„Man muss auch nett sein“
Piya Bhirombhakdi, Inhaber von PB Valley und ehemaliger Chef von Singha, im Interview mit Siam heute
Bevor sich Dr. Piya Bhirombhakdi der Weinherstellung widmete, führte er lange Zeit die Brauerei Boonrawd (Singha) seines Vaters fort. Heute leitet sein jüngerer Bruder die Brauerei. Piya konzentriert sich derweil auf seine eigenen Unternehmen, unter anderem die Fluglinie PB Air und sein Weingut PB Valley. Im Interview äußert er sich unter anderem kritisch zu den Beziehungen zwischen Deutschland und Thailand.
SIAM HEUTE: Ihr Vater hat Sie 1960 nach München geschickt, um wie er zuvor die Kunst des Bierbrauens im Land des Bieres zu erlernen. Was kann man von den Deutschen lernen?
Piya: Fleiß und Disziplin. Die Deutschen sind tüchtig, und das ist wichtig fürs weitere Leben. Ich musste zu Beginn ein sechsmonatiges Praktikum machen, sonst hätte ich kein Zeugnis bekommen. Damals dachte ich, ich will Bier brauen, ich will nicht arbeiten. Stattdessen musste ich alles machen, zum Beispiel 50 Kilogramm schwere Malzsäcke tragen und den Tank schrubben. Ich war ganz klein und manches Mal brauchte ich Hilfe von meinen Kollegen. Doch das Praktikum war unglaublich wichtig. Wenn man viele Leute unter sich hat, braucht man Arbeitserfahrung, sonst ist es schwer.
SIAM HEUTE: Sie verbrachten 13 Jahre in München und Hamburg, reisen auch heute noch regelmäßig nach Deutschland und kennen die Eigenarten der Deutschen. Was können die Deutschen von den Thais lernen?
Piya: Manchmal sollte man nicht nur an die Arbeit denken. Das geht nicht. Man muss Menschenkenntnis besitzen und nett sein. Die Deutschen sind manchmal zu ernst, dabei muss man auch Spaß haben und gelassen bleiben.
SIAM HEUTE: Inwieweit handeln Sie noch mit deutschen Unternehmen?
Piya: Früher hatten wir für unsere Brauerei fast alle Maschinen aus Deutschland importiert. Heute gibt es viel Konkurrenz, und man muss sparen. Deutschland ist meine zweite Heimat, das gilt aber nicht für unsere jüngeren Generationen. Unsere Nachfolger müssen einfach das Beste und Günstigste kaufen. Deutschland war führend bei Abfüllanlagen und Getränkemaschinen, aber die Italiener, Japaner und Amerikaner produzieren inzwischen auch sehr gute Maschinen und Anlagen. Japan hat außerdem den großen Vorteil als asiatisches Land einen erstklassigen Service anzubieten. Hopfen importieren wir allerdings nach wie vor zu 100 Prozent aus Deutschland. Malz kommt zum Teil aus Deutschland, teils aus Australien. Aufgrund geringerer Steuern wegen internationaler Abkommen ist das Malz aus Australien günstiger.
SIAM HEUTE: Wie bewerten Sie die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Thailand?
Piya: In der Vergangenheit waren die Beziehungen besser. Früher sind auch mehr Thais zum Studieren nach Deutschland gegangen. Heute gehen viele nach Neuseeland, Australien, Japan oder in die USA. Deutschland unterstützt die deutsche Bildung nicht genügend. Wenn Deutschland mehr Stipendien für Thais geben oder mehr Arbeitsmöglichkeiten für Thais anbieten würde, wäre das Land attraktiver. Wer in Deutschland studiert, denkt später immer an das Land. Dann möchte man beispielsweise im Bereich Import/Export mit Bezug zu Deutschland tätig werden. Doch heute ist es sehr schwierig für Thais, ein Visum zu bekommen. Thai-Restaurants sind ein Beispiel: Sie brauchen einen thailändischen Koch und im besten Fall auch Thais als Kellner. Der deutsche Staat ist aber sehr streng, darum ist es schwer, die Genehmigungen zu erhalten.
SIAM HEUTE: Was raten Sie jungen Thais, die über ein Auslandsstudium nachdenken?
Piya: Deutschland ist immer noch gut für Technik. Das Problem ist das Visum. Der deutsche Staat verlangt viele Informationen und man muss warten. Selbst ich bekomme manchmal nur ein Visum für ein Jahr, obwohl mein Pass fünf Jahre lang gültig ist und die Leute bei der Botschaft mich kennen. Wir importieren jährlich deutsche Waren im Wert von mehr als 100 Millionen Euro. Andere dagegen bekommen manchmal als Mitarbeiter in der Tourismusbranche ganz schnell ein Visum.
SIAM HEUTE: Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Birte Bolte im Jahr 2009.
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