Ausgabe 01/2010

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„Hauptsache man ist nicht kriminell und möchte lernen“
Chumphon Cabana Ressort am Tung Wua Len-Strand in Patiu

Von Birte Bolte

Chumphon Cabana in Patiu/Chumphorn, das Tor zum Süden Thailands

Biodünger, Biodiesel und Biogasanlage gehören zu Varisorns Workshop-Ressort dazu Von Birte Bolte Chumphon. „120 Zimmer, 120 Mitarbeiter und 120 Millionen Baht Schulden“, bringt es Varisorn Rakphan auf den Punkt und lächelt. Vor 13 Jahren hatte der Inhaber des Ressorts Chumphon Cabana am Strand Tung Wua Len 196 Millionen Baht Kredit aufgenommen. Der Grund: Er wollte das Ressort seiner Eltern von anderen Unternehmen möglichst unabhängig gestalten. Kern der Idee war, sich selbst zu helfen. „Die Leute denken hier, wenn ich etwas haben möchte, verdiene ich genug Geld, um es zu kaufen. Doch warum denkt man nicht, wenn ich etwas will, erfinde ich es?“ sagt Varisorn. Sein Projekt sollte den Menschen und der Natur dienen. „Ich habe überlegt, was die Menschen hier besonders gut können, und das ist die Landwirtschaft“, erklärt der 39-Jährige. Somit begann er den Gemüse- und Früchteanbau sowie die Tierhaltung im Ressort. Auch Seife und Shampoo werden aus Pflanzen selbst produziert. „Wir können und wollen aber nicht alles selbst herstellen. Wir suchen auch stets Partner, von denen wir Bioprodukte bekommen können.“

Varisorn ist der Inhaber von Chumporn Cabana

Schon früh erlitt sein Projekt einen Rückschlag: Noch bevor Varisorn die gesamte benötigte Summe von dem Kreditinstitut bekommen hatte, ging dieses im Zuge der asiatischen Wirtschaftskrise 1997 Konkurs. Aufgeben kam für den Südthailänder nie in Frage: „Ich habe mir immer gesagt, dass König Bhumibol stets viel größere Probleme zu lösen hat und er kämpft auch weiter. Das macht einen stärker.“ Und so sollte Unterstützung vom Königshaus die Wende bringen.

Ebenfalls 1997 kam ein Beraterteam des Königs nach Chumphon. „Wir hatten eine Sturmkatastrophe und der Palast schickte Helfer.“ Übernachtet hat die Gruppe im Chumphon Cabana Ressort – doch Varisorn wollte kein Geld, „schließlich kamen sie, um zu helfen.“ Freie Kost und Logis akzeptierte die Königsfamilie nicht und der Ressort-Inhaber wurde entlohnt. Zudem erhielt die Idee dieses Projekts Einzug in Bangkok.

Drei Jahre später kam das erste Fernsehteam an dem Chumphoner Strand. Das umweltfreundliche Projekt, das fast ausschließlich Menschen aus der Gegend beschäftigt, stieß auf Interesse. „Man muss nicht viel können, um hier zu arbeiten“, erklärt Varisorn. „Hauptsache man ist nicht kriminell und möchte lernen. Das reicht schon.“ Auf Expertise verzichtet Varisorn zwangsweise: „Ein paar Jahre lang hatte ich Experten eingestellt, aber das führte zum Streit. Die Zusammenarbeit hat nicht funktioniert.“ Darum setzt er auf Schlichtheit. „Solange es nicht zu kompliziert ist, ein neues Design beispielsweise einfach gehalten ist, kriegen meine Leute das hin.“

In Folge des Fernsehberichts kamen Anfragen aus dem ganzen Land und so begann Varisorn, Workshops abzuhalten. Hauptsächlich kommen Beamte, die Anregungen zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen in ihrer Heimat mitnehmen möchten. Zu lernen gibt es viel: „Inzwischen produzieren wir 15 Prozent unseres Stroms aus einer Biogasanlage. Mehr geht nicht – wir haben nicht genügend Abfälle“, sagt er. Sein Mitarbeiter Damrong Preechachon testet derzeit, wie man die bei Holzverbrennung frei werdende Energie in Gas ummünzt. „Wir verbrennen getrocknetes Holz, Gartenabfälle und Kohle, lassen den Qualm durch ein Sieb laufen und das Gas strömt ins Rohr“, sagt der 52-Jährige. „Unsere Testanlage funktioniert bereits.“ Sogar die Exkremente der Gäste werden recycelt. „Das ist unser internationaler Dünger“, sagt der humorvolle Ressortinhaber – vorher müssen sie aber unter Reisschalen einige Zeit getrocknet werden. Biodiesel wird nach deutscher Anleitung produziert. „Ich habe mir die Informationen aus dem Internet geholt und übersetzen lassen. Für das Ressort-Auto reicht der Biodiesel, leider können wir aber nicht mehr Küchenöl bekommen“, sagt Varisorn. Die Workshops sind es, die das Ressort die harten Zeiten der jetzigen Wirtschaftskrise nicht spüren lassen. „Natürlich kommen weniger ausländische Touristen, dafür kommen in schwierigen Zeiten stets mehr Seminarteilnehmer“, sagt Varisorn.

Als engagierter Mitarbeiter in zwei Umweltstiftungen hofft der Chumphoner auf einen Wandel in der Gesellschaft. Varisorn bedauert, dass der Nachwuchs nur noch den landwirtschaftlichen Anbau mit Chemie lernt. Ebenso bedauert er es, dass die Menschen schnell ihr Land verkaufen. „Ich versuche immer, die Menschen zu überzeugen, ihr Grundstück nicht zu verkaufen, sondern es zu nutzen. Der Wert des Landes bleibt immer. Geld ist schnell ausgegeben“, sagt er. Glaubt er die Entwicklung stoppen zu können? „Nein, Kapitalisten werden immer mehr werden, Bauern werden ihr Land immer verkaufen und in die Stadt ziehen. Große Farmen holen billige Arbeitskräfte“, sagt er nüchtern. „Ich versuche jedoch, diese Entwicklung zu verlangsamen, damit die Menschen lernen, wie sie sich selbst helfen können“, fügt er an. Er selbst wird regelmäßig von Geschäftsleuten aus Bangkok aufgesucht, die ihre „Hilfe“ anbieten und das Ressort kaufen wollen. Er lehnt stets ab. Aber eine Umstrukturierung ist dennoch geplant: „Ich will über die Umweltstiftungen Investoren gewinnen, um alle Schulden tilgen zu können, das Ressort an die Stiftungen übertragen und nur noch als Geschäftsführer tätig bleiben“, sagt er. „Und dann werde ich nie wieder Geld von der Bank leihen“, fügt er an.

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