|
|
Vietnam: Vom Handel bis zum Krieg
Nach dem Leid entwickeln sich Zentral- und Südvietnam zu beliebten Reisezielen
Von Birte Bolte

Am Saigon Fluss gelegen befindet sich
das in den 1920er-Jahren errichtete
Hotel Majestic. |
Hue/Hoi An/Ho Chi Minh Stadt. Aufgrund des Vietnam-Krieges ist in Bezug auf das südostasiatische Land vielfach nur die Rede von Nord und Süd – von Hanoi als Hauptstadt und Ho Chi Minh City (ehemals Saigon) als größte Metropole. Die Mitte des Landes findet weitaus weniger Beachtung. Dabei ist Zentral-Vietnam historisch und touristisch attraktiv.
Die chinesisch geprägte Stadt Hoi An hat sich in den letzten zehn Jahren zum wahren Geheimtipp entwickelt. Nur eine halbe Stunde Fahrzeit vom Flughafen DaNang entfernt finden immer mehr Reisende den Weg in die 80.000 Einwohner umfassende Kleinstadt. „Hoi An ist schöner als das Old Quarter in Hanoi“, schwärmt die Hanoier Reiseleiterin Chan Nguyen (20). Der Grund für Hoi Ans Attraktivität: historische Bauten wie alte Handelshäuser und die japanische Brücke sowie die Gassen in einem verkehrsberuhigten Bereich.
Schon im 15. Jahrhundert steuerten japanische und chinesische Händler regelmäßig Hoi Ans Hafen für Geschäfte an. Im 16. und 17. Jahrhundert folgten europäische Geschäftsleute und Missionare. „Einige Häuser stammen noch aus dem 17. Jahrhundert. Doch viele wurden später nach altem Vorbild wieder aufgebaut“, sagt Reiseleiter Chiem Cau Nguyen (31), der trotz Namensgleichheit nicht mit seiner Hanoier Kollegin verwandt
ist. „Es gibt fünf bis sechs große Familiennamen in Vietnam“, so die Kollegin Chan Nguyen.
Das subtropische Klima und der Krieg zerstörten einen Großteil von Hoi An. Widerstandskämpfer versammelten sich in der traditionsreichen Handelsstadt, woraufhin die US-Amerikaner den Ort 1965 als Stützpunkt wählten. Der Krieg machte so auch vor Hoi An nicht Halt und nur zehn Jahre später war Hoi An fast völlig zerstört.
Dass Hoi An heute ein Touristenort ist, verdankt die Stadt neben dem eigenen Einsatz durch hohe Investitionen auch der UNESCO. „1999 wurde Hoi An zum Weltkulturerbe erklärt. Seitdem haben wir viel mehr Touristen, auch wenn die Stadt vorher schon zahlreiche Besucher hatte“, sagt Reiseleiter Chiem Cau Nguyen.
Neben den Bauten profitiert die Stadt touristisch von ihrer Natur: Idyllisch am Fluss Thu Bon gelegen, versprüht der Ort eine ganz eigene Atmosphäre. Für die Anwohner entwickelt sich aber eben jene Idylle in der Taifun-Zeit zum Albtraum. „Jedes Jahr im September und Oktober haben wir Hochwasser“, so Chiem Cau. Im Oktober des vergangenen Jahres war es besonders schlimm. Der Fluss Thu Bon überflutete aufgrund des Taifuns Ketsana die ganze Altstadt. Vielerorts stand das Wasser fast drei Meter hoch. Erinnerungen an die verheerende Flutkatastrophe aus dem Jahre 1999 wurden wach. Mehr als 100 Menschen starben damals in Hoi An und Da Nang.

