Ausgabe 01/2010

Kulturmagazin Siam heute Ausgabe 01/2010
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Asien Kulturfest

Studieren in Thailand

Entführung vor der Hochzeit
Das Bergvolk Lisu bewahrt seine Tradition und kämpft mit modernen Problemen

Von Birte Bolte

Die Lisu leben nahe Chiang Mai, im Norden Thailands.

Menschen mit Kultur – das bedeutet der Name des Bergvolkes Lisu. Vor ungefähr 90 Jahren sind einige Lisu aus China und Tibet nach Nordthailand eingewandert. Heute leben etwa 30.000 der weltweit halben Million Lisu im thailändischem Gebirge. Sie leben unter sich, zelebrieren ihre traditionellen Feste und sprechen ihre eigene Sprache.

„Die Lisu sind sehr stolz auf ihre Kultur“, sagt Rachet Wapeetha vom Unternehmen East West Siam, das Projekte zur Förderung des ökologischen Tourismus durchführt. „Aber inzwischen haben die Lisu das thailändische Schulsystem und das Erlernen der Sprache Thai akzeptiert, so dass wir schon einige Dolmetscher in unserem Dorf haben“, so der Projektentwicklungsleiter Rachet, der unter anderem für das Resort Lisu Lodge zuständig ist.

Die Lisu stehen anderen Kulturen erst einmal offen gegenüber. Sie gelten als tolerant, überprüfen aber zunächst, ob Einflüsse der anderen Kultur Vorteile bringen. Als positiv bewertet wurde der buddhistische Einfluss. „Wir Lisu glauben an die Kraft von Geistern. Der thailändische Buddhismus beinhaltet ebenso abergläubische Elemente, somit schließen sich unser Glaube und der Buddhismus nicht aus“, sagt der Niya des Lisu-Dorfes bei Lisu Lodge. Ein Niya ist der medizinische Leiter im Lisu-Dorf. Seine Aufgabe ist es, Menschen zu heilen. Laut des Glaubens der Lisu kann der Niya Kontakt zu den Seelen der Vorfahren aufnehmen und so seine Kraft zum Heilen beziehen. Der Schamane wird von den Einwohnern gewählt. In Frage kommen diejenigen, die bereits zuvor durch ihr Verhalten aufgefallen sind. Gewählt wird nach der Zeremonie derjenige, bei dem die Menschen glauben, dass er den engsten Kontakt zu den Seelen aufbauen konnte. „Niya zu sein ist nicht mein Beruf“, sagt der Ende 40-Jährige. Er nimmt lediglich 30 Baht (60 Cent) pro Behandlung. „Das benötige ich, um Kräuter, Duftkerzen und heilige Seile für die zeremonielle Behandlung kaufen zu können.“ Seine Aufgabe ist es, den Verstand des Patienten und somit seine Kraft zu stärken. „Ich kann nicht alles heilen“, weiß der Niya. „Bei Krebs müssen die Menschen ins Krankenhaus“, nennt er ein Beispiel für das Ende seiner Macht. Fiebrige Krankheiten dagegen kann er erfolgreich bekämpfen.

Der Lahu Outpost bieten einen fantastischen Sonnenuntergang

Eine Zeremonie der Freude ist dagegen die Hochzeit. Bevor jedoch der glücklichste Tag des Paares gefeiert werden kann, wird die Auserwählte für eine Woche vom Freund entführt. Ein Vertrauter des Paares hält während dieser Zeit ständig Kontakt zur Familie der Braut und berichtet dem Liebespaar, wie die Entführung aufgenommen wurde. Entsenden die möglichen Schwiegereltern positive Signale, steht der Hochzeit nichts mehr im Wege. Reagieren sie empört, ist eine Heirat ausgeschlossen. „Die Frau wird immer pünktlich zurückgebracht, auch wenn ihre Eltern den Freund nicht akzeptieren“, sagt Rachet. Haben die Verliebten auch schon einmal entgegen des Willens ihrer Eltern geheiratet? „Ja“, bestätigt der Projektleiter, fügt aber an, dass diese Ehen auch aufgrund des sozialen Umfeldes kaum eine Chance haben.

Trotz des eigenen Lebens können sich auch die Lisu nicht gänzlich von den Zwängen der thailändischen Gesellschaft und damit den Kosten lösen. „Die Lisu möchten in ihrem Dorf bleiben, hier gibt es aber kaum Verdienstmöglichkeiten“, benennt Rachet ein Problem. Erschwerend hinzu kommt die Umweltzerstörung. Viele Wälder und somit ein wichtiger Teil des Lebensraums der Lisu sind zerstört. „Ein Land kann nur dann langfristig Touristen gewinnen, wenn die Kultur und die Umwelt bewahrt werden“, sagt Rachet. East West Siam geht es um ökologischen Tourismus. Aus diesem Grund hat das Unternehmen gemeinsam mit den Lisu, der Green World Foundation, der thailändischen Tourismusbehörde und Umweltexperten die Himmapaan-Stiftung ins Leben gerufen. „Gemeinsam sind wir dabei, die Wälder in der Region wieder aufzuforsten und die ursprünglich vorhandenen Pflanzen wieder anzupflanzen“, erklärt Rachet. Durch Projekte dieser Art haben die Lisu hoffentlich noch eine lange Zukunft in ihrer noch relativ jungen Heimat Thailand vor sich.

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