Letztes Update: 01.08.2010

   
Ausgabe 01/2010

Kulturmagazin Siam heute Ausgabe 01/2010
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Asiatische Literatur - GESCHICHTEN AUS THAILAND


Buchrezensionen von Anita Bolte

Die Fahne Thailands






Reise nach Thailand – Geschichten fürs Handgepäck
Eine Sammlung sozialkritischer Kurzprosa moderner thailändischer Autorinnen und Autoren

Reise nach Thailand Geschichten fürs Reisegepäck ist im Unionsverlag Zürich erschienen

Die Übersetzerinnen Kirsten Ritscher und Heike Werner machen uns bekannt mit elf Autoren Thailands, die ihre Erzählungen zwischen 1980 und 2002 veröffentlichten. Diese Geschichten spiegeln den Alltag in Thailand wieder, mal aus Sicht der Erfolgreichen, oft aus dem Blickwinkel der gesellschaftlichen Randgruppen.

In „Die Highway-Familie“ von Sila Kohmchai setzt ein vom Land in die Stadt gekommenes Ehepaar seine ganze Zeit und Kraft in den beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg. Ein Privatleben existiert nicht mehr – das Auto wird zur Insel ihrer Zweisamkeit auf dem gemeinsamen Weg zur Arbeit. Während einer Stau-Zwangspause kommt es hier zum ehelichen Sex und zwei Monate später zur Gewissheit: auch die Familieplanung ist erfolgreich.

Von Phaithun Thanya ist die Erzählung „Begegnung auf der Brücke“. Zwei Bullenführer begegnen sich auf einer schmalen schwankenden Hängebrücke. Ihre mitgeführten jungen Kampfbullen sind angriffsbereit und weichen keinen Schritt zurück. Weitere Passanten wollen die Brücke überqueren. Das Desaster scheint unausweichlich.

In „Der Blumentopf am Fenster“ von Win Liaowarin lernt der Leser auch ein thailändisches Sprichwort kennen: „Wenn du lachst, lacht die Welt mit dir. Wenn du weinst, weinst du allein.“ Ein von einem LKW erfasster junger Familienvater liegt querschnittsgelähmt und mit zertrümmertem Kehlkopf im Hospital. Er kann sich nicht bewegen, er kann nicht reden. Er möchte sterben. Die Krankenschwester Ket lernt, in seinen Augen zu lesen.Und sie versucht, ihm seinen Lebenswillen zurückzugeben. Sie strahlt stets Optimismus aus, liest ihm Mut machende Lektüre vor, pflanzt Samenkörner des Chaniangbaumes in einen Terrakotta-Topf. Der Baum erwacht zum Leben. Er wächst – und gleichsam auch der Lebenswille des Patienten. Doch eines Tages hatte Ket zu Hause ein schlimmes Erlebnis. Im Krankenzimmer bricht sie in Tränen aus und sagt zu dem Mann: „Sie hatten recht, die Welt ist schlecht. Es lohnt sich nicht zu kämpfen. Ich werde ihrem Wunsch, zu sterben nicht mehr im Wege stehen.“

In „Die Bettler“ von Anchen führt ein altes Bettlerehepaar jahrein, jahraus ein armseliges Leben zwischen einem Zuhause auf der Müllkippe und ihrem „Arbeitsplatz“ an der Hauptstraße. Eines Tages muss eine Luxuslimousine wegen einer Verkehrsbehinderung direkt vor ihnen halten. Drinnen sitzt Thailands derzeit berühmteste junge Schauspielerin. Weil sie Geburtstag hat und in Geberlaune ist, schenkt sie der Bettlerin einen Fünfhundert-Baht-Schein (10 Euro). Für die beiden Alten ist es ein unfassbar großer Geldbetrag. Endlich können auch sie das Almosengefäß für die Mönche – wie andere Leute auch – mit köstlichen Beilagen zum Reis füllen.

„Reise nach Thailand“ ist 2007 im Unionsverlag Zürich erschienen (ISBN 978-3-293-20400-3). Die deutsche Originalausgabe erschien 2006 unter „Wie ein Staubkorn auf der Erde“.


Das Haus der sechzehn Krüge von Jane Vejjajiva

Das Haus der sechzehn Krüge von Jane Vejjajiva

In Thailand wachsen viele Kinder bei ihren Großeltern auf. Dieser Umstand ist Ausgangspunkt von Jane Vejjajivas Buch „Das Haus der sechzehn Krüge“.

