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Asien Kulturfest

Studieren in Thailand

Koh Kret im Chao Phraya: Töpferkunst der Mon
Die Flussinsel ist bei den ausländischen Touristen noch immer ein Geheimtipp

Von Birte Bolte

Die Mon sind für ihre Töpferkunst bekannt.

Ein Verkehrspolizist in brauner Uniform winkt den Autofahrern zu, sie sollen weiter fahren – zügig, nur nicht noch mehr Stau verursachen. Die Ampel springt wieder auf Rot, der Tachometer fällt von 20 auf 0 Stunden-kilometer. Eine Frau steigt vom Bürgersteig auf die Fahrbahn. Nur ihre schwarzen Augen sind zu sehen. Vor dem Smog soll ein weißer Mundschutz helfen. Ihren Kopf schützt sie vor der Sonne mit einem alten Tuch. Sie verkauft handgearbeiteten Blumenschmuck fürs Auto. Die duftenden weißen zierlichen Blüten, zusammengebunden zu einer Art Kette, bewahren vor Unfällen, so der Aberglaube. Die Ampel schaltet auf Orange, die Frau geht an den Rand der Fahrbahn. Es ist Grün, die Motoren werden lauter, jemand hupt. Mit 20 Stundenkilometern geht es weiter Richtung Innenstadt.

Nur wenige Luftkilometer entfernt: Menschen warten an einer Haltestelle – ein Tempel am Fluss in Nonthaburi, der Nachbarprovinz von Bangkok. Nicht lange, da knattert es auf dem Wasser auch schon heran: Das Linienboot ist ideal, wenn der gewünschte Zielort am oder im Chao Phraya, Bangkoks Fluss, liegt. Gegenüber des Tempels liegt Ko Kret – eine Insel im Chao Phraya, die ursprünglich eine Halbinsel war und erst 1722 durch einen Kanal im Osten vom Festland getrennt wurde.

Die Menschen steigen in das kleine Boot hinab, die eine werden zwangsweise angezogen, der Kapitän sammelt 15 Baht (etwa 35 Cent) pro Fahrgast ein. Es geht los. Das Wasser spritzt. Die kurze Rückenlehne drückt ein wenig ins Kreuz. Links und rechts des Ufers sind die Häuser auf Holzpfählen direkt am Wasser gebaut. Viele Kinder baden. Eine Oma rubbelt ihren kleinen Enkel trocken. Drei Männer sitzen angelnd am Pier. Das Boot macht einen kräftigen Satz nach vorne – ein entgegenkommender Tanker hinterlässt große Wellen im Fluss. Das Boot nähert sich dem großen Pier auf Ko Kret, nur noch drei Schritte und die Hektik der Großstadt ist für ein paar Stunden endgültig vergessen. Es gibt keine Straße für Autos auf Ko Kret. Motorroller dürfen erst ab 17 Uhr durch die kleinen Gassen und Straßen fahren. Etwa 7000 Menschen leben heute auf Ko Kret, weniger als 2000 sind Nachfahren des Volksstammes Mon. Ursprünglich lebten die Mon in Burma.

Wegen der Kriege zwischen Burma und Siam (das heutige Thailand) sind sie viel umhergezogen. Zu Beginn der Bangkok-Dynastie, Ende des 18. Jahrhunderts, kämpften die Mon gegen die Burmesen und verloren ihr Land. Sie sind nach Siam gewandert und haben verschiedene Gebiete zugeteilt bekommen, unter anderem Ko Kret. Noch heute gibt es eine Gruppe der Mon, deren größter Wunsch es ist, das alte Gebiet von Burma zurückzubekommen. „Unser Volk hat sogar einen eigenen Nationalfeiertag Anfang Februar. An diesem Tag treffen wir uns an der Grenze zwischen Thailand und Burma“, erzählt Tripop Jubbang (56), dessen Familie seit mehreren Generationen auf Ko Kret zu Hause ist. Sein Vater Wanchai (84) erinnert sich, wie er als junger Mann wie viele andere Mon den Traum hatte, sein Land zurückzuholen. „Diesen Gedanken habe ich vor langer Zeit aufgegeben“, sagt der Vater.

