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Sawadi
Die verschiedenen Formen des Wai
Von Birte Bolte
Sawadi heißt es zur Begrüßung. Doch während sich die Menschen in den meisten westlichen Ländern beim „Guten Tag“ die Hände reichen, erfolgt die Begrüßungsgeste in Thailand ohne Körperkontakt. Gezeigt wird der so genannte „Wai“. Dabei werden die Handinnenflächen vor der Brust beziehungsweise vor dem Gesicht aufeinander gedrückt – die Höhe des „Wai“ hängt von der Beziehung der Personen zueinander ab. Zeitgleich wird leicht der Kopf geneigt.
Der Wai wird zur Begrüßung, bei der Verabschiedung, als Dankeschön, Entschuldigung und beim Beten gezeigt. In puncto Begrüßung und Verabschiedung wird die Geste bei Freunden oder Verwandten, die man regelmäßig trifft, auch gerne weggelassen. Als Dankeschön nutzen die Thais den Wai, um besonderen Dank zu äußern oder Dank gegenüber Personen zu zeigen, die in der Gesellschaft höher gestellt sind. Das können sowohl ältere Personen als auch Mönche oder Arbeitgeber sein.
Die Geste mit den aufeinander gedrückten Handinnenflächen heißt auf Thai „Anchalee“. Die Höhe des Anchalee hängt von der sozialen Stellung des Gegenübers ab. „Der Anchalee fängt bei der Brust an, weil die Begrüßung von Herzen kommt“, sagt Porntep Phonthananuruk, Sozialwissenschaftler an der Kasetsart Universität in Bangkok.
Unterschieden werden laut des Dozenten vier Klassen. Den höchsten Respekt in der Gesellschaft hinter Mitgliedern der Königsfamilie erfahren die Mönche. Beim Wai zu Mönchen wird der Anchalee vorm Gesicht gehalten – die Daumen berühren fast die Fläche zwischen den Augenbrauen. Gleichzeitig verneigt man sich ein wenig mehr als beim Wai zu älteren Menschen. Die Mönche selbst sind nicht verpflichtet, den Wai zu erwidern.
Die zweithöchste Stufe des Wai gilt älteren Menschen, Lehrenden und Personen, denen aus einem anderen Grund, beispielsweise beruflicher Natur, nach außen hin mehr Respekt gezollt wird. Der Anchalee wird soweit gehoben, bis die Daumen kurz unter der Nasenspitze sind.
Die nächste Stufe erfolgt unter Gleichberechtigten wie beispielsweise Freunden. Beide Seiten halten die Hände auf Höhe des Halses – die Daumen berühren fast die Kinnspitze. Eine Verneigung erfolgt nur noch minimal.
Die vierte Stufe beinhaltet den Wai für Jüngere oder in der Hierarchie niedriger gestellte Personen. Die Hände werden auf Höhe der Brust aufeinander gepresst. Die Kopfverneigung ist mehr ein kurzes Nicken.
Den Wai gibt es nicht nur in der thailändischen Gesellschaft. In Indien wird die Geste „Manaste“ in etwa den gleichen Situationen wie in Thailand verwendet. Die Japaner zeigen eine ähnliche körperliche Bewegung, die sie „Gacho“ nennen, beim Gebet. Zur Begrüßung wird in Japan lediglich der Kopf leicht verneigt. „Aber unsere Begrüßungsform ist dennoch einmalig, da wir die vier verschiedenen Stufen haben“, sagt Porntep.
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