In der Geschichte lebt die neunjährige Kati zusammen mit Oma und Opa auf dem Dorf. Die Großmutter verwöhnt, bekocht und beschützt, der Großvater hilft mit Humor und Lebensweisheit über die alltäglichen Hürden. Nur über eines wird im „Haus am Wasser“ nie gesprochen: über Katis Mutter. Und doch denkt Kati jeden Tag an sie und kann sich nur noch an ihre Stimme erinnern.

Im zweiten Teil des Buches verlagert sich die Geschichte vom Haus am Wasser zum „Haus am Meer“. Nach fünf Jahren soll Kati hier ihre Mutter wiedersehen, um für immer Abschied zu nehmen: Die Mutter leidet an einer unheilbaren Erkrankung mit fortschreitendem Muskelschwund. Es bleibt nur noch wenig gemeinsame Zeit und viel zu klären, wie zum Beispiel die Frage, die Kati stets beschäftigt hat: Warum lebte die Mutter hier ohne sie?

Nach dem Tod der Mutter – im letzten Teil des Buches – geht es um das Leben im „Haus in der Stadt“. Hier lebte Kati früher zusammen mit der Mutter. Jetzt sind die Zimmer und die Schränke für Kati ein „Archiv“ für die Vergangenheit und vielleicht auch mit Lösungsvorschlägen für die Zukunft. Wer und wo ist Katis Vater?

Jane Vejjajiva erzählt einfühlsam von thailändischer Lebensart und buddhistischer Kultur. Wie weit das Buch aufgrund des Themas für den sehr jungen Leser geeignet ist, kann nur individuell entschieden werden.

Die Autorin ist die Schwester von Premierminister Abhisit Vejjajiva. Sie verwendet ihren Spitznamen Jane für ihre Publikationen. Ihr formeller Name ist Ngarmpun. 2006 erhielt sie den S.E.A. Write Award for Thailand für ihren ersten Roman The Happiness of Kati". Seit ihrer Geburt leidet Jane Vejjajiva an zerebraler Kinderlähmung und ist an den Rollstuhl gefesselt.

„Das Haus der sechzehn Krüge“ von Jane Vejjajiva ist im Cecilie Dressler Verlag erschienen (ISBN: 3-7915-2103-9; EUR 9,90/SFR 18,10 /EUR(A) 10,20).


Das Erbe der Schwestern von Caron Eastgate James

Das Erbe der Schwestern von Caron Eastgate James

Bangkok im 19. Jahrhundert ist Schauplatz des Romans „Das Erbe der Schwestern“ von Caron Eastgate James. Die 1962 in Neuseeland geborene und heute im australischen Melbourne lebende Verfasserin dieser Familiensaga hat selbst viele Jahre als Journalistin in der thailändischen Hauptstadt gelebt und gearbeitet, wodurch sie zu ihrem vorliegenden Erstlingswerk inspiriert wurde.

Zum Inhalt: 1868 macht der Engländer Edward Fairburn vor seiner Rückkehr aus der alten Heimat zu seiner in Australien lebenden Frau Charlotte und Tochter Elisabeth einen Abstecher nach Siam. Einerseits hofft er, dort am königlichem Hofe als Fotograf eine Chance zu bekommen, andererseits gab es Konflikte in seiner Ehe, und er sieht dem Wiedersehen mit gemischten Gefühlen entgegen. Von dem bunten Treiben, dem gesellschaftlichen Leben und nicht zuletzt den beruflichen Möglichkeiten in Bangkok fasziniert, beschließt er zu bleiben. Noch bevor seine Familie nachkommen kann, verliebt er sich in die Siamesin Kesri. Diese sieht jetzt eine erträumte sorgenfreie Zukunft vor sich, wird schwanger und findet sich plötzlich als Dienstbotin von Charlotte wieder. Die Konflikte sind vorprogrammiert: Kesris und Edwards gemeinsame Tochter Anchalee wird geboren, Charlotte kann eine Nebenfrau nicht akzeptieren und will zurück nach England, wobei Edward ihr verbietet, Elisabeth mitzunehmen.

Erst hier beginnt die eigentliche Geschichte: das Heranwachsen der nicht nur äußerlich sehr unterschiedlichen Schwestern Elisabeth und Anchalee, ein durch Irrungen und Missverständnisse zerstörtes Verhältnis und ein verzweifelter Kampf um Liebe und Leidenschaft.