Die Mon sind bekannt für ihre Töpferkunst. „Dieser Wasserbehälter ist fast 100 Jahre alt“, sagt der jüngere Sohn der Familie, Anuparb Jubbang (46) und zeigt auf einen für ihn unbezahlbaren etwa 50 Zentimeter großen Tonbehälter, der in einer Ecke des nur teilweise überdachten Cafés seiner Familie aufgestellt ist. Am oberen Rand ist der Behälter verziert. „Das gute Stück würde ich nicht einmal für 30.000 Baht (mehr als 600 Euro) verkaufen. Ich selbst habe diese Kunst nicht mehr gelernt, aber mein Vater kann noch töpfern.“ Sein älterer Bruder Tripop erzählt, wie er als Kind dem Vater bei der Arbeit geholfen hat. „Es gab keine elektrische Drehscheibe, also musste ich immer die Töpferscheibe drehen“, sagt er und dreht sich mehrmals um die eigene Achse. „Mir wurde immer richtig schwindlig“, ergänzt er lachend. Erst seit zehn Jahren wurde die schon fast verloren gegangene Kunst wieder lebendig. „Es begann mit der Unterstützung der Regierung. Seitdem kommen die Touristen zu uns und die jüngeren Generationen können hier wieder arbeiten und Geld verdienen”, sagt der jüngere Brüder. Wasserbehälter werden kaum noch hergestellt. Stattdessen werden kleinere Dekorationen oder Teeservices getöpfert.

Während die Handwerkskunst noch gerettet werden konnte, sieht es in Bezug auf die Sprache der Mon düster aus. Der jüngere Bruder holt ein Thai-Mon-Wörterbuch. Eine Gemeinsamkeit ist, dass beide Sprachen fünf Töne haben, erklärt er. Doch das ist auch schon alles. Sogar die Schrift ist anders und weist keinerlei Ähnlichkeit auf. Der große Bruder spricht noch die Sprache der Mon, Tripop sowie seine eigenen Kinder nicht mehr. Thai und Englisch sind auf der Insel gefragt. Aus den Lautsprechern neben dem Kaffeestand am Eingang ertönt „We are the world”, drei westliche Touristen kommen herein und setzen sich auf die Bank direkt am kleinen Kanal. Ein Hahn springt auf einen Nebentisch und zeigt seinen schönen Körper majestätisch, bevor er sich wieder elegant auf den Boden begibt. Zurück auf der Hauptgasse werden links und rechts sämtliche handgemachte Geschenkartikel, Kleidung sowie Snacks angeboten. Eine Fahrradklingel ertönt und schon fährt vorsichtig ein Mädchen vorbei, ihr kleiner Bruder sitzt auf dem Gepäckträger. Touristen können für 40 Baht am Tag (weniger als einen Euro) selbst die Insel radelnd erkunden. Ein paar Meter weiter verkauft eine alte Frau kleine Fläschchen mit grünem Inhalt. Auf Thai sagt sie – die Nöte der Urlauber sehr gut kennend: „Die Creme ist gut gegen Mückenstiche und Sonnenbrand” und in der Tat, ein wenig des grünen Balsams auf die juckenden Stellen aufgetragen, kühlt er sofort und mindert den Juckreiz. Der einzige Nachteil: Die Naturfarbe färbt sehr intensiv – sowohl die Haut als auch die Kleidung.

In einer Halle mit sämtlichen Töpferartikeln sitzt ein Mann bei der Arbeit. Auf der elektrischen Drehscheibe formt er unermüdlich Töpferdeckel. Er ritzt gerade mit dem Messer den Rand eines Deckels. Die herausgeritzten Tonreste landen auf dem Boden. „Ich schaffe an einem Tag 500 dieser Deckel“, sagt der fleißige Mittvierziger, und legt wieder einen fertigen Deckel in seine lange Reihe. Nicht mehr lange und sein heutiger Arbeitstag geht zu Ende. Motoren sind zu hören, es ist kurz vor 17 Uhr. Überpünktlich sind die ersten Motorradtaxis unterwegs und die Menschen auf den kleinen Gassen müssen immer wieder zur Seite treten. Ein typischer Tag auf Ko Kret, bestimmt vom Tourismus, neigt sich dem Ende zu. Für zwei Baht pro Person fahren die Nicht-Einheimischen – Touristen, aber auch Händler, die die Tonwaren auf der anderen Seite des Flusses verkaufen – zurück zum Pier Wat Sanam Nua – zurück in die Großstadt, zurück zum Verkehrslärm, Smog und Stau.


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