Sie sind Thai, sie sind Buddhisten und sie bilden eine Minderheit in Thailand – die Phu Thai Dam. Die Menschen des kleinen Volksstammes haben eine eigene Kultur mit eigener Sprache. Sie gehören zu den Phu Thai und leben im Nordosten Thailands. Ursprünglich stammen sie überwiegend aus Laos und Vietnam.
„Meine Vorfahren sind aus Vietnam wegen des Krieges gegen Frankreich 2431 (1888 nach christlicher Zeitrechnung) ausge-wandert“, erzählt Chaleai Suwannatrai (68). Ein Jahr zuvor erklärte Frankreich Vietnam offiziell als Teil von Französisch Indochina. Auch Anong Uphanns Wurzeln stammen aus Vietnam. Die 65-jährige Nonne lebt im gleichen Dorf wie Chaleai. „Unser Volk, die Phu Thai Dam, leben in der Nähe des Flusses Mekong“, erklärt die gläubige Frau. „In unserem Dorf in der Provinz Mukdahan wohnen etwa 2.000 Phu Thai.“
Die Phu Thai Dam feiern ihre eigenen Zeremonien, wie zum Beispiel „Rampifa“. „Pifa“ bedeutet „gute Seele“. „Bei dieser Zeremonie versucht ein Schamane, der zu dieser guten Seele Kontakt hat, kranke Menschen zu heilen“, erklärt Chaleai den Aberglauben. Eine Zeremonie für ein langes Leben ist „Yao“. „Menschen, die einen besonders starken Glauben haben, beten bei dieser Zeremonie zu Geistern des Lebens. Diese Zeremonie-Leiter sind aber keine Mönche“, betont der Phu Thai Dam. Keine abergläubische Zeremonien, sondern kulturelle Elemente bei Festlichkeiten sind der Ramphuthai-Tanz, der zur Begrüßung der Gäste bei Feierlichkeiten vorgetragen wird und das Tragen von Trachten. Chaleai beschreibt die Roben folgendermaßen: „Unsere Kostüme sind schwarz mit roten Streifen an den Hemdsärmeln auf Höhe des Handgelenks sowie bei den Röcken auf Höhe der unteren Wade.“
Die Hochzeitsfeierlichkeiten der Phu Thai Dam ähneln den thailändischer Zeremonien. Ein wesentlicher Unterschied ist allerdings das Fehlen von Wasser als Glücksbringer. Während bei einer thailändisch-buddhistischen Zeremonie die Gäste dem Paar etwas Wasser auf die Hände tröpfeln, erhält das Brautpaar bei den Phu Thai ein Glück bringendes Armband. Übergeben wird es von den Paten des Paares: Am Tag der Hochzeit bestimmen die Eltern des Bräutigams, wer Pate und Patin werden soll. Ihre Aufgabe ist es, dem Paar von Beginn an bei Eheproblemen zu helfen. „Manchmal wählt die Braut selbst, wer diese Rolle übernehmen soll“, erklärt Chaleai.
Die Kultur der Phu Thai Dam ist Jahrhunderte alt. Doch der Zukunft sieht der alte Mann traurig entgegen: „Wir werden unsere Kultur verlieren.“ Als ein Indiz sieht er den schleichenden Verlust der Sprache: „Die meisten jungen Leute reden untereinander nur Thai. Sie können Phu Thai verstehen und sprechen, wollen es aber immer weniger. So werden wir die Sprache verlieren, zumal unsere Sprache keine Schriftzeichen hat. Außerdem kennen immer weniger Phu Thai die Abläufe der Zeremonien“, kritisiert er. „Die jungen Menschen lassen sich von den Stadtmenschen und der Technologie stark beeinflussen. Für sie scheint unsere eigene Identität immer unwichtiger zu werden“, bedauert der alte Mann. „Aber heutzutage nimmt immer noch das ganze Dorf an den Feierlichkeiten teil“, betont Anong.