Bis zum Beginn der chinesischen Lampenschirme reichte das Hochwasser im September und Oktober 2009. MEHR |
Aufgrund des Gebirges blieb Hue, die letzte Königsstadt Vietnams, von den Fluten verschont. Sie befindet sich drei Stunden Fahrzeit mit dem Bus von Hoi An entfernt. Zukünftiges Herzstück des historischen Stadtteils ist die Zitadelle mit der daneben befindlichen Purpurnen Verbotenen Stadt (Königsstadt). Aufgrund der Tet-Offensive des Vietcongs 1968 wurden die meisten historischen Bauten zerstört. Einen Monat dauerte die Schlacht um Hue an. „Die Regierung will hier alles wieder aufbauen und restaurieren“, sagt Reiseleiter Dang. „Neben Steuergeldern werden ein Teil des Eintrittsgelds sowie Gelder von der UNESCO dafür verwendet.“ Der vietnamesische Reiseleiter äußert Bedenken, dass es schnell voran geht: „Seit fünf Jahren wird gebaut und man sieht kaum einen Fortschritt.“ Korruption, ein großes Problem in Vietnam, nennt er als Hauptgrund. So ist Korruption auch der Grund, weshalb Sandraub aus dem Huong Giang, auch Parfümfluss genannt, geduldet wird.
Neben der Zitadelle sind die Gräber vergangener Könige sehenswert. Elf Ruhestätten der 13 Herrscher der Nguyen-Dynastie befinden sich bei Hue. Während die Gräber des zweiten und vierten Königs, König Tu Duc und König Minh Mang, im chinesischen Stil erbaut wurden, lässt das Grab des zwölften Königs deutlich europäische Einflüsse erkennen. „König Khai Dinh beschäftigte sich lieber mit Schminken. Macht hatte er aufgrund der französischen Kolonial-Herrschaft keine“, sagt Reiseleiter Dang. Beim Volk unbeliebt war er aber in erster Linie aufgrund der Steuererhöhung um 30 Prozent, die er für den Bau seiner Grabstätte nutzte, so der vietnamesische Tour Guide. Offiziell abgeschafft wurde die Monarchie 1945 mit der Gründung Nordvietnams durch die Viet Minh, der Unabhängigkeitsbewegung von Ho Chi Minh.
Die Notre Dame Kathedrale in Ho Chi Minh Stadt (ehemals Saigon). |
Ihm zu Ehren wurde Saigon mit der Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam 1976 in Ho Chi Minh City umbenannt. Heute ist Ho Chi Minh City mit ihren sieben Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes. Der Verkehr nimmt jährlich zu. „Hier gibt es inzwischen mehr als vier Millionen Roller und 400.000 Autos“, sagt Reiseleiter Tam. Während Vietnams Hauptstadt Hanoi aufgrund historischer Bauten und zahlreichen Straßenhändlern, die zu Fuß unterwegs sind, konservativ wirkt, versprüht Ho Chi Minh City mit modernsten Gebäuden neben französischen Bauten wie der Notre Dame Kathedrale oder dem Hotel Majestic einen ganz anderen Charme. Doch auch hier wird der Fortschritt die Spuren des Krieges nicht völlig beseitigen. Bekanntestes Zeugnis sind die Cu Chi Tunnel: Ein knapp 50 Meter langer Tunnel, den Befreiungskämpfer 1948 im Krieg gegen die Franzosen bauten, wurde in den 1960er-Jahren in ein komplexes Tunnelsystem auf eine Strecke von 200 Kilometern von nordvietnamesischen Partisanen erweitert. Es entstanden Lazarette, Schulen und Schlafplätze. 1966 entdeckten US-Truppen die Tunnel und setzten Napalmbomben und chemische Waffen ein. Zahlreiche Kämpfer und Zivilisten aus den umliegenden Dörfern starben. Während die Operation Frequent Wind beim Einmarsch des Vietcongs noch 2.000 Flüchtlinge vom Dach der amerikanischen Botschaft in Saigon retten konnten, blieben zahlreiche südvietnamesische Zivilisten der kommunistischen Armee überlassen. Auf überfüllten Schiffen konnten sich 120.000 Menschen, die den Beinamen „Boatpeople“ erhielten, retten.
Heute ermöglicht der Frieden und die Öffnung des Landes nicht nur Heimatbesuche für ehemalig politisch verfolgte Südvietnamesen, sondern ebenso zusätzliche Einnahmen durch wachsenden Tourismus.
REISETIPP:
Es empfiehlt sich für Vietnam eine Vietnam-Rundreise oder Einzelbausteine bei einem lokalen Reiseveranstalter zu buchen. Siam heute kann aus eigener Erfahrung den Service von HopvietTravel, einem Anbieter aus Hanoi, sehr empfehlen.
|
|

|