Ausgabe 01/2010

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Asien Kulturfest

Studieren in Thailand

Touristen statt Gefangene
Koh Tao ist die Nummer eins bei Tauchern

Von Birte Bolte


Von Koh Taos Sairee Beach aus lassen sich wunderschöne Sonnenuntergänge beobachten.

Eine ehemalige Gefängnisinsel erlebt seit zehn Jahren aufgrund des Tourismus einen ungeahnten Aufschwung: Koh Tao, eine Paradiesinsel im Golf von Siam, die ihren Namen der früher zahlreich dort lebenden Meeresschildkröten (auf Thai: Tao) verdankt. „Die meisten Einheimischen sind durch Landverpachtung, Landverkauf oder das Tourismusgeschäft reich geworden“, sagt Vijite Srisung (61), Vorsitzender des Taucher- und Tourismusvereins auf Koh Tao.

Dabei begann die Besiedelung der Insel traurig. 1932 gab König Rama VII auf Wunsch einer Gruppe im Ausland studierter Thais seine Macht an das Volk ab. Aus der absoluten Monarchie wurde auf dem Papier eine parlamentarische Demokratie. In der Praxis entwickelte sich recht schnell eine Diktatur. Die Mächtigen verbannten Straftäter und politische Gegner in den 30er- und 40er-Jahren auf einsame Inseln, darunter Koh Tao im Osten des Landes und Koh Tarutao in der westlich von Thailand gelegenen Andamansee. Insbesondere Koh Tao galt als ideal, da die unbewohnte Insel von Haien umgeben war. „Ein prominenter politischer Gefangener auf beiden Inseln war Sor Settabut. Er schrieb das erste Englisch-Thai-Wörterbuch“, sagt der Tourismusvereinsvorsitzende. Der zweite Weltkrieg und das thailändisch-japanische Kriegsbündnis waren der Grund, weshalb die Gefangenen, darunter Sor Settabut, 1942 von der bis dahin geheimen Gefängnisinsel Tarutao auf die andere Seite des Landes nach Koh Tao umgesiedelt wurden. Die britische Besatzungsmacht in Birma war der thailändischen Regierung zu nah nach dem brisanten Vertrag mit dem Gegner der Alliierten.

Koh Nangyuan liegt direkt vor Koh Tao
Koh Nangyuan lädt mit seinen Fischschwärmen geradezu zum Schnorcheln ein.

Koh Taos Zeit als Gefängnisinsel endete 1947 mit der Begnadigung aller Gefangenen, und wieder war die Insel verlassen. „Erst vor etwa 30 Jahren siedelten sich Zivilisten an. Sie lebten vom Fischfang und dem Anbau von Kokosnüssen, was auf der bergigen Insel schwierig war“, sagt Vijite. Ebenso problematisch sei der Verkauf gewesen. „Alle paar Monate kam ein Boot vorbei, somit mussten die Menschen alle Fische und Früchte trocknen, um sie überhaupt noch verkaufen zu können“, erklärt der Südthailänder.

Der mühseligen Arbeit geht seit dem starken Tourismus kaum einer der etwa 800 Einheimischen mehr nach. Stattdessen verdienen sich während der Hochsaison mehr als 500 Tagelöhner aus dem ganzen Land und Birma ihren Lebensunterhalt.

Insbesondere bei Tauchern ist die Insel beliebt. Weltweit war Koh Tao im vergangenen Jahr die Nummer eins, was das Ausstellen von PADI-Tauch-Zertifikaten betrifft. PADI ist eine international operierende Taucherorganisation. „Etwa 50.000 bestandene Prüfungen wurden in Koh Taos Tauchgebieten abgelegt – so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt“, sagt der Taucher- und Tourismusvereinspräsident.
Was macht Koh Tao so populär? „Die niedrigen Kosten und der kurze Weg zu den Korallengebieten“, sagt Vijite. „Wer hierher kommt zum Tauchen, braucht nur fünf bis zehn Minuten mit dem Boot rauszufahren. Andernorts müssen die Taucher auf dem Schiff übernachten, weil der Weg vom Land so weit ist.“ Im Vergleich zu den Malediven, wo die Korallenriffe sich ebenfalls nah an der Insel befinden, sieht Vijite Koh Taos Vorteil eindeutig im Nachtleben. „Abends haben die Besucher viele Möglichkeiten auszugehen.“
Nach Angaben der thailändischen Tourismusbehörde kommen jährlich 100.000 Gäste nach Koh Tao. „Wenn wir jedoch gucken, wie viele täglich per Schiff auf die Insel kommen, sind es eher doppelt so viele, wie offiziell angegeben wird“, sagt Vijite.

80 Prozent der Touristen sind Rucksacktouristen. Die Kosten für die Tauchkurse sowie für die Unterkunft sind sehr niedrig. Insbesondere am Sairee Strand im Westen der Insel sind etliche Holzbungalows pro Nacht für etwa 500 Baht (zehn Euro) zu haben. Schnuppertauchkurse kosten etwa 3000 Baht (60 Euro), der Preis für Anfängerkurse fürs Tauchen im offenen Meer mit PADI-Zertifikat beträgt etwa 10.000 Baht (200 Euro).

Vijite zieht den Vergleich mit Kho Phi Phi in der Andamanseeinsel. Wie auf Koh Tao kennen sich dort auch alle Inselbewohner untereinander, die Strände begeistern ebenso durch ihre Schönheit. Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied. „Die Preise auf Koh Phi Phi sind um einiges höher“, sagt Vijite. Er schätzt die Anzahl der Rucksacktouristen auf der Insel in der Andamansee auf 30 bis 40 Prozent aller Besucher.

Wer Koh Tao besucht, sollte unbedingt einen Ausflug auf die kleine Insel vor Koh Tao machen: Koh Nangyuan ist perfekt zum Schnorcheln geeignet. Wassertaxifahrer nehmen zwischen 150 und 200 Baht (3 bis 4 Euro) pro Person fürs Hinbringen und Abholen. Während jedoch vor einigen Jahren etliche bunte Fischschwarme zu sehen waren, dominieren heute inzwischen einige wenige größere Fischarten.

Nicht nur Koh Tao erlebt derzeit einen Boom, auch die Nachbarinsel Koh Phangan verzeichnet laut Vijite seit zwei Jahren stark ansteigende Touristenzahlen. Berühmt wurde die Insel durch ihre Vollmondpartys. Tausende Besucher feiern die monatliche Party im Süden der Insel, am Strand von Haad Rin. Dabei steckt die wahre Schönheit Koh Phangans in der Natur. Die Insel hat schöne Wälder und Wasserfälle zu bieten. Trotz des Rufes als Partyinsel bietet Koh Phangan aufgrund ihrer Größe zahlreiche Rückzugsmöglichkeiten zum Entspannen. Im Gegensatz zu Koh Tao ist es auf Koh Phangan eher unwahrscheinlich, dass sich dieselben Menschen über den Weg laufen. „Aufgrund der Größe ist das Leben auf Koh Phangan anonymer“, sagt Vijite. Als Inseltipp empfiehlt er Besuchern von Koh Pangnan, eine Unterkunft im Osten zu suchen. „Dort sind die Strände schöner.“

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