„Das Erbe der Schwestern“ von Caron Eastgate James ist im Nymphenburger Verlag erschienen (ISBN: 3-485-00982-2).


Seebarsch und Süßkartoffeln von Pensri Kiengsiri

Seebarsch und Süßkartoffeln von Pensri Kiengsiri

Eine Liebesgeschichte aus Bangkok erzählt Pensri Kiengsiri in „Seebarsch und Süßkartoffeln“. Die Autorin wurde 1931 im Süden Thailands geboren, lernte als junge Frau Englisch in Malaysia und erwarb in Australien eine Ausbildung zur Physiotherapeutin. Später zog sie mit ihrem Ehemann nach Bangkok. Schon bald entdeckte sie ihr Talent als Schriftstellerin und neben zahlreichen Romanen, Erzählungen und Gedichten auf Thai begann sie 1970, auch auf Englisch zu schreiben. Zudem unterrichtet sie heute die englische Sprache an der Ramkhamhaeng-Universität in Bangkok.

Der vorliegende Roman entführt uns ins Jahr 1979 und hinein ins bunte Treiben auf dem Thonglor-Markt. Der junge Gemüsehändler Paramet hat seinen Marktstand direkt gegenüber der Fischhändlerin Kim-huai, die regelmäßig von ihrer 17-jährigen Tochter Kim-lang bei der Arbeit abgelöst wird. Zwischen den beiden jungen Leuten entwickelt sich eine Romanze, gegen den Willen der Fischhändlerin. Der junge Mann ist zwar gut aussehend, aber nicht standesgemäß. Doch die Verliebten sind erfinderisch und greifen zur List!

Neben einem kulinarischen Schnellkurs auf Thai erhält der Leser Eindrücke über die vielfältige Gesellschaft Thailands und das Leben innerhalb der Familie.

„Seebarsch und Süßkartoffeln“ von Pensri Kiengsiri ist im NordSüd Verlag Zürich erschienen ISBN 978-3-314-01549-6; UVP: EUR (D) 12,80; EUR (A) 13,20; CHF 22,80).


Museumsführer zum Jubiläum der National Museum Volunteers

Museumsführer zum Nationalmuseum in Bangkok/Thailand, hrsg. von den National Museum Volunteers

Die „National Museum Volunteers“ (NMV) haben anlässlich ihres 40. Geburtstages „Inspirations, a guide to our forty favorite pieces“ herausgegeben.

Für den mehrsprachigen Museumsführer – darunter auch Deutsch – wurden 40 Objekte ausgewählt. Erzählt und bebildert wird die Geschichte Thailands, beginnend mit den Keramiken aus Ban Chiang bis hin zu den imposanten Bestattungskutschen aus der Bangkok-Periode. Die Beschreibung der Stücke ist eine Mischung aus Kunstwertschätzung, Geschichte und Erzählung.

„Inspirations“ ist nicht nur ein Begleiter für jeden Besucher des Nationalmuseums, sondern auch ein wertvolles Nachschlagewerk mit einer Zeitachse, kurzen Erläuterungen zu den Zeitspannen und einem Glossar.

Erhältlich ist die Publikation im Buchladen des Nationalmuseums für 700 Baht.


Leises Lächeln von Klaus G. Förg und Warawit Kanithasen

Leises Lächeln von Klaus Förg und Warawit Kanithasen

„Hast du schon Reis gegessen?“ – während in anderen Ländern „guten Tag“ gewünscht wird, ist dies eine gängige Begrüßungsform der ländlichen thailändischen Bevölkerung. Nachzulesen sind gebräuchliche Sätze, Weisheiten und Zitate berühmter Persönlichkeiten in „Leises Lächeln – Thailändische Weisheiten“ von Klaus G. Förg und Dr. Warawit Kanithasen. „Wände haben Ohren, Türen haben Augen“ oder „Junge Äste kann man biegen, schwierig wird es, wenn sie alt sind“ sind nur zwei Volksweisheiten, die mit wunderschönen Fotografien der thailändischen Gesellschaft bebildert sind.

„Leises Lächeln – Thailändische Weisheiten“ von Klaus G. Förg und Dr. Warawit Kanithasen ist im Rosenheimer Verlag erschienen (ISBN: 978-3-475-53920-6). Erhältlich ist das Buch in Europa im Buchfachhandel. In Thailand kann das Werk beim „Buchladen“ auf dem Grundstück der Thai-Deutschen Kulturstiftung erworben werden.

Online-Bestellungen sind möglich unter www.rosenheimer.com.





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