Ausgabe 01/2010

Kulturmagazin Siam heute Ausgabe 01/2010
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Asien Kulturfest

Studieren in Thailand

Selbstmord für die Natur
Dank Sueb Nakasatien hat der Regenwald wenigstens eine Chance

Von Birte Bolte

Naturschauspiel in Nordthailand: Regenbogen über dem Fluss Bangpakong bei Ungphang in Tak

Es gibt ihn noch – Regenwald in Thailand. Dass die heutigen Nationalparks „Huai Kha Khaeng“ und „Thungyai Naresuan“ in Nordwestthailand eine mehr als 600.000 Hektar große Fläche (= mehr als 2 Millionen „Rai“) umfassen, ist insbesondere dem bis zum Äußersten gehenden Einsatz von Naturschützern zu verdanken.

Sueb Nakasatien war einer von ihnen. Sein einsamer und ausweglos erscheinender Kampf gegen Wilderei und Holzfällerei, beides unterstützt von korrupten Beamten, ließ ihn 1990 den Freitod wählen. In einem Abschiedsbrief an die Medien erklärte er seine Beweggründe – das bevorstehende Sterben des Waldes. Sein Tod war nicht umsonst. Mit ihm erstarkte das Umweltbewusstsein und auch die UNESCO wurde auf das Naturschutzgebiet aufmerksam. 1991 erklärte die UNESCO die beiden Nationalparks, die sich über die Provinzen Kanchanaburi, Tak, Uthai Thani und Kamphaeng Phet erstrecken, zum Weltnaturerbe.

„Wilderei, Holzfällerei und Landwirte, die ihre Rinder im Wald laufen lassen, sind die großen Probleme“, sagt Sompong Thongsrikhem, Direktor der Station in Thung Yai Huai Kha Kaeng. Letzteres trete am häufigsten auf. „Das klärt die Natur aber alleine. Hier leben 518 verschiedene Tiere, darunter Bären und Tiger“, sagt Sompong. Persönlich kann er auch von den Mahlzeiten der Tiger profitieren. „Sie fressen die Rinder meistens nur halb auf. Die Gariang [Anm. der Red.: ein Bergvolk], denen die Tiere gehören, glauben, dass jemand im Dorf etwas Falsches getan hat und darum das Tier vom Tiger gerissen wurde. Sie essen das übrig gebliebene Rind nicht mehr, sondern verkaufen uns das Fleisch günstig.“

Der TiLorSu-Wasserfall in Tak/Thailand

Wilderei sei inzwischen stark zurückgegangen, nur noch selten treffen Sompongs Wächter im Wald auf die Überreste ermordeter Tiere. Das Problem der Holzfällerei geht heute nicht mehr auf die Holzindustrie und Korruption zurück, sondern auf eine alte Tradition der Gariang. „Die Menschen suchen sich jedes Jahr eine neue Fläche für ihre Landwirtschaft und fällen die Bäume. In Gesprächen versuche ich sie davon abzubringen. Seit vier Jahren haben wir Erfolg“, sagt Sompong. Er selbst beschäftigt viele in seinem Gebiet beheimatete Gariang.
Die Arbeit ist nicht einfach: Sein Gebiet umfasst 240.000 Hektar. Sein Personal besteht aus 120 Mitarbeitern. Sein Budget für Lebensmittel sind 600 Euro pro Monat. „Für technische Geräte bekomme ich vom Staat kein Geld. Computer, Beamer und Satellitenempfangsgeräte für die Förster sind alles Spenden von Nichtregierungsorganisationen“, sagt der Naturschützer.

Dass der Einsatz sich lohnt, ist vielerorts zu sehen. Beim Zelten kann man schon mal Rotwild, Bären und Elefanten vor der eigenen Tür entdecken. Sompong kennt das Verhalten der Tiere. Ein Tiger lebe beispielsweise alleine auf 40 Quadratkilometern. „Tiger sind neugierig. Sie gucken gerne, was los ist.“ Eine Gefahr für die Menschen seien sie in seinem Park nicht. „Es gibt genug zu fressen. Wenn ein Tiger gefressen hat, braucht er drei Tage lang nichts mehr.“ Dennoch ist der Anblick für Menschen ungewohnt. Sompong gibt ein Beispiel: „Einmal kamen Beamte aus Bangkok vorbei und wollten wissen, was es hier zu gucken gibt. Parkmitarbeiter sind mit ihnen zu einer Höhle gefahren. Drinnen war es laut und die Beamten waren am spekulieren, ob es ein Bär oder ein Tiger sei. Kurz darauf kam ein Tiger heraus und stolzierte vorbei. Die Menschen blieben erstarrt stehen. Wenig später folgte ein zweiter und in Panik sind die Leute gegeneinander gelaufen. Manche hatten sogar Platzwunden am Kopf.“ Im Gegensatz zu Tigern seien Elefanten Gruppentiere. „Nur die Frechen werden ausgestoßen und müssen alleine durchs Leben laufen“, so Sompong. Doch manche ziehen auch nur alleine vorne weg. „Einmal wollte ein Elefant unsere Pflanzen, die für Projekte bestimmt waren, fressen. Wir haben ihn verscheucht – dachten wir. Nach einer Weile kam er mit fünf, sechs weiteren Elefanten zurück und die Pflanzen hatten keine Chance.“

Dass die Arbeit aber auch sehr ernst werden kann, weiß Sompong aus Erfahrung. Seit drei Jahren ist er in Tak stationiert, doch noch immer muss er regelmäßig nach Petchabun, wo er zuvor im Nationalpark Khao Yai tätig war. „Viele Gerichtstermine stehen noch an. 58 Menschen habe ich während meiner dortigen Amtszeit festnehmen lassen. Alles reiche Leute, die sich ein Häuschen im Nationalpark bauen lassen wollten.“ Darunter waren auch Parlamentsabgeordnete und führende Kommunalpolitiker. „Dass man ein Haus im angenehmen Klima haben möchte, kann ich ja noch verstehen. Aber warum muss das Grundstück für ein Haus mehr als 80 Hektar umfassen?“ Berechtigte Frage – doch ob die Richter im Sinne der Natur oder im Interesse des eigenen Portemonnaies entscheiden, bleibt abzuwarten.

Sonnenuntergang im Gebirge bei Ungphang in Nordthailand

 

 


 

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