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„Prostitution hat durch den Tourismus zugenommen“
Siam heute-Interview mit Surin Tipian, Leiter der Thailändischen Tourismusbehörde in Tak
Thailand hat sich vom Agrarland zum weltweit populären Reiseziel entwickelt – eine Entwicklung, die die Gesellschaft gewandelt hat. Surin Tipian (57), Leiter des Büros der thailändischen Tourismusbehörde (TAT) in Tak, stellt im Interview seine Sichtweise bezüglich westlicher Einflüsse und einem Identitätsverlust dar.
SIAM HEUTE: Chiang Mai, Chiang Rai und Sukhothai sind bei Ausländern beliebte Reiseziele im Norden – Ihre Provinz Tak aber nicht…
Surin: Das stimmt. Wir haben derzeit etwa 10.000 ausländische Touristen, aber wir möchten die Anzahl gerne erhöhen. Tak ist aber bei Franzosen, die mit ihrer Familie zum Camping herkommen, beliebt. Die Natur in Tak ist wunderschön. Wir haben Gebirge, Höhlen und Wasserfälle.
SIAM HEUTE: TAT bekommt jährlich ein Budget von 4 Milliarden Baht. Wie bewerten Sie die Arbeit der Tourismusbehörde in Bezug auf die touristisch weniger bekannten Provinzen wie Tak?
Surin: Es kommen regelmäßig neue Marketingkampagnen mit neuen Slogans, die Thailand mehr Touristen bringen sollen. Zuerst „Unseen Thailand“ – „unseen“ gibt es nicht mehr –, jetzt heißt es „Amazing Thailand“. Was den ausländischen Markt angeht, konzentriert sich TAT immer wieder auf die bereits beliebten Urlaubsziele wie Chiang Mai, Phuket und Pattaya. Die anderen Provinzen bekommen weniger Chancen, sich bekannt zu machen.
SIAM HEUTE: Touristen bringen fremde Kulturen nach Thailand. Befürchten Sie negative Einflüsse für Tak im Falle eines Anstiegs an ausländischen Urlaubern?
Surin: Noch haben wir sehr wenig Kontakt mit Ausländern in Tak. Als TAT (Tourism Authority of Thailand) braucht man ausländische Touristen, aber die Einflüsse sind nicht nur positiv, sondern auch negativ. Nachteilig ist, dass die Menschen sich ändern müssen. Sie müssen eine neue Sprache, neue Kulturen lernen, um ausländische Urlauber zu gewinnen. Man verliert langsam seine eigene Identität, beispielsweise verlieren die Menschen in Chiang Mai langsam ihren Dialekt. Nur wenige junge Menschen sprechen ihn noch. Durch den Tourismus hat auch das Geschäft mit der Prostitution zugenommen, beispielsweise in Nana, Patpong, Chiang Mai und Pattaya. Erst kommt die Nachfrage, dann das Angebot. Man macht es, damit die Urlauber hier in Thailand alles haben. Es gibt Touristen, die das brauchen. Wenn es das Prostitutionsgewerbe nicht gibt, kommen auch diese Urlauber nicht mehr. Es ist eines von vielen touristisch gut laufenden Geschäften. Obwohl es nicht schön ist, kann man das nicht verhindern.
SIAM HEUTE: Sind Sie besorgt, dass das thailändische Volk seine eigene Identität verliert?
Surin: Man muss die eigene Kultur und Identität unterstützen. Neben Marketing ist eine wesentliche Aufgabe von TAT, die Kultur zu bewahren. Aber alle – Behörden und Volk – müssen sich gegenseitig unterstützen. Ich bin optimistisch, dass wir die Wahrung unserer Kultur und Identität schaffen. In Tak feiern wir beispielsweise seit mehr als zehn Jahren erfolgreich Loy Krathong [Anm. der Red. das traditionelle Lichterfest im November] im großen Stil. Das Ereignis ist eine Veranstaltung von verschiedenen Behörden, einschließlich TAT. Wir unterstützen so diese alte Kultur. Das hat funktioniert – auch als Marketingmaßnahme. Die Leute interessieren sich für das Fest und kommen.
SIAM HEUTE: Sie stehen bereits Jahrzehnte im Dienst der Tourismusbehörde und kennen das ganze Land und die Menschen, einschließlich deutscher Siedlungen im Isaan. Wie sehen Sie das Zusammenleben zwischen deutsch-thailändischen Paaren?
Surin: In einem deutschen Dorf in Udon Thani ist es schön zu sehen, dass Kinder von thailändisch-deutschen Paaren gemeinsam Klebreis essen und sich auf Thai unterhalten – die Kinder sehen für mich wie Ausländer aus. Aus meiner Sicht passen deutsche Männer und thailändische Frauen sehr gut zusammen. Viele der Deutschen, die ich kennen gelernt habe, mögen eine Hausfrau zur Partnerin – jemand, der kocht, bügelt und putzt. In unserer Gesellschaft ist zu beobachten, dass unsere Frauen noch immer lieber zu Hause bleiben, anstatt arbeiten zu gehen. Ein weiterer Grund für meine These ist, dass Deutsche nicht arrogant erscheinen: Die Deutschen kommen aus einem Industrieland und viele lieben das Leben in Thailands Bauerngesellschaft. Große Familien sind für unsere Gesellschaft charakteristisch und die Menschen helfen sich gegenseitig. Die Deutschen haben dies in ihrer Heimat nicht mehr.
SIAM HEUTE: Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Birte Bolte im Jahr 2010.
© 2010 Siam heute
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