikationen. Ihr formeller Name ist Ngarmpun. 2006 erhielt sie den S.E.A. Write Award for Thailand für ihren ersten Roman The Happiness of Kati". Seit ihrer Geburt leidet Jane Vejjajiva an zerebraler Kinderlähmung und ist an den Rollstuhl gefesselt.

„Das Haus der sechzehn Krüge“ von Jane Vejjajiva ist im Cecilie Dressler Verlag erschienen (ISBN: 3-7915-2103-9; EUR 9,90/SFR 18,10 /EUR(A) 10,20).


Das Erbe der Schwestern von Caron Eastgate James

Das Erbe der Schwestern von Caron Eastgate James

Bangkok im 19. Jahrhundert ist Schauplatz des Romans „Das Erbe der Schwestern“ von Caron Eastgate James. Die 1962 in Neuseeland geborene und heute im australischen Melbourne lebende Verfasserin dieser Familiensaga hat selbst viele Jahre als Journalistin in der thailändischen Hauptstadt gelebt und gearbeitet, wodurch sie zu ihrem vorliegenden Erstlingswerk inspiriert wurde.

Zum Inhalt: 1868 macht der Engländer Edward Fairburn vor seiner Rückkehr aus der alten Heimat zu seiner in Australien lebenden Frau Charlotte und Tochter Elisabeth einen Abstecher nach Siam. Einerseits hofft er, dort am königlichem Hofe als Fotograf eine Chance zu bekommen, andererseits gab es Konflikte in seiner Ehe, und er sieht dem Wiedersehen mit gemischten Gefühlen entgegen. Von dem bunten Treiben, dem gesellschaftlichen Leben und nicht zuletzt den beruflichen Möglichkeiten in Bangkok fasziniert, beschließt er zu bleiben. Noch bevor seine Familie nachkommen kann, verliebt er sich in die Siamesin Kesri. Diese sieht jetzt eine erträumte sorgenfreie Zukunft vor sich, wird schwanger und findet sich plötzlich als Dienstbotin von Charlotte wieder. Die Konflikte sind vorprogrammiert: Kesris und Edwards gemeinsame Tochter Anchalee wird geboren, Charlotte kann eine Nebenfrau nicht akzeptieren und will zurück nach England, wobei Edward ihr verbietet, Elisabeth mitzunehmen.

Erst hier beginnt die eigentliche Geschichte: das Heranwachsen der nicht nur äußerlich sehr unterschiedlichen Schwestern Elisabeth und Anchalee, ein durch Irrungen und Missverständnisse zerstörtes Verhältnis und ein verzweifelter Kampf um Liebe und Leidenschaft.

„Das Erbe der Schwestern“ von Caron Eastgate James ist im Nymphenburger Verlag erschienen (ISBN: 3-485-00982-2).


Seebarsch und Süßkartoffeln von Pensri Kiengsiri

Seebarsch und Süßkartoffeln von Pensri Kiengsiri

Eine Liebesgeschichte aus Bangkok erzählt Pensri Kiengsiri in „Seebarsch und Süßkartoffeln“. Die Autorin wurde 1931 im Süden Thailands geboren, lernte als junge Frau Englisch in Malaysia und erwarb in Australien eine Ausbildung zur Physiotherapeutin. Später zog sie mit ihrem Ehemann nach Bangkok. Schon bald entdeckte sie ihr Talent als Schriftstellerin und neben zahlreichen Romanen, Erzählungen und Gedichten auf Thai begann sie 1970, auch auf Englisch zu schreiben. Zudem unterrichtet sie heute die englische Sprache an der Ramkhamhaeng-Universität in Bangkok.

Der vorliegende Roman entführt uns ins Jahr 1979 und hinein ins bunte Treiben auf dem Thonglor-Markt. Der junge Gemüsehändler Paramet hat seinen Marktstand direkt gegenüber der Fischhändlerin Kim-huai, die regelmäßig von ihrer 17-jährigen Tochter Kim-lang bei der Arbeit abgelöst wird. Zwischen den beiden jungen Leuten entwickelt sich eine Romanze, gegen den Willen der Fischhändlerin. Der junge Mann ist zwar gut aussehend, aber nicht standesgemäß. Doch die Verliebten sind erfinderisch und greifen zur List!

Neben einem kulinarischen Schnellkurs auf Thai erhält der Leser Eindrücke über die vielfältige Gesellschaft Thailands und das Leben innerhalb der Familie.

„Seebarsch und Süßkartoffeln“ von Pensri Kiengsiri ist im NordSüd Verlag Zürich erschienen ISBN 978-3-314-01549-6; UVP: EUR (D) 12,80; EUR (A) 13,20; CHF 22,80).


Museumsführer zum Jubiläum der National Museum Volunteers

Museumsführer zum Nationalmuseum in Bangkok/Thailand, hrsg. von den National Museum Volunteers

Die „National Museum Volunteers“ (NMV) haben anlässlich ihres 40. Geburtstages „Inspirations, a guide to our forty favorite pieces“ herausgegeben.

Für den mehrsprachigen Museumsführer – darunter auch Deutsch – wurden 40 Objekte ausgewählt. Erzählt und bebildert wird die Geschichte Thailands, beginnend mit den Keramiken aus Ban Chiang bis hin zu den imposanten Bestattungskutschen aus der Bangkok-Periode. Die Beschreibung der Stücke ist eine Mischung aus Kunstwertschätzung, Geschichte und Erzählung.

„Inspirations“ ist nicht nur ein Begleiter für jeden Besucher des Nationalmuseums, sondern auch ein wertvolles Nachschlagewerk mit einer Zeitachse, kurzen Erläuterungen zu den Zeitspannen und einem Glossar.

Erhältlich ist die Publikation im Buchladen des Nationalmuseums für 700 Baht.


Leises Lächeln von Klaus G. Förg und Warawit Kanithasen

Leises Lächeln von Klaus Förg und Warawit Kanithasen

„Hast du schon Reis gegessen?“ – während in anderen Ländern „guten Tag“ gewünscht wird, ist dies eine gängige Begrüßungsform der ländlichen thailändischen Bevölkerung. Nachzulesen sind gebräuchliche Sätze, Weisheiten und Zitate berühmter Persönlichkeiten in „Leises Lächeln – Thailändische Weisheiten“ von Klaus G. Förg und Dr. Warawit Kanithasen. „Wände haben Ohren, Türen haben Augen“ oder „Junge Äste kann man biegen, schwierig wird es, wenn sie alt sind“ sind nur zwei Volksweisheiten, die mit wunderschönen Fotografien der thailändischen Gesellschaft bebildert sind.

„Leises Lächeln – Thailändische Weisheiten“ von Klaus G. Förg und Dr. Warawit Kanithasen ist im Rosenheimer Verlag erschienen (ISBN: 978-3-475-53920-6). Erhältlich ist das Buch in Europa im Buchfachhandel. In Thailand kann das Werk beim „Buchladen“ auf dem Grundstück der Thai-Deutschen Kulturstiftung erworben werden.

Online-Bestellungen sind möglich unter www.rosenheimer.com.





Pai Company Limited Bangkok

© Copyright Pai Co., Ltd.

info@siamheute.de

Herausgeber: Pai Co., Ltd., 30/93 Moo 10 Garden Villa Soi D, T. Ladsawai A. Lamlukka Pathumthani 12150, Thailand
Tel./Fax: 0066 (0) 2-5695393