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Industrie bleibt Wirtschaftsmotor
Vom Tourismus kann Malaysias Insel Penang nicht leben
Von Birte Bolte
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Im Nordwesten Malaysias liegt die vielleicht bekannteste Insel von Thailands südlichem Nachbarn – Penang. Für Meeresliebhaber empfiehlt sich Batu Ferringhi – tagsüber sind die Strände im Norden der Insel einsam und verlassen, doch abends lockt der populäre Nachtmarkt die Touristen aus ihren Zimmern.
Historiker dürften ihre Freude an Georgetown haben. 2008 erklärte die UNESCO die alte britische Kolonialstadt zum Weltkulturerbe. Zahlreiche Bauten im historischen Zentrum – manche saniert, andere verfallen – erinnern an die Vorherrschaft der Briten, die inoffiziell bereits 1786 begann. Captain Francis Light von der British East India Company versprach dem Sultan militärischen Schutz für seine Provinzen. Doch als im Jahre 1790 Siam in Kedah einfiel, versagte die British East India Company bei ihrer militärischen Verpflichtung. Der Sultan verlor Kedah an Siam und bekam auch Penang nicht zurück, und so endete die fremde Vorherrschaft endgültig erst mit der Unabhängigkeit Malaysias im Jahre 1957.
Sehenswerte Erinnerung an die Kolonialzeit ist der Victoria Clocktower: 1897 wurde zu Ehren von Königin Victorias diamantenem Kronjubiläum – wie vielerorts im damaligen britischen Weltreich – ein Glockenturm errichtet.
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Doch trotz historischer und moderner Sehenswürdigkeiten – wie die 13,5 Kilometer lange Penang Bridge – war der Tourismus nie die Haupteinnahmequelle Penangs.
Bis zur Unabhängigkeit Singapurs 1965 bildete der Handel im chinesisch dominierten Penang das wesentliche Geschäft. Doch mit Singapurs gewonnener Macht wuchs die Stärke von dessen Hafen. Penang wie auch der Hafen von Melaka verloren zunehmend an Bedeutung.
Ausländische Investoren sollten das Problem lösen: 1972 wurde Penang die erste Freihandelszone des Landes. Ausländische Firmen waren somit von der Steuer befreit. Zunächst kamen verstärkt US-amerikanische Firmen auf die Insel.
Dank eines Abkommens zwischen Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland, den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Japan im Jahre 1985 folgten japanische Investoren: Die G5-Länder waren sich in Bezug auf die bestehende Überbewertung des Dollars zum Yen und zu der D-Mark einig, weshalb die fünf Mächte im New Yorker Plaza Hotel Gegenmaßnahmen vereinbarten. Mit dem erstarkten Yen investierten dann verstärkt japanische Elektronik-Firmen im Billiglohnland Malaysia.
1990 waren nach Angaben der Wissenschaftler Niels Fold und Arne Wangel 55 Prozent aller Arbeiter Penangs in Elektronik-Fabriken tätig. Der Bedarf überstieg sogar das Angebot. Ein Arbeitskräftemangel in den 1990er-Jahren führte zu einem Anstieg ausländischer Arbeitskräfte, überwiegend aus Indonesien und Indien.
Heute ist Penangs Wirtschaft die drittwichtigste Malaysias. 46 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Penangs stammt aus den Fabriken. Doch auch die Krise macht nicht Halt vor der Inselindustrie. Die Malaysische Amerikanische Elektroindustrie rechnet mit einer Reduzierung der Arbeitsplätze um 3.000 auf etwa 53.300 im Vergleich zum Vorjahr. Allein auf Penang haben in der ersten Jahreshälfte 1.000 Fabrikarbeiter ihren Job verloren, was sich schon seit Juli rächt: Einer gestiegenen Auftragslage steht ein Mangel an Arbeitern gegenüber. Inselbewohner möchten nicht für nur 500 bis 600 Ringit (100 bis 120 Euro) im Monat arbeiten und bevorzugen das besser bezahlte staatliche Trainingsprogramm, berichtete die malaysische Zeitung „The Star“.
Nach Ablauf der bezahlten Trainingsprogramme wird den Bewohnern wahrscheinlich jedoch nichts anderes übrig bleiben als zurück ans Fließband zu gehen. Große Immobilienprojekte einschließlich Luxusvillen und Hotels übersteigen bei Weitem die bisherige Nachfrage und könnten einen gegenteiligen Effekt haben. „Hier wurde schon viel zerstört“, lautet das Fazit einer jährlich nach Penang reisenden Holländerin, die sich schon vor 30 Jahren in die Insel verliebt hat. |
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