Ausgabe 01/2010

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Asien Kulturfest

Studieren in Thailand

Der mentale Druck wächst
Psychologiestudenten äußern sich zu Gesellschaftsproblemen

Von Birte Bolte

Das Finanzzentrum am Singapore River ist gleichzeitig die Kneipenmeile
Äußern sich zu Problemen in der Gesellschaft: Nipipong Wayo (v.li.), Ari Kliangaksorn und Benyatip Wongbutdee

Schulden, Gewaltopfer, Liebeskummer – die Gründe, einen Psychologen um Rat zu bitten, sind vielschichtig. Dennoch hat diese Berufsgruppe in Thailand einen schweren Stand. Die Befürchtung vieler: Sobald man einen Psychologen aufsucht, „denken Nachbarn, Bekannte und Verwandte, man ist nicht normal“, sagt die 22-jährige Psychologie-Studentin Ari Kliangaksorn. Die Verpflichtung, das Ansehen der Familie zu schützen, ist groß. „Wenn die anderen erfahren, dass man zum Psychologen geht, sagen sie gleich, der Sohn oder die Tochter der Familie ist verrückt.“

Eine Ursache ist die Unkenntnis über die tatsächliche Tätigkeit von Psychologen. „Viele wissen nicht, wer der richtige Ansprechpartner ist. Darum gehen die Menschen zuerst zu Mönchen und zur Vorhersage“, erklärt die 21-jährige Benyatip Wongbutdee, ebenfalls Psychologie-Studentin.

Ein stetig wachsendes Problem ist die jährlich ansteigende Verschuldung. Bei einem Durchschnittseinkommen von weniger als 400 Euro monatlich stand im vergangenen Jahr laut der University of Thai Chamber of Commerce in Bangkok durchschnittlich jeder Haushalt mit 2.700 Euro in der Kreide – im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 360 Euro. Das Geld erhielten die Menschen nicht nur von Kreditinstituten. Jede zehnte Familie lieh es sich bei finanziellen Problemen von Privatleuten. Ausgegeben haben die Betroffenen es laut dieser Statistik für den alltäglichen Bedarf. „Schulden sind ein Hauptproblem, weshalb die Menschen unter Familienstress leiden“, sagt Ari.

Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen, in der Ehe, aber auch zwischen Eltern und Kindern sind weitere Ursachen. Ehefrauen haben Angst, dass ihr Mann eine andere Frau hat, manche Frauen haben Angst, schwanger zu werden, so die Studentin. „In unserem Alter sind es die Liebe und das Studium“, fährt sie fort. Bei vielen fängt der Druck bereits in der Schule an. Schüler leiden oft unter Lernstress. Wenn dann die Beziehungen innerhalb der Familie schlecht sind, ist die Gefahr groß, dass das Kind nicht mehr lernt und anfängt, Drogen zu nehmen. „Es beginnt mit der Zigarette“, sagt Ari und fügt hinzu: „Die Familie ist nicht mehr wie vorher.“ Scheidungen und der Zwang für Schule oder Studium von den Eltern wegzuziehen, erhöhen dieses Risiko laut Amornwich Nakornthap, Vorsitzender der Child Watch Group in Bangkok. Neben schlechten Noten und Drogen hat die Child Watch Group zunehmende Aggressivität festgestellt.

Child Watch und das Narcotics Control Board haben Schüler und Studenten bezüglich Gewalt befragt. Das Ergebnis ist erschreckend: Neun bis zehn Prozent aller Schüler, Auszubildenden und Studenten hatten bereits unter psychischer oder physischer Gewalt zu leiden. Hochgerechnet ergibt das eine Opfern von gleichaltrigen Tätern. „Bezüglich Eltern und Kindern ist es ein Problem, dass die Eltern Regeln diktieren, obwohl die Kinder schon volljährig sind“, sagt Benyatip. Mangelndes Verständnis zwischen Eltern und Kindern ist eine wesentliche Ursache für Streitereien. „Wenn man als Kind oder junger Erwachsener Probleme hat, redet man mit Freunden. Man hat Angst, dass die Eltern das Problem nicht verstehen würden“, ergänzt ihre Kommilitonin. Das bestätigt der 19-jährige English Business-Student Nipipong Wayo: „Ich rede auch nicht mit meinen Eltern über meine Probleme, sondern mit Freunden. Es ist bei allen so.“ Was ist seine größte Sorge? „Dass meine Freundin Benyatip mich verlässt.“





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