Ausgabe 01/2010

Siam heute_2009/01_Januar bis Maerz 2552
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Asien Kulturfest

Studieren in Thailand

Kostenloses Trinkwasser vor dem Haus
Einblicke in die burmesische Stadt Myawaddy

Von Birte Bolte

Pagode in Myawaddy. Myanmar

Burma – eines der isoliertesten und ärmsten Länder der Welt. Einblicke in den Alltag eines Großteils der Bevölkerung zu gewinnen, ist nur bei einer sehr hohen Risikobereitschaft möglich. Ein eintägiger Besuch des für burmesische Verhältnisse sehr wohlhabenden Myawaddy steht Touristen dagegen offen.  

Der Ort nahe dem Grenzübergang zum thailändischen Mae Moei City bei Mae Sot wird von dem Bergvolk Gariang bevölkert. Der Vielvölkerstaat „Union of Myanmar“, so Burmas offizieller Name, beheimatet 135 verschiedene ethnische Gruppen. Viele werden unterdrückt und bekommen keine burmesische Staatsangehörigkeit – eine Verdammung zur Staatenlosigkeit, die einen legalen Grenzübertritt unmöglich macht.

Die Gariang in Myanwaddy haben vom burmesischen Militär keine Drangsalierungen zu befürchten. „Myawaddy liegt als Handelsort strategisch günstig. Von hier wird die ehemalige Hauptstadt Yangon (Anm. der Red.: auch Rangoon genannt) mit Waren aus Thailand beliefert“, sagt der thailändische Reiseleiter Apidet. Aus diesem Grund habe das Volk einen guten Vertrag mit der militärischen Zentralregierung abschließen können.

In der Tat scheinen die Menschen keine Verbrechen zu befürchten. Der Geldwechselschalter ist ein einfacher Holztisch, der mit nur einem Mann Personal direkt an der Straße steht. „Der braucht keine Angst haben, überfallen zu werden. Der Dieb würde bereits am nächsten Tag von der Gariang-Armee erschossen werden“, erklärt Apidet. Drastische Maßnahmen scheinen zu helfen. Aber anstatt eingeschüchterten Menschen zu begegnen, blicken einem überall freundliche Gesichter entgegen. Die gestikulierend geäußerte Frage nach einer Toilette in einer Tempelanlage beantwortet eine Nonne prompt mit dem Überreichen eines Schlüssels. Vor jedem Haus steht ein Wasserbehälter aus Ton samt Trinkbecher – kostenfrei für jeden, der Durst hat. Bettler, wie auf thailändischer Seite des Grenzüberganges, gibt es keine. Ein Novize erlaubt nicht nur das Ablichten seines Konterfeis, sondern nimmt einen anschließend bei der Hand. Mit seinem Schlüssel schließt er die Tür zum Treppenaufgang zur Pagode des Dschaorongdji Tempels auf und führt einen hinauf.

Mehrere Tempelanlagen befinden sich um Myawaddy. „Sie sind die Vergnügungszentren in Burma, da es keine Alternativen wie Einkaufszentren gibt“, sagt der Reiseleiter. Aus diesem Grund werden auch nur erfreuliche Veranstaltungen im Tempel abgehalten. „Beerdigungszeremonien finden hier nicht statt.“

Die älteste Tempelanlage heißt Suay Min Bun. Sie wurde vor mehr als 500 Jahren errichtet. Ein auffallendes Merkmal der Buddha-Statue ist das Gesicht – eigens dafür wurde besonders helles Blattgold verwendet. Die Menschen in Burma legen insbesondere auf die Gesichtspflege und eine möglichst helle Gesichtsfarbe viel Wert.

Politisch sind die derzeitigen Beziehungen zwischen Burma und Thailand abgekühlt. Von keiner Seite scheint Interesse an einer Veränderung vorhanden zu sein. Das letzte große gemeinsame Projekt kam unter dem ehemaligen Premierminister Thaksin Shinawatra zustande. Er ließ auf thailändische Kosten eine 18 Kilometer lange Straße auf burmesischer Seite bauen, um den Handel weiter auszubauen – 70 bis 80 Prozent der Alltagswaren in Burma stammen aus Thailand. Das Ziel der damaligen Regierung war es, die Nachbarländer zu ermutigen, eine Handelsstrecke zwischen Pakistan und Vietnam mit Thailand als Zentrum zu errichten. Ein Traum ohne Hoffnung auf Erfüllung?  


Reisehinweis für den Grenzübergang in Mae Moei City (bei Mae Sot):
Thailänder können mit ihrer ID-Karte (= Personalausweis) die Grenze überqueren. Sie müssen spätestens vor 18 Uhr wieder zurück sein, da der Grenzübergang dann geschlossen wird. Nicht-Thailänder benötigen ihren Reisepass zum Passieren der Grenze. Da dieser abgegeben werden muss, müssen Nicht-Thailänder bereits vor 17.30 Uhr zurück sein – an anderen Grenzübergängen, wie beispielsweise nahe Chiang Rai, können die Grenzschließungen früher erfolgen. Bitte genauestens auf die Uhrzeiten achten!

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