Ausgabe 01/2010

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Asien Kulturfest

Studieren in Thailand

Trickreicher Affe rettet Königin Sita
Das Stück „Khon“ unterhielt ursprünglich nur Mitglieder des Königshauses

Von Birte Bolte

Der Affe Hanuman gewinnt erst das Herz der Nixe und dann die Schlacht gegen das Monster.

Der rote Vorhang geht auf. Auf einer Leinwand werden die Darsteller beim Proben gezeigt. Auf Englisch wird der Zuschauer über die harte Arbeit der Künstler informiert. Dann ein letzter Hinweis vor Beginn des eigentlichen Stückes: Der Zuschauer muss mit den Augen und mit dem Herzen sehen.

„Khon“ erzählt die fantasievolle Geschichte, wie der mächtige weiße Affe Hanuman die von dem Monster Thotsakan entführte und auf einer Insel festgehaltene Königin Sita rettet. Fantasievoll sind auch die mit silber- und goldfarbenen Stickereien verzierten Kostüme der Darsteller. Jede Figur hat eine ebenfalls bestickte Schärpe um den Leib gebunden. Die geplusterten Hosen reichen bis zur Wade. Jedes Kostüm ist handgenäht.

Ebenso viel Arbeit steckt in der Choreographie: Barfuß heben die Künstler ein Bein nach dem anderen rechtwinklig an, um den Gang eines Affen zu imitieren. Ob Hand- oder Fußbewegungen – jede Bewegung ist geplant, der gesamte Körper einschließlich der Finger, die oft gekonnt nach außen gebogen werden, wird kontrolliert.

Die Künstler konzentrieren sich nur auf ihre Bewegungen, erzählt wird die Geschichte von zwei Moderatoren in thailändischem Sprechgesang. Eine Zusammenfassung auf Englisch kann von einem Display über der Bühne abgelesen werden.

Das Stück Khon wird im Sala Chalermkrung Theater in Bangkok aufgeführt.

Zur Geschichte: Der magische Affe Hanuman fliegt gerade rechtzeitig auf die Insel, um den Strick, den sich Sita an einen Baum gebunden hat, zu lösen. Sie glaubte von ihrem Gemahlen, dem König Rama, im Stich gelassen worden zu sein. Nachdem Hanuman sie überzeugen kann, dass er im Auftrag des Königs zur Rettung gekommen ist, muss er noch mehrere Hürden überwinden. Die Königin verlangt die Zerstörung des Monsters. Doch wie schafft er es, dass die Nixen im Ozean nicht immer die neu erbauten Brückenpfeiler für seine Affenarmee stibitzen? Die Sturheit und Frechheit eines Affen wird in Thailand als Zeichen von hoher Intelligenz angesehen, und so erobert Hanuman hartnäckig das Herz der Anführerin der Nixen.

Sein trickreiches manipulierendes Lenken hilft ihm ebenso dabei, das Monster zu täuschen und dessen Herz, das in einer Kiste aufbewahrt wird, zu erhalten. Auch im thailändischen Theaterstück ist es wichtig, das Gesicht zu wahren und so wird auch dem Bösen ein würdevoller Rückzug zum Sterben gewahrt. „Heute bin ich müde, aber morgen komme ich zurück, um zu kämpfen“, sagt Thotsakan, wohlwissend, dass er ohne die Kontrolle über sein Herz sterben muss.

Der König (li.) kämpft gegen Thotsakan

Nach der 90-minütigen Vorstellung applaudieren die Zuschauer kräftig – stehende Ovationen bleiben aus.
Die überwiegende Mehrheit der Zuschauer ist nach Angaben der Managerin des Theaterhauses, Naowarat Bumrungchit, Touristen. Das liegt auch an der Unterstützung der Thailändischen Tourismusbehörde. „Das derzeitige Programm läuft seit zwei Jahren. Im ersten Jahr waren die meisten Zuschauer Thais, seit einem Jahr ist das anders“, sagt sie. Ausgenommen sind die Vorstellungen unter der Woche: „Dann zeigen wir Aufführungen für Schüler und Studenten. Vorstellungen für die gesamte Öffentlichkeit gibt es freitags und samstags, ab 19.30 Uhr“, ergänzt sie.

Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie im Dienste des Theaterhauses Sala Chalermkrung. „Ich bin die erste Frau, die das Theaterhaus leitet“, erzählt sie nicht ohne Stolz. Was ist für sie der wesentliche Unterschied im Vergleich zu damals? „Der Ruf“, sagt sie und erklärt, dass das Theaterhaus vor 20 Jahren als altmodisch galt. „Heute ist das nicht mehr der Fall“, so die Managerin. Doch warum kommen mehr Ausländer als Thailänder in das Theater? „Weil die Thais die Geschichte bereits kennen. Sie gucken sich das Stück auch nur maximal einmal an“, sagt die 46-Jährige.

Bleibt nur zu hoffen, dass das Stück wenigstens fester Bestandteil in den Programmen einiger Reiseveranstalter bleibt – oder dass Thais und Touristen wieder lernen, mit den Augen und mit dem Herzen zu sehen